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„Wir haben aus der Geschichte gelernt“

25 Jahre Einheit „Wir haben aus der Geschichte gelernt“

Die bewegenden Bilder vom Fall der Mauer und den Einheitsfeiern in Berlin am 3. Oktober 1990 sind noch in Erinnerung. Auch am Dienstagabend in der Lübecker Musik- und Kongresshalle lebten sie noch einmal auf. Die 1600 Teilnehmer und Gäste des 20. Wirtschaftstages der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern blickten zurück.

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Kam ebenfalls zum Wirtschaftstag nach Lübeck: Linken-Parteichefin Katja Kipping, hier mit Michael Brandt (Volksbank).

Quelle: Lutz Roeßler

Lübeck. „25 Jahre Deutsche Einheit. Deutschland (un)einig Vaterland? Oder wächst zusammen, was zusammen gehört?“ lautete das Motto, zu dem Moderatorin Maybrit Illner – 1989 war sie 24 Jahre alt – ihre Gäste befragte.

 Der, auf den sich viele gefreut hatten, konnte nur auf einer Video- Leinwand zugeschaltet werden. Der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FD) begrüßte das Publikum vor dem Bücherregal seines Bonner Wohnzimmers. „Ich bedaure sehr, nicht bei Ihnen in Lübeck sein zu können, aber auch wenn man erst 88 ist, darf man mal gesundheitliche Probleme haben“, sagte er. Der Moment auf dem Balkon in der Prager Botschaft, als er DDR-Flüchtlingen die Ausreise verkünden durfte, sei für ihn „unvergesslich und wunderschön“.

 Er, der in Halle Geborene, fühle sich heute als „Wossi“. Was lässt sich aus der Geschichte lernen, will Illner wissen? „Wir können Teilungen überwinden. Dazu müssen wir Feindbilder abrüsten und bereit sein, auch mit jenen zu reden, die anderer Meinung sind“, sagt Genscher und schlägt gleich den Bogen zur Flüchtlingswelle. „Es ist gut, dass wir Menschlichkeit zeigen und demonstrieren, Deutschland hat aus seiner Geschichte gelernt. Wir wollen nie wieder ein schlechtes Vorbild sein.“ So wie es richtig war, die Grenzen zu öffnen, sei es auch heute richtig für die Flüchtlinge, sagt später die Linken-Vorsitzende Katja Kipping.

 Auch der Hamburger Ex-Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) sieht das so, mahnt aber eine „europäische Lösung“ an. Nach 25 Jahren Einheit sieht von Dohnanyi „große Fortschritte“, doch vieles sei noch nicht so weit, wie es sein sollte. Die Marktwirtschaft sei über Ostdeutschland wie ein Tsúnami gekommen. Aus heutiger Sicht hätte man „industrielle Kerne“ in der DDR schützen und entwickeln müssen. Da hakt die gebürtige Dresdnerin Kipping nach: „Die neuen Bundesländer wurden vor allem als großer Absatzmarkt gesehen.“ Kleine Unternehmen wie das ihres Vaters hätte da keine Chance gehabt. „Wer Vitamin B hatte bei der Treuhand, hatte gleich die besseren Karten.“ Auch heute noch sei der Solidaritätsbeitrag wichtig, um strukturschwachen Regionen in Ost und West zu helfen. Dafür erntete Kipping Beifall.

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Ein Artikel von
Christian Risch

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