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„Wenn die Sonne scheint, sind alle auf Deiner Seite“

Katarina Barley „Wenn die Sonne scheint, sind alle auf Deiner Seite“

Die drei Wahlniederlagen waren ein Schock, jetzt will SPD-Generalsekretärin Katarina Barley zurück in die Offensive. Im RND-Interview spricht sie über Kritik an ihrer Person, Tiefschläge, Candy-Stürme und darüber, was sie in den turbulenten Tagen gelernt hat.

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Katarina Barley, Generalsekretärin der SPD.

Quelle: dpa

Berlin. Mit SPD-Generalsekretärin Katarina Barley sprach Andreas Niesmann aus dem Berliner Büro des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND).

Frau Barley, die SPD gleicht einer Achterbahnfahrt. Tiefes Tal, schneller Aufstieg, Looping und dann wieder bergab. Ist ihnen schwindelig?

Nein. Ich gebe zu: Es waren turbulente Monate. Sie haben gezeigt, was möglich ist. In die eine, wie in die andere Richtung. Daran müssen sich alle Parteien gewöhnen.

Plötzlich stehen auch Sie persönlich in der Kritik. Zu Recht?

Konkrete Vorwürfe habe ich gar keine gehört. Ich wüsste auch nicht, welche das sein sollten. Ich verantworte den Bundestagswahlkampf – und der geht jetzt erst los.

Ein Vorwurf lautet, Sie hätten keine Erfahrung in der Organisation eines Bundestagswahlkampfes.

Die hatten meine Vorgänger auch nicht. Andrea Nahles, Hubertus Heil, Olaf Scholz – für jeden war es das erste Mal.

Sie waren lange „Everybodys Darling“. Bei Twitter gab es Candy-Stürme. Wie nah geht ihnen die Kritik?

Damit muss ich leben. Wenn die Mannschaft verliert, wird der Trainer kritisiert. Und ich bin die Co-Trainerin der SPD. Ansonsten finde ich es interessant. Wenn die Sonne scheint, sind alle auf Deiner Seite. Erst bei Gegenwind merkst Du, auf wen Du Dich verlassen kannst. Da gibt es dann Überraschungen in die eine wie in die andere Richtung.

Wie kommt die SPD in die Offensive?

Über unsere Themen. Wir werden über das große Feld der Gerechtigkeit reden, über Investitionen in unsere Zukunft, über Europa und über den Kampf gegen Rechts.

Gehören dazu auch Null-Toleranz-Politik und mehr Abschiebungen wie Sie im Wahlprogramm fordern?

Wir reden da über Hassprediger und Menschen, die sich nicht an die Regeln halten. Die müssen unser Land wieder verlassen. Aber wir machen keine Stimmung gegen Ausländer wie die CSU. Im Gegenteil: Wir fordern ein Einwanderungsgesetz für Fachkräfte, die wir dringend brauchen. Innenminister Thomas de Maizière ist da ein Totalausfall. Und leider nicht nur da: Wenn sich jetzt herausstellt, dass zehn Prozent der positiven Asylbescheide falsch sind, ist das doch zum Haare raufen. In Fragen der Flüchtlingspolitik hat der Innenminister kläglich versagt.

Sie sind jetzt im Wahlkampfmodus...

Nein, ich benenne Missstände. Daran müssen sich die CDU und ihre Vorsitzende gewöhnen. Übrigens finde ich es empörend, wenn jetzt die Leiterin der politischen Planung des Kanzleramts einen Werkvertrag für den Wahlkampf in der CDU-Zentrale bekommt. Und der Kanzleramtschef Wahlkampfmanager wird. Und der Regierungssprecher die Bedingungen des TV-Duells aushandelt. Frau Merkel vermengt die Interessen von Partei und Staat in einer Art und Weise, die ich in Deutschland nicht für möglich gehalten hätte.

Zur Person

Katarina Barley (48) ist seit Dezember 2015 Generalsekretärin der SPD. Die gebürtige Kölnerin arbeitete als Rechtsanwältin, Mitarbeiterin am Bundesverfassungsgericht und Richterin, bevor sie 2013 in den Bundestag gewählt wurde. Barley hat einen englischen Vater und eine deutsche Mutter. Sie lebt in Schweich bei Trier

Von Andreas Niesmann/RND

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