18 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Streit um teure Kita-Plätze

500 Euro pro Krippenkind Streit um teure Kita-Plätze

504 Euro muss eine Familie in Neuwittenbek für die Ganztagsbetreuung in der Krippe zahlen, ab September sind sogar 561 Euro im Monat geplant – zu viel für die Familie. Die Landesregierung will Eltern von Krippenkindern ab 2017 um 100 Euro entlasten. Falsch, sagt die CDU.

Voriger Artikel
Aktuelles aus dem Landtag, 09.03.2016
Nächster Artikel
Hamburg fordert Gesetz gegen Missbrauch von Leiharbeit

Frank Petersen und Tina Natus mit dem einjährigen Sohn Tjark, der die Kita in Neuwittenbek besucht.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Sie beantragt am Donnerstag im Landtag, die 23 Millionen Euro den Kommunen zu geben.

Frank Petersen zahlt die 504 Euro für die neunstündige Betreuung seines jüngsten Sohnes in Neuwittenbek zähneknirschend: „Das ist fast doppelt so viel, wie wir in Kiel zahlen mussten, dazu kommt das Essen.“ Sollte die Gemeindevertretung die Erhöhung auf 561 Euro beschließen, sei das nicht mehr finanzierbar. „Ich müsste versuchen, ihn in Kiel unterzubringen. Dann ist der Schritt, zurück nach Kiel zu ziehen, nicht mehr weit. Dabei wohnen wir gerne hier.“ Der fünffache Vater würde daher eine Entlastung um 100 Euro begrüßen.

 Das Geld bringe nur eine kurzfristige Entlastung, meint Wolfgang Radbruch, Bürgermeister der 1200-Einwohner-Gemeinde. Denn die Kosten für die Kinderbetreuung würden weiter steigen und damit auch die Gebühren. Radbruch sieht sich in einem Dilemma: Einerseits möchte er eine kinderfreundliche Gemeinde, andererseits fühlt er sich mit den explodierenden Kosten alleingelassen: Ein Krippenplatz ist durch den höheren Personalschlüssel etwa doppelt so teuer wie ein Platz für Über-Dreijährige. Wie andere Gemeinden überlegt man daher auch in Neuwittenbek, den Elternanteil an den Betriebskosten zu erhöhen.

 „Früher haben Land, Gemeinden und Eltern je ein Drittel aufgebracht. Heute müssen Gemeinden immer öfter 50 Prozent tragen“, sagt Amtsdirektor Matthias Hannes Meins im Dänischen Wohld. Neuwittenbek sei kein Einzelfall. In Felde zahlen Eltern für die neunstündige Betreuung in der Krippe 485 Euro, in Quarnbek 455 Euro, in Rendsburg 462 Euro (ohne Essen). „Würde das Land sich wieder in einem etwa ausgeglichenen Verhältnis an der Finanzierung der Betriebskosten beteiligen, könnten die Elternbeiträge annähernd stabil bleiben“, sagt Sönke Burmeister, CDU-Chef in Schwedeneck.

 Die Landesregierung verweist auf steigende Zahlungen: 2010 hätten die Kommunen 77,44 Millionen Euro erhalten, 2015 aber 180 Millionen und 2016 seien es 194 Millionen. Durch den massiven Krippenausbau decke das Land aber nur noch 20 Prozent der Betriebskosten, kritisiert die CDU-Landtagsfraktion. Ihr Vorsitzender Daniel Günther nennt den Kita-Gutschein über 100 Euro scheinheilig: „Das Geld wäre besser angelegt, wenn die Landesregierung wieder einen angemessenen Beitrag zu den laufenden Kita-Kosten leisten würde.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr zum Artikel
Kommentar

Eltern und Gemeinden ächzen zunehmend unter den Kosten für die Kinderbetreuung. Die wurden verursacht von einer Bundespolitik, die zwar gesellschaftlichen Bedürfnissen folgte, deren Konsequenzen aber verkannt oder zumindest vernachlässigt worden sind.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Politik 2/3