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Polizisten kann man nicht vermieten

Kommentar Polizisten kann man nicht vermieten

Jeder Bundesligaspieltag bindet Woche für Woche tausende Polizisten – und das kostet. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) solle künftig die Kosten tragen, fordert ein Bremen Innensenator. Der Liga-Dachverband klagte dagegen – mit Erfolg. Eine richtige und wichtige Entscheidung des Gerichts, meint Dirk Schmaler. Ein Kommentar.

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Polizisten vor dem Bremer Weserstadion.

Quelle: imago

Bremen. Die politische Kapitulation kam per Gebührenbescheid. Nach dem Bundesligaspiel Werder Bremen gegen den HSV im April 2015 schickte die Bremer Verwaltung der Deutschen Fußball-Liga erstmals eine Rechnung über 425 718,11 Euro – für die Sicherung öffentlicher Straßen und Plätze gegen randalierende Fans. Es folgten weitere. Der Innensenator des chronisch klammen Stadtstaates Bremen ist der Meinung, dass die Kosten der Polizeieinsätze bei sogenannten Risiko-Spielen „nicht allein vom Steuerzahler getragen werden dürfen“. Das Verwaltungsgericht Bremen hat am Mittwoch den einsamen Ideen des SPD-Senators Ulrich Mäurer einen dringend nötigen Dämpfer verpasst und einer Klage der Liga gegen Bremen in erster Instanz recht gegeben. Polizisten kann man nicht vermieten.

Sicherlich: Die Bundesliga, selbst ein Milliarden-Markt, bindet jedes Wochenende mehrere Tausend Polizisten – die an anderer Stelle fehlen. Das ist ärgerlich, zumal nur eine kleine Minderheit der Fans eine Gefahr darstellt, und die Mammuteinsätze nötig macht. Und dennoch kann man nur hoffen, dass auch die obersten Richter den unsinnigen Vorstoß verwerfen werden – als ungesunde Mischung aus populistischer Chuzpe und finanzpolitischer Verzweiflung. Richtig ist: Die Liga und die Vereine müssen für die Sicherheit in den Stadien sorgen. Dafür zahlen sie auch heute schon und erfüllen viele, teils sehr teure Auflagen. Für die öffentliche Ordnung in Innenstädten, auf Parkplätzen oder Bahnhöfen aber ist allein die Polizei zuständig.

Straftäter unter den Fußballrowdys dingfest machen

Es wäre zudem geradezu grotesk, würden der Liga-Dachverband dafür haftbar gemacht, was Problemfans vor oder nach dem Stadionbesuch anstellen. Da gilt das Verursacherprinzip. Es käme auch kein Wirt auf die Idee, von der Bundesliga Schadenersatz zu verlangen, weil rivalisierende Fans seine Kneipe auseinandergenommen haben. Viele Hooligans kaufen sich schließlich nicht mal ein Ticket.

Statt von den Vereinen eine Art Randalepauschale einzufordern und sich auf die Rolle eines Wachdienstes zu beschränken, muss die Polizei sich stärker bemühen, die Straftäter unter den Fußballrowdys dingfest zu machen. Das ist aufwendig und kostet noch mehr Personal. Aber die Polizei ist kein Wirtschaftsbetrieb. Sie wird von der Allgemeinheit dafür bezahlt, Gefahren abzuwehren und Straftaten aufzuklären. Wenn eine Landesregierung wie die im unterfinanzierten Bremen das nicht mehr unentgeltlich gewährleisten kann, ist das Land ziemlich am Ende.

Von Dirk Schmaler/RND

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