21 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Großbritannien unter Schock: Brexit-Gegnerin getötet

Attentat stoppt Wahlkampf Großbritannien unter Schock: Brexit-Gegnerin getötet

Erschütterung im Endspurt vor dem Brexit-Referendum: Die britische Labour-Abgeordnete Jo Cox wird in ihrem Wahlkreis getötet. Die politischen Lager setzen ihren Wahlkampf vorerst aus. Ein ganzes Land steht unter Schock.

Voriger Artikel
Aktivisten: Assad-Regime bombardiert Aleppo trotz Waffenruhe
Nächster Artikel
Trump an Republikaner: Lasst es mich notfalls alleine machen

Spuren werden am Tatort im britischen Bristall aufgenommen, wo Jo Cox auf einer Wahlkampfveranstaltung war.

Quelle: Jon Super/dpa

London. Entsetzen eine Woche vor dem Referendum über die Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU: Eine Politikerin der sozialdemokratischen Labour-Partei und Brexit-Gegnerin ist nach einem brutalen Angriff gestorben. Die britische Nation reagierte mit offener Bestürzung auf das Verbrechen in der nordenglischen Grafschaft Yorkshire. Jo Cox, die ihre erste Legislaturperiode im Unterhaus absolvierte und als eine der Hoffnungsträgerinnen bei Labour galt, wurde 41 Jahre alt. Sie hinterlässt Ehemann und zwei kleine Kinder. Die beiden politischen Lager im Brexit-Streit setzten nach Bekanntwerden der Tat den Wahlkampf für die am 23. Juni geplante Volksabstimmung vorerst aus.

Verfechterin liberaler Flüchtlingspolitik

Cox hatte sich für einen Verbleib ihres Landes in der EU stark gemacht. Sie galt zudem als glühende Verfechterin einer liberalen Flüchtlingspolitik und hatte sich wiederholt für die Aufnahme von Bürgerkriegsopfern aus Syrien eingesetzt. Cox war zu Besuch in ihrem Wahlkreis, als sie von einem Mann mit einer Schusswaffe und einem Messer attackiert wurde. Sie starb später an ihren Verletzungen. Ein 52-Jähriger wurde in der Nähe des Tatorts festgenommen.

Die Tat ereignete sich um die Mittagszeit im Zentrum der kleinen Stadt Birstall, offenbar als Cox gerade ein Restaurant zum Mittagessen aufsuchen wollte. Medienberichten zufolge beobachteten Augenzeugen, wie ein Mann mehrere Schüsse auf die Politikerin abfeuerte und anschließend mit einem Messer auf sie einstach. Auch ein 77-jähriger Mann wurde angegriffen, er wurde nur leicht verletzt. Kurz nach der Tat wurde ein 52-jähriger Mann festgenommen, die Polizei geht davon aus, dass es sich dabei um den Täter handelt. Von weiteren Tätern sei nicht auszugehen, teilte eine Sprecherin mit.

Rechtsradikaler Hintergrund?

Nach britischen Medienberichten, die sich auf Augenzeugen beriefen, soll der Täter die Worte „Britain First“ gerufen haben, als er festgenommen wurde. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür nicht. Im Wortsinn bedeuten die Worte „Großbritannien zuerst“. Sie sind aber auch der Name einer rechtsradikalen Partei.

Es ist das erste Mal seit 26 Jahren, dass ein britischer Parlamentarier im Amt einem Verbrechen zum Opfer fällt. 1990 war der nordirische Abgeordnete der konservativen Tories, Ian Gow, von IRA-Terroristen getötet worden.

Premierminister David Cameron sagte seine für den Abend geplanten Wahlkampftermine in Gibraltar ab.

 

Der Buckingham Palast kündigte an, Queen Elizabeth II. werde sich in einem privaten Schreiben an die Hinterbliebenen wenden. Im gesamten Land, darunter vor dem Parlamentsgebäude in London, fanden sich Menschen zu Trauerkundgebungen zusammen.

Führende Politiker aller Parteien zeigten sich entsetzt über die Bluttat, deren Hintergründe zunächst unklar waren. Der Ex-Bürgermeister von London und Brexit-Befürworter Boris Johnson schrieb:

 

Auch Labour-Chef Jeremy Corbyn brachte seine Bestürzung per Twitter zum Ausdruck:

 

Auch international herrschte Bestürzung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem „tragischen Vorfall“. Das US-Außenministerium zeigte sich „geschockt und entsetzt“. Der Internationale Währungsfonds in Washington verschob eine für Donnerstag angesetzte Pressekonferenz zur Wirtschaftslage in Großbritannien. Die BBC ließ Fernsehsendungen, die sich mit dem Thema Brexit beschäftigen sollten, ausfallen.

Der Ehemann der Politikerin, Brendan Cox, betonte in einem Statement: „Sie hätte sich jetzt vor allem zwei Dinge gewünscht. Erstens, dass unsere geliebten Kinder viel Liebe erfahren, und zweitens, dass wir uns alle zusammentun, um gegen den Hass zu kämpfen, der sie getötet hat. Hass hat keine Überzeugung, Ethnie oder Religion, er ist giftig.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Deutsche Presse-Agentur dpa

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr zum Artikel
Börsen

Am deutschen Aktienmarkt haben sich die Sorgen über den Brexit weiter verflüchtigt. Der Dax legte den vierten Tag in Folge zu und übersprang zeitweise wieder die Marke von 9800 Punkten.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Politik aus der Welt 2/3