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Renten-Desaster bei Anne Will

TV-Kritik Renten-Desaster bei Anne Will

Eine Stunde lang versuchte die Runde bei Anne Will am Sonntagabend über die Rente zu diskutieren. Was ein Problem ist, wenn nach zehn Minuten der Stoff ausgeht. Schnell war sich die Mehrheit der Runde einig: Die Rentenreform der Schröder-Ära hat nicht funktioniert.

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Anne Will und ihre Gäste sprachen am Sonntag über die Rente.

Quelle: SWR/NDR/Wolfgang Borrs

Berlin. Die private Vorsorge funktioniert nicht, weil die  Riester-Rente wegen des Nullzinsumfelds und der hohen Versicherungsgebühren nicht einschlug wie erwartet. Die Absenkung des Rentenniveaus müsse korrigiert werden, auch wenn das zu Lasten der Jungen geht. Für prekäre Beschäftigte gibt es damit die vage Hoffung, der Alterarmut zumindest ein Stück weit zu entgehen, mehr aber auch nicht.

Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) verteidigte missmutig die Politik in der Schröder-Ära genau so wie die aktuellen wahltaktischen Pläne von Gabriel und Seehofer, ohne dass ihr ein politisches Schwergewicht Kontra geben konnte. Beeindruckend war allein die Putzfrau und Gewerkschafterin Susanne Neumann, die über ihren mit 56 Jahren unvermeidbaren Weg in die Altersarmut berichtete und keine Scheu davor hatte, die teils abschweifende Diskussion zum Thema zurückzubringen. Maximal 900 Euro Rente wird Neumann am Ende ihres Arbeitslebens erhalten, rechnete sie zu Beginn der Sendung vor.

Der Rest der Runde bestand aus Experten, die in ihrem engen Rollenschema blieben: Marcel Fratzscher, Vorsitzender des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, forderte Umverteilung zugunsten der Niedriglohn-Beschäftigten und merkte an, dass alle Rentenreformen der Vorjahre eigentlich den Falschen, weil bereits ausreichend Versorgten zu Gute kamen. Rainer Hank, Wirtschaftschef der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", plädierte für die Eigenverantwortung der Bürger und ärgerte Hanelore Kraft immer dann, wenn er euphorisch die Agenda 2010 lobte. Hubertus Porschen vom Verband "Die jungen Unternehmer" gab eine derart substanzlose Karikatur eines Jungunternehmers, dass selbst Kraft kurz vor einer Mitleidsattacke stand. Außer der erstaunlich un-larmoyanten Susanne Neumann war niemand da, der dieser Sendung ungewöhnliche Aspekte hinzufügen konnte. Gedanken wie das Grundeinkommen beispielsweise kamen nicht vor. Was von der Sendung bleibt, ist allein Fratzschers Satz: "Deutschland ist inzwischen eines der ungleichsten Länder in der zivilisierten Welt."

Das Schlusswort gehörte Susanne Neumann: "Ich glaube, ich bin im falschen Film. Ich war nie faul, habe immer malocht. Was habe ich falsch gemacht?" Es war nicht die einzige unbeantworrte Frage dieser schwachen Sendung.

Von Jan Sternberg

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