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Notbremse – erste katalanische Bank zieht um

Banc Sabadell Notbremse – erste katalanische Bank zieht um

Die Banc Sabadell, eine der beiden großen katalanischen Banken, will ihren Sitz in eine andere spanische Stadt verlegen, um der „regulatorischen Unsicherheit“ nach einer möglichen Unabhängigkeitserklärung zu entgehen.

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Quelle: imago stock&people

Barcelona. Die Banc Sabadell, nach ihren weltweiten Aktiva die viertgrößte Bank Spaniens, hat sich vorgenommen, ihren Firmensitz aus dem katalanischen Sabadell, einer Vorstadt Barcelonas, in eine andere spanische Stadt zu verlegen. Die Entscheidung ist eine Antwort auf den katalanischen Unabhängigkeitsprozess, der voraussichtlich am kommenden Montag mit der formellen Ausrufung der katalanischen Republik seinen vorläufigen Höhepunkt erreichen wird – auch wenn das spanische Verfassungsgericht am Donnerstagnachmittag die dafür vorgesehene Sitzung des katalanischen Regionalparlaments suspendiert hat. Auf solche Beschlüsse hören die Separatisten gewöhnlich nicht.

„Mit dieser Entscheidung [zum Umzug der Banc Sabadell] verschwindet die regulatorische Unsicherheit, denn was immer nach einer möglichen einseitigen Unabhängigkeitserklärung geschehen wird: Die Bank wird in Spanien bleiben, und, was wichtiger ist, unter dem regulatorischen Schirm der Europäischen Zentralbank“, sagte ein nicht genannter Sprecher der Bank zur katalanischen Zeitung La Vanguardia. Der Verwaltungsrat der Banc Sabadell wollte am Donnerstagnachmittag zusammenkommen, um über den neuen Firmensitz zu entscheiden. Im Gespräch waren Alicante und Madrid.

Die Entscheidung sei „eine sehr gute Nachricht für Spanien“, meint der Finanzexperte Juan Ignacio Crespo. Zum einen sei sie „eine weitere Bremse“ für den Unabhängigkeitsprozess. Zum anderen werde sie voraussichtlich den Abfluss von Einlagen stoppen und so einen Kollaps der Bank verhindern. Erste Kunden hätten in diesen Tagen ihre Konten bei der Banc Sabadell aufgelöst, auch wenn die Höhe der gekündigten Gelder noch nicht bekannt sei.

Einbruch der spanischen Börse um 2,85 Prozent

Falls das katalanische Parlament am kommenden Montag die Unabhängigkeit Kataloniens erklären sollte, wäre die 7,5-Millionen-Einwohner-Region im Nordosten Spaniens damit keineswegs ein neuer europäischer Staat. Dafür müsste Katalonien von Spanien und vom Ausland als Staat anerkannt werden, und zurzeit gibt es keine Indizien dafür, dass es so weit kommt. Außer dem venezolanischen Regime von Nicolás Maduro hat bisher keine Regierung Sympathien für die katalanischen Separatisten erkennen lassen.

Eine Unabhängigkeitserklärung würde dennoch so viel politische Unruhe auslösen, dass sie schließlich auch die wirtschaftlichen Akteure ergreifen dürfte. Erste Anzeichen dafür hat es in diesen Tagen nach dem Unabhängigkeitsreferendum vom Sonntag bereits gegeben. Bemerkenswert war der Einbruch der spanischen Börse am Mittwoch um 2,85 Prozent. Am Vorabend hatte König Felipe in einer Fernsehansprache das Vorgehen der Separatisten mit harschen Worten verurteilt und damit letzte Hoffnungen beseitigt, dass Verhandlungen zwischen der spanischen Regierung und den katalanischen Rebellen vielleicht doch noch eine schnelle Lösung des Konflikts erlauben.

