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Empörung über Luftangriff auf Flüchtlingslager

28 Tote in Syrien Empörung über Luftangriff auf Flüchtlingslager

Verzweifelte Menschen suchen Schutz vor Krieg und Zerstörung — und sterben doch im Bombenhagel. Nach dem Angriff auf ein syrisches Flüchtlingscamp reagieren Politiker empört, sogar der Verdacht eines Kriegsverbrechens steht im Raum. Doch wer trägt die Verantwortung?

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Seit Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien sind nach UN-Angaben rund 400.000 Menschen ums Leben gekommen.

Quelle: EPA/SANA

New York/Damaskus. Rückschlag für die Friedensbemühungen in Syrien: Bei einem Luftangriff auf ein Flüchtlingslager in einem von Rebellen kontrollierten Gebiet im Norden des Bürgerkriegslands sind am Donnerstag mindestens 28 Menschen getötet worden. Dies teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Bei einem Doppelanschlag auf eine von der Regierung beherrschte Stadt in Mittelsyrien starben zudem mindestens zwölf Menschen. Zuvor war nach fast zwei Wochen heftigen Kämpfen eine neue Waffenruhe auf Aleppo ausgeweitet worden, die zunächst weitgehend hielt.

Die Vereinten Nationen haben den verheerenden Luftangriff auf ein Flüchtlingslager in Nordsyrien mit rund 30 Toten scharf verurteilt. Falls das Camp bewusst als Ziel ausgesucht worden sei, könnte es sich um ein Kriegsverbrechen handeln, hieß es in einer Stellungnahme des UN-Nothilfekoordinators Stephen O'Brien am Donnerstag. Die Sicherheitsberaterin von US-Präsident Barack Obama, Susan Rice, äußerte sich schockiert und erklärte, für einen solchen Angriff auf Zivilisten gebe es keine Rechtfertigung. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sprach von einer schweren Verletzung humanitären Völkerrechts.

Laut der gewöhnlich gut informierten Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden bei dem Luftangriff 28 Menschen getötet, unter ihnen mindestens sieben Kinder. Außerdem seien Dutzende Menschen teils schwer verletzt worden. O'Brien sprach von mindestens 30 Toten und mehr als 80 Verletzten. Wer für die Attacke in dem von Rebellen kontrollierten Gebiet nahe der türkischen Grenze verantwortlich ist, war zunächst unklar.

O'Brien forderte eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls. „Anhaltende Kämpfe und Luftangriffe bedeuten, dass wehrlose, verängstigte Kinder, Frauen und Männer keinen Zufluchtsort haben“, mahnte der UN-Nothilfekoordinator. Mogherini und der EU-Kommissar für Humanitäre Hilfe, Christos Stylianides, forderten alle Konfliktparteien auf, Zivilisten und zivile Einrichtungen wie Schulen und Kliniken zu schützen.

Insgesamt sind seit Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien vor mehr als fünf Jahren nach UN-Angaben rund 400.000 Menschen ums Leben gekommen. Millionen wurden aus ihrer Heimat vertrieben.

Heftige Kämpfe östlich von Muharram Fukani

Östlich von Muharram Fukani hatte der IS zuvor nach drei Tagen heftiger Kämpfe das wichtige Gasfeld Al-Schair eingenommen, wie die Menschenrechtler weiter erklärten. Die Terrormiliz hatte dieses Gebiet bereits im Sommer 2014 kurzfristig unter Kontrolle, wurde jedoch von Kräften des Regimes wieder zurückgedrängt.

Aleppo ist zwischen Regime und Rebellen geteilt. Die Stadt ist umkämpftester Schauplatz in Syriens Bürgerkrieg. Den Menschenrechtsbeobachtern zufolge waren dort zuletzt mindestens 285 Zivilisten bei Luftangriffen des Regimes sowie Attacken von Rebellen getötet worden. Aus Protest gegen den Anstieg der Gewalt hatte Syriens Opposition die Genfer Friedensgespräche verlassen.

Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete am Donnerstag nur vereinzelte Verstöße gegen die Feuerpause in Aleppo. Allerdings hätten viele Anwohner aus Angst vor neuer Gewalt ihre Häuser nicht verlassen.

Waffenruhe wurde verletzt

Die USA und Syriens enger Verbündeter Russland hatten sich auf die neue Waffenruhe geeinigt. Der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, sagte in Washington: „Intensität und Frequenz der Auseinandersetzungen haben abgenommen, aber wir sind besorgt über anhaltende und zu viele Verletzungen der Waffenruhe.“

Das US-Außenministerium erklärte, es setze darauf, dass Russland seinen Einfluss auf das Regime von Präsident Baschar al-Assad geltend mache. Die USA würden das ihre tun. Von russischer Seite hieß es, der Schritt könnte der „Prolog zu einer vollwertigen Feuerpause“ sein. „Aber wenn jemand wie die (Terrorgruppe) Al-Nusra-Front bewusst den Frieden nicht will, wird er alle Seiten ständig provozieren und beschießen“, sagte Generalmajor Igor Konaschenkow. Bei der Al-Nusra-Front handelt es sich um den syrischen Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Sie ist von der Waffenruhe genauso ausgenommen wie der IS.

Assad machte zugleich in einem Schreiben an Russlands Präsidenteb Wladimir Putin deutlich, dass er weiter auf einen „endgültigen Sieg“ gegen die Rebellen setzt.

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