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Ein Schwerverletzter bei Demonstration

Ein Jahr Pegida Ein Schwerverletzter bei Demonstration

Die Kundgebung zum Jahrestag des fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses hat noch nicht begonnen, da formieren sich schon viele Gegendemonstranten in der Stadt an der Elbe. Sie wenden sich gegen rechte Hetze.

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Ein Jahr Pegida: Zur Demo in Dresden erwartet die Polizei Zehntausende Anhänger und Gegner.

Quelle: Michael Kappeler/ dpa

Dresden. Kurz vor Beginn der Kundgebung zum Jahrestag der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung haben sich in Dresden mehrere tausend Demonstranten zum Gegenprotest versammelt. Von verschiedenen Richtungen zogen vier Demonstrationszüge sternförmig in die Altstadt. Dort wollten die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ am frühen Abend den ersten Jahrestag ihres Entstehens feiern.

Der Schriftzug "Wir sind kein Bühnenbild für Fremdenhass - Ihre Semperoper" steht auf einer LED-Leinwand, die an der Semperoper in Dresden angebracht ist. Vor einem Jahr ging Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) in Dresden erstmals auf die Straße. Mit einer Jubiläumskundgebung will sich das fremdenfeindliche Bündnis jetzt feiern.

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Unter dem Motto „Herz statt Hetze“ hat ein breites Bündnis dazu aufgerufen, sich dem Fremdenhass entgegenzustellen. Allein bei einem Demonstrationszug, der von der Technischen Universität startete, waren nach Veranstalterangaben mehr als 5000 Menschen versammelt. Die anderen Protestzüge setzten sich nacheinander in Bewegung. Nach Beobachtungen von dpa-Reportern kamen auch am Bahnhof Mitte rund tausend Gegendemonstranten zusammen, die von dort aus starteten.


Auf dem Theaterplatz vor der Semperoper versammelten sich am frühen Abend unterdessen mehrere hundert Anhänger der fremdenfeindlichen Bewegung sowie Schaulustige. Die Gegendemonstranten wollten in Sicht- und Hörweite der Pegida-Kundgebung protestieren.

Die sächsische Polizei ist nach den Worten von Innenminister Markus Ulbig (CDU) auf einen Großeinsatz vorbereitet. „Wir sind mit mehr als 1000 Beamten im Einsatz, wir haben die Hilfe von sechs Bundesländern und der Bundespolizei“, sagte Ulbig. Man müsse mit mehr als 20 000 Menschen auf den Kundgebungen insgesamt rechnen. Ulbig zeigte sich erfreut über die vielen Gegendemonstranten. Die sächsische Staatsregierung hatte alle Demonstrationsteilnehmer zu Gewaltlosigkeit aufgerufen. Mehrere Mitglieder der Regierung beteiligten sich an den Gegenprotesten.


Die Semperoper empfing das Pegida-Bündnis mit einer elektronischen Leinwand. Im Wechsel hieß es dort: „Wir sind kein Bühnenbild für Fremdenhass“ und „Wir sind keine Kulisse für Intoleranz“.

Grünen-Chefin Simone Peter rief bei einer Kundgebung auf dem Altmarkt dazu auf, die Flüchtlinge in Deutschland als Bereicherung zu sehen. „Wir wollen ein weltoffenes Deutschland“, sagte sie. Ein Vertreter der Gruppe „Chemnitz Nazifrei“ erklärte: „Pegida lässt auch andere rechte und rechtsextreme Gruppen erstarken.“ Die Situation für Flüchtlinge und ihre Unterstützer werde immer gefährlicher. Zuvor hatten Politiker über Parteigrenzen hinweg vor Hass in der Asyldebatte gewarnt. Pegida macht vor allem Front gegen den Zuzug von Asylbewerbern und fordert etwa „Massen-Abschiebungen“.

Ein Schwerverletzter nach Auseinandersetzungen

Bei Auseinandersetzungen zwischen fremdenfeindlichen Pegida-Anhängern und Gegendemonstranten in Dresden ist ein Mann schwer verletzt worden. Der Vorfall ereignete sich nach den Worten eines Polizeisprechers, als die Beamten am Montagabend versuchten, beide Lager in der Altstadt zu trennen. Die Polizei konnte zunächst keine Angaben zu Art oder Schwere der Verletzung machen. Laut einem Bericht der „Sächsischen Zeitung“ handelte es sich um einen Pegida-Anhänger, der mit einer Eisenstange getroffen wurde.

Am Theaterplatz feierten nach Schätzungen der Gruppe „Durchgezählt“ rund 15 000 bis 20 000 „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ den ersten Jahrestag ihres Entstehens. An vier Gegendemonstrationen, die aus verschiedenen Richtungen sternförmig in die Altstadt zogen, nahmen demnach mindestens 14 000 Menschen teil. Es habe mehrere Angriffe von Gegendemonstranten auf Polizeibeamte gegeben, sagte der Sprecher. Daraufhin hätten die Polizisten Pfefferspray eingesetzt.

Göring-Eckardt: Pegida hat Boden für Messerangriff bereitet

Das fremdenfeindliche Pegida-Bündnis, die rechtspopulistische AfD und Hasskommentatoren in sozialen Netzwerken haben aus Sicht der Grünen-Fraktion den Boden für den Messerangriff von Köln bereitet. Stimmungsmache gegen Ausländer und Flüchtlinge habe nichts mehr damit zu tun, dass Bürger ihre Besorgnis ausdrückten, sagte Fraktionschefin Göring-Eckardt am Montag im ARD-Morgenmagazin. „Das ist der Versuch, die Demokratie abzuschaffen.“ Wer jetzt bei Pegida mitlaufe, der müsse wissen, dass er sich in Gesellschaft von „neuen Nazis“ befinde.

Zum Jahrestag der Pegida-Gründung werden am Montagabend in Dresden Großkundgebungen des Bündnisses und seiner Gegner erwartet. Die am Sonntag neu gewählte Oberbürgermeisterin von Köln, Henriette Reker, war am Vortag bei einer Wahlkampfveranstaltung niedergestochen worden. Der Täter gab fremdenfeindliche Motive an. Reker liegt schwer verletzt auf der Intensivstation.

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