Die Aktien, die seit Wochenanfang am meisten an Wert verloren, waren die der beiden großen katalanischen Banken, der Caixa-Bank und der Banc Sabadell. Die Umzugsentscheidung der Banc Sabadell ließ ihre Börsennotierung bis zum Donnerstagnachmittag wieder um etwa 3,4 Prozent steigen. In ihrem Windschatten legte auch die Caixa-Bank (Nummer 3 in Spanien) deutlich zu. Doch ob auch die Caixa-Bank Katalonien so schnell verlassen wird, ist ungewiss. Nach deren Statuten kann der Verwaltungsrat eine solche Entscheidung nicht ohne ein Votum der Aktionärsversammlung treffen. Die Caixa-Bank ist während der schweren spanischen Wirtschaftskrise aus dem Zusammenschluss mehrerer ehemaliger Sparkassen entstanden. In der Bank reden immer noch katalanische Politiker mit, was die Entscheidung für einen Umzug erschweren dürfte. „Caixa-Bank ist ein katalanisches Wahrzeichen. Das wäre, als würde [der Fußballclub] Barça Katalonien verlassen“, sagte ein katalanischer Banker zu El País.

Spanische Wirtschaft in Bedrängnis

Der (mögliche) Wegzug der Banken aus Katalonien dürfte allerdings selbst vielen Katalanen nicht ungelegen kommen. Der Finanzexperte Crespo erinnert sich an einen Vortrag, den er vor vier Jahren in der Universitat Pompeu Fabra von Barcelona hielt. Im Publikum saßen zahlreiche Vertreter der separatistischen Republikanischen Linken (ERC). „Wenn die Unabhängigkeitserklärung kommt, werdet ihr alle nach Zaragoza [im benachbarten Aragón] laufen, um dort eure Ersparnisse in Sicherheit zu bringen“, hielt er ihnen vor. „Als Antwort erhielt ich ein lautes zustimmendes Lachen“, erinnert sich Crespo.

Nicht zum Lachen ist der CUP, einer kleinen linksradikalen Gruppe, die die bürgerlich-sozialdemokratische Regionalregierung im katalanischen Parlament unterstützt. Die CUP-Abgeordnete Eulàlia Reguant sagte in einem Interview, die Regionalregierung solle nicht länger mit Großbanken wie der Caixa-Bank, Banc Sabadell oder der spanischen BBVA zusammenarbeiten. „Wir haben schon darum gebeten. Die Finanzinstitute halten immer zum Status Quo, weil sie selber Status Quo sind.“ Sie rief die Katalanen dazu auf, zu kleinen Alternativbanken wie Fiare Banca Etica oder Coop57 zu wechseln.

Der katalanische Unabhängigkeitsprozess bringt die gesamte spanische Wirtschaft in Bedrängnis. Neben der Börse geraten auch die Staatsanleihen unter Druck, wenn auch vorerst nur wenig. Seit vergangenem Freitag ist die Verzinsung spanischer 10-Jahres-Anleihen von 1,6 auf 1,8 Prozent gestiegen. Die Ratingagenturen zögern mit der eigentlich seit längerem erwarteten Heraufstufung spanischer Staatspapiere. Und die Regierung hat Schwierigkeiten, den Haushalt fürs kommende Jahr durchs Parlament zu bringen, weil sie die kleine Baskische Nationalistische Partei aus Protest gegen den harten Katalonienkurs nicht unterstützen will.

Am härtesten wird der Konflikt über die Unabhängigkeit aber wohl die Katalanen selbst treffen. Vor der Banc Sabdaell haben in diesen Tagen schon andere Unternehmen wie Naturhouse und Oryzon ihren Wegzug beschlossen, von der Madrider Börse euphorisch (und wahrscheinlich patriotisch) begrüßt. Was jetzt noch fehlt, ist der Einbruch des Tourismus. American Airlines hat ihren Kunden bereits versprochen, ihre Flüge nach Barcelona in den kommenden Tagen problemlos umzubuchen – um den dort erwarteten „Mobilisierungen“ zu entgehen.

Von Martin Dahms/RND

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