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Kortüm saß elf Jahre im HSH-Beirat

500-Millionen-Deal Kortüm saß elf Jahre im HSH-Beirat

Der Schuldenerlass für die Reederei des Hamburger Unternehmers Bernd Kortüm sorgt für anhaltende Misstöne. Nach Informationen der Kieler Nachrichten beklagt sich HSH-Vorstandschef Stefan Ermisch über mangelnde politische Unterstützung aus Schleswig-Holstein und Hamburg.

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HSH-Vorstand Stefan Ermisch warnt, der Verkauf der Bank werde erschwert.

Quelle: Axel Heimken/dpa

Hamburg/Kiel. Unterdessen kommen immer neue Details rund um den Schuldenerlass ans Tageslicht. So saß Kortüm, dessen Reederei die HSH im Juni 547 Millionen Euro erließ, elf Jahre lang im Beirat der Bank, von März 2004 bis Ende Juni 2015.

In einem internen Schreiben beschwert sich Ermisch darüber, dass der anstehende Verkaufsprozess „von externen Diskussionen erschwert, ja sogar massiv belastet werden kann“. Dazu zähle auch „die sehr aufgeheizte und bisweilen unsachliche politische Debatte über die traurigen Themen der Vergangenheit“. Ermisch spielt damit auf die HSH-Krise an, deren Wurzeln vor 2008 lagen, aber vielfach dem amtierenden Vorstand angelastet werden. In dem Schreiben an die Mitarbeiter heißt es: „Der Erfolg unserer Privatisierung hängt nicht nur von unserer eigenen Leistung ab: Das Gesamtmarktumfeld . . . und nicht zuletzt die Unterstützung unserer Eigentümer sind sehr wichtig.“

Verärgert haben dürfte Ermisch vor allem eine Äußerung des Kieler Finanzstaatssekretärs und HSH-Aufsichtsratsmitglieds Philipp Nimmermann (Grüne), der den Forderungsverzicht als alleinige Entscheidung der Bank dargestellt hatte. Er selbst habe diesen Schritt und die Begründung der Bank lediglich zur Kenntnis genommen.

Nach Informationen der Kieler Nachrichten jedoch waren dem Schuldenerlass monatelange, intensive Gespräche vorangegangen, an denen auch hochrangige Vertreter des Finanzministeriums sowie viele Berater der Länder teilgenommen haben. Nimmermann sagte am Montagabend die volle Unterstützung der Bank und des Verkaufsprozesses zu, betonte aber auch die Eigenverantwortlichkeit des Vorstandes im „operativen“ Geschäft: „Die Bank muss für sich entscheiden, was für sie der richtige Weg ist.“

Der Schuldenerlass sorgt auch deshalb für viel Wirbel, weil er innerhalb eines Milliarden-Kreditpaketes erfolgte – kurz bevor es für 2,4 Milliarden Euro auf eine ländereigene Bad Bank übertragen wurde. Der HSH-Beirat, dem Kortüm angehörte, hat zwar formal keine Entscheidungs- oder Kontrollbefugnisse, gilt aber als wichtige Kontaktbörse von Wirtschaft, Bank und Politik. Kortüm, der auch das Gut Stubbe an der Schlei besitzt, war der Beirat offenbar so wichtig, dass er sich in einem US-Business-Netzwerk als „Advisery Board Member HSH Nordbank“ führen ließ.

 Von Ulrich Metschies und Ulf B. Christen

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Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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