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Beifall für Gauck und Partystimmung

Tag der deutschen Einheit Beifall für Gauck und Partystimmung

Joachim Gaucks Rede ist der Höhepunkt der zentralen Einheitsfeier in Frankfurt. Abseits seiner nachdenklichen Worte wollen die Bürger aber vor allem eines: Party machen.

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Der hessische Ministerpräsident und Bundesratspräsident Volker Bouffier (CDU, l-r), dessen Ehefrau Ursula Bouffier, Daniela Schadt, Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Bundespräsident Joachim Gauck beim Festakt der Einheitsfeier vor der Alten Oper in Frankfurt am Main.

Quelle: Arne Dedert/dpa

Frankfurt. Politische Prominenz, Proteste und Partystimmung: Das Bürgerfest zu 25 Jahren deutsche Einheit hat am Samstag Hunderttausende in die Frankfurter Innenstadt gelockt. Den Festakt in der Alten Oper verfolgen mehr als 1000 Menschen dicht gedrängt auf einer Leinwand. Als Bundespräsident Joachim Gauck Einheimische wie Zuwanderer zur Achtung demokratischer Grundwerte aufruft und sich für einen Kodex ausspricht, „der allgemein als gültig akzeptiert ist“, gibt es auf dem Opernplatz Applaus. Auch als das Staatsoberhaupt kurz darauf ausruft: „Unsere Werte stehen nicht zur Disposition!“, brandet vor allem im Saal Beifall auf.

In seiner Rede erinnert Gauck an das „große Glück“ der Wiedervereinigung — ohne den „schwierigen Prozess“ des Zusammenwachsens klein zu reden. Sein Fazit ist aber positiv: „Deutschland hat in Freiheit zur Einheit gefunden — politisch, gesellschaftlich, langsamer auch wirtschaftlich und mit verständlicher Verzögerung auch mental.“ Gleichzeitig schlägt das Staatsoberhaupt dabei den Bogen zur Herkulesaufgabe, die aktuell vor Deutschland liegt: Die Integration Hunderttausender Flüchtlinge. „Es gilt, wiederum und neu, die innere Einheit zu erringen“, betont der Bundespräsident aus Ostdeutschland.

Sichtlich bewegt verfolgt auf dem Opernplatz eine 72-Jährige die Bilder zu Mauerfall und Wiedervereinigung am Beginn des Festakts. „Das ist fantastisch, besonders weil das jetzt viele junge Leute sehen, die das alles nicht mehr kennen“, sagt die Frankfurterin, die ihren Namen nicht nennen will. Vergeblich warten mehrere Zuhörer auf eine Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). „Redet Merkel nicht? Kommt sie auch nicht auf den Balkon?“, fragt eine Chinesin enttäuscht.

Protest in Frankfurt

Es gibt aber auch Protest gegen den Festakt: Rund 300 Vertreter linker und linksradikaler Gruppen lassen Papierschnipsel in die Menge regnen und skandieren dabei Parolen wie „Kein Mensch ist illegal“. Das Motto der Einheitsfeier „Grenzen überwinden“ halten die Demonstranten mit Blick auf die Flüchtlingspolitik für zynisch. Mehr als 1000 waren bereits am Freitagabend durch die Innenstadt gezogen.

Als Gauck, Merkel und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) am Morgen vor der Paulskirche vorfahren, um sich in das Goldene Buch der Stadt einzutragen und anschließend zum Gottesdienst im Kaiserdom zu laufen, hält sich der Andrang in Grenzen. Kein Vergleich zum Queen-Besuch vor einigen Monaten. Dennoch: Die kulinarische und kulturelle Präsentation der Bundesländer am Mainufer, die zahlreichen Konzerte auf den zwei großen Bühnen und die Ost-West-Musik-Lichtshow am Abend am Main locken Zehntausende nach Frankfurt.

„Als die Mauer fiel, war ich beruflich in Hongkong und habe das aus dem Fernsehen erfahren“, erzählt Anwalt Thomas Langohr, der in Frankfurt und Heilbronn zu Hause ist. „Das möchte ich jetzt aufarbeiten. 25 Jahre sind ja etwas Historisches.“

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