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Brennelemente wandern ins Zwischenlager

AKW Brunsbüttel Brennelemente wandern ins Zwischenlager

Umpackaktion im Akw Brunsbüttel darf starten: Der Betreiber will über 500 abgebrannte Brennelemente aus dem Reaktordruckbehälter holen und im Zwischenlager auf dem Kraftwerksgelände unterbringen. Experten billigen den Plan. Minister Habeck sieht einen Sicherheitsgewinn.

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Hier werden die Brennelemente umgelagert: Restmüll im AKW Brunsbüttel.

Quelle: Christian Charisius/dpa

Brunsbüttel. Der Energiekonzern Vattenfall darf die restlichen Brennelemente aus dem Kernkraftwerk Brunsbüttel in das benachbarte Zwischenlager bringen. Mit dieser heiklen Entscheidung räumte Umweltminister Robert Habeck am Montag eine wichtige Hürde für den Abriss des Atommeilers aus dem Weg. Der Rückbau könnte jetzt zum Jahreswechsel 2017/18 beginnen.

„Die Umlagerung der Brennelemente wäre ein Sicherheitsgewinn“, sagte Habeck mit Blick auf ein Tüv-Gutachten. Demnach sind die 517 Brennelemente in dem mehr als 40 Jahre alten Reaktordruckbehälter schlechter geschützt als in dem nahen Zwischenlager. Diese Stahlbeton-Halle ist nur zehn Jahre alt, wurde „solider und fester gebaut“, und zwar genau dafür, um in Castoren verpackte Brennstäbe sicher zu lagern.

Viele Atomexperten fordern deshalb seit Jahren eine Umlagerung der Brennstäbe. Sie scheiterte zuletzt nur an einem handfesten juristischen Problem: Das Bundesverwaltungsgericht hatte dem Lager Brunsbüttel 2015 die Betriebslizenz entzogen, weil es keinen Nachweis dafür gab, dass die Halle auch einem außergewöhnlich massivem Terrorangriff (etwa Absturz eines voll betankten A380) standhält.

Habeck nahm juristische Hürde

Diese juristische Hürde räumte Habeck mit einem weiteren Gutachten aus dem Weg. Demnach sollen die Reaktor-Brennstäbe (elf Castoren) nicht in dem per Notverordnung weiter betriebenen Zwischenlager untergestellt werden, sondern in einem sozusagen gedanklich und juristisch davon abgetrennten Teil derselben Halle. Hintergrund: Die Halle ist Teil des Betriebsgeländes, auf dem Vattenfall aufgrund einer Uralt-Genehmigung generell Castoren abstellen darf. Die Umlagerung der Brennstäbe wäre damit rechtlich möglich, meinte Habeck. Er warnte zugleich die Anti-AKW-Szene davor, diese Rechtsauslegung gerichtlich überprüfen zu lassen. „Eine Klage könnte dazu führen, dass ein möglicher Sicherheitsgewinn nicht realisiert werden kann.“

Klar ist, dass der Abriss des seit einem Störfall 2007 abgeschalteten Kraftwerks erst nach Bergung der letzten Brennstäbe aus dem Reaktor erfolgen kann. Hierbei arbeiten Vattenfall und Habeck Hand in Hand. Der Energiekonzern hat den Rückbau des als „Schrottreaktor“ geltenden Kraftwerks (mehr als 400 meldepflichtige Ereignisse) beantragt, der Minister möchte Brunsbüttel als erstes der drei AKWs in Schleswig-Holstein so schnell wie möglich zur grünen Wiese zurückbauen. Insofern war schon vor Wochen vermutet worden, dass Habeck den offenbar mit Vattenfall abgesprochenen Umlagerungsantrag durchwinkt.

„Wir planen, mit der Beladung der Castor-Behälter so zügig wie möglich zu beginnen und die Arbeiten bis Anfang nächsten Jahres abzuschließen“, sagte der Geschäftsführer der Vattenfall-Atomsparte, Pieter Wasmuth. Er betonte wie zuvor Habeck, dass die Castoren nur vorübergehend in dem juristisch abgetrennten Teil des Zwischenlagers abgestellt werden sollen. Hintergrund: Vattenfall hat im Herbst 2015 eine neue Betriebsgenehmigung für das Zwischenlager Brunsbüttel beantragt. Sollte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) die Lizenz ausstellen, könnten die Castoren dann auch juristisch korrekt in der Halle verbleiben. Dort stehen bisher nur neun Castoren mit Brennstäben aus Brunsbüttel. Platz wäre für insgesamt 80 Castoren.

Habeck plant weiter den Abriss

Das BfS ließ gestern offen, wann über eine neue Lizenz für das Zwischenlager entschieden wird. In dem Genehmigungsverfahren ist gerade die Umweltverträglichkeitsprüfung angelaufen. Habeck schätzt, dass bis zu einer neuen Lizenz zwei bis drei Jahre ins Land gehen könnten. In diesem Fall müsste das Land seine Not-Verordnung für das Zwischenlager nachbessern. Sie läuft bereits Anfang 2018 aus.

Unabhängig davon treibt Habeck die Planungen für den Abriss voran. Er soll im Idealfall nach Genehmigung des Stilllegungs- und Rückbauantrags Ende 2017 beginnen, auch wenn dann noch 13 Sonderbrennstäbe im Druckbehälter lagern. Für ihren Abtransport sind Spezial-Castoren nötig, die bisher noch nicht zugelassen sind.

Der Minister ist schon einen Schritt weiter. Noch in dieser Woche will er im Landeshaus eine Zwischenbilanz zur vorgesehenen Deponierung von AKW-Bauschutt ziehen. Diese Pläne haben in möglichen Deponieorten einen Proteststurm entfacht.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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Kommentar

Umweltminister Robert Habeck kann auch tricky. Der Grüne hat endlich einen wenn auch abenteuerlichen Weg gefunden, um radioaktives Brennmaterial aus dem Schrottreaktor Brunsbüttel in Castoren packen und in das deutlich stabilere Zwischenlager nebenan bringen zu lassen.

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