16 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Tausende zur Trauer am Brandenburger Tor

Es lebe die Freiheit Tausende zur Trauer am Brandenburger Tor

Nach den verheerenden Terroranschlägen in Paris haben in Berlin Tausende Menschen Trauer und Mitgefühl bekundet. Der Pariser Platz vor der französischen Botschaft verwandelte sich bis zum Samstagabend in ein wahres Blumen- und Kerzenmeer.

Voriger Artikel
Anspannung in Flüchtlingsunterkunft nach Massenschlägerei
Nächster Artikel
Paris trägt Trauer

Nach den Attentaten in Paris wird Brandenburger Tor in Berlin in den Farben Frankreichs angestrahlt.

Quelle: Jörg Carstensen/dpa

Berlin. Seit Anbruch der Dämmerung war das nahegelegene Brandenburger Tor in den französischen Nationalfarben Blau, Weiß und Rot angestrahlt. Wie die Polizei mitteilte, waren zur Spitzenzeit rund 2000 Menschen gleichzeitig am Platz.

Menschen trauern am Brandenburger Tor um die Opfer von Paris. Foto: Jörg Carstensen/dpa

Quelle:

Nach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und mehreren Kabinettsmitgliedern trug sich am Abend auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) mit Senatskollegen in das Kondolenzbuch der Botschaft ein. Zusammen mit Innensenator Frank Henkel (CDU) traf er mit dem französischen Botschafter Philippe Étienne auch zu einem Gespräch über die Sicherheitslage zusammen. Paris ist Partnerstadt von Berlin.

„Mein Gefühl und meine Trauer müssen irgendwohin“, sagt Astrid Hollmann vor der französischen Botschaft in Berlin. Nach der furchtbaren Terrorserie in Paris kommen den ganzen Tag über Menschen an den Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor. Fassungslosigkeit, Trauer, Wut und Trotz sind zu spüren. „Unser schönes Europa dürfen wir uns nicht kaputt machen lassen“, sagt die 46-jährige Berlinerin und trifft den Nerv vieler.

Bis zum Nachmittag versammeln sich mehrere Hundert Menschen vor der Botschaft. Sie stehen in stillem Bedenken beieinander, einzeln oder in Gruppen. Manche fassen sich an den Händen. Gegen 17.00 Uhr leuchtet das Brandenburger Tor in den französischen Nationalfarben Blau, Weiß und Rot auf — so wie schon Anfang des Jahres nach dem Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“.

Menschen legen weiße Rosen mit Trauerflor nieder und zünden Kerzen an. „Unser Beileid — Es lebe Frankreich! Es lebe Europa! Es lebe die Menschlichkeit!“ steht in Französisch auf einem provisorisch ausgedruckten Foto.

„Es ist ein Horror“, sagt eine Berlinerin, die erst am Morgen von den Schreckensnachrichten erfahren hat. Dass unschuldige junge Leute sterben mussten wie früher an der Mauer, habe sie besonders betroffen gemacht, sagt sie.

Mitgefühl mit der Rockband

Eine andere junge Frau hat Tränen in den Augen. Ihr Mitgefühl haben vor allem die Rockband und die Besucher in der Pariser Konzerthalle „Bataclan“, in der sie selbst schon war. „Dass Menschen angegriffen werden, die einfach nur Spaß haben wollen“, findet sie furchtbar. „Liebe braucht die Welt“, steht auf einem Zettel mit roten Kerzen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt am Nachmittag mit mehreren Ministern zu der weiträumig abgesperrten Botschaft. Als sie sich zu den versammelten Menschen umdreht und ihnen kurz zuwinkt, erhält sie spontan Beifall. Ein einsamer „Abtreten“-Rufer wird leise, aber bestimmt aus der Menge zurechtgewiesen: „Hier geht es ums Gedenken.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (Mitte, CDU) trägt sich in Berlin nach den Anschlägen in Paris ins Kondolenzbuch ein. Hinten (l-r) Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD), Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU), Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (beide CDU).

Quelle: Kay Nietfeld/dpa

„In tiefer Trauer und in großer Freundschaft“, schreibt Merkel ins Kondolenzbuch. „…Und wir verteidigen, was Sie in Europa einst ins Leben riefen: Liberté, Egalité, Fraternité“, hatte dort kurz zuvor schon Bundespräsident Joachim Gauck versprochen.

Leben geht scheinbar unberührt weiter

Vor der mit Polizeigittern gesicherten Botschaft geht das Leben auf dem geschichtsträchtigen, quirligen Platz an der Ostseite des Brandenburger Tores scheinbar unberührt weiter. Touristengruppen starten ihre Touren durch die Hauptstadt und posieren für ein Foto mit Berlins berühmtestem Wahrzeichen. Im Hintergrund werden die Fahnen am deutschen Parlament wie auf anderen öffentlichen Gebäuden der Stadt auf halbmast gesetzt.

Der Pariser Platz, der seit gut 200 Jahren den Namen der französischen Hauptstadt trägt, hat schon viele Tränen gesehen — der Freude wie der Trauer. Im Zweiten Weltkrieg wurde er fast vollständig zerstört und erst nach der Deutschen Einheit wieder aufgebaut.

Zu Zeiten der Berliner Mauer war er für die meisten Menschen Niemandsland — von Grenzanlagen gesichert und nicht zu erreichen. Umso unvergessener ist Silvester 1989, als Tausende Menschen auf der Mauer euphorisch die Wiedervereinigung feierten.

„Wir werden jetzt solidarisch sein mit unseren französischen Freunden“, hatte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) schon zuvor bei einer Parteiveranstaltung versichert. Und: „Wir lassen uns unser offenes und freies Leben nicht kaputt machen.“

„In solchen Zeiten muss man sich erst recht solidarisch zeigen“, meint auch eine Berlinerin, die mit Blumen und einer Kerze zur Botschaft gekommen war. Mit diesen Worten gibt sie die Kerze dem drei Jahre alte Frederic ab, der mit seinem Vater an der Absperrung steht. Sie wollen der Familie und Freunden in Paris in diesen Stunden ein bisschen näher sein.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Terrorismus
Bundesinnenminister Thomas de Maiziere informiert auf einer Pressekonferenz zu den Anschlägen in Paris.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sieht Deutschland nach den Anschlägen von Paris weiter im Visier des internationalen Terrorismus. "Die Lage ist ernst.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Politik aus der Welt 2/3