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Das andere Gesicht der AfD

Achille Demagbo Das andere Gesicht der AfD

Achille Demagbo ist im neuen Landesvorstand der Alternative für Deutschland (AfD) in seinem Amt als Beisitzer bestätigt worden. Der 35-Jährige ist damit ein besonderer Fall. In Schleswig-Holstein ist er das einzige AfD-Mitglied mit afrikanischen Wurzeln.

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Selbstbewusster Jung-Politiker: Achille Demagbo ist seit zwei Jahren Mitglied der Alternative für Deutschland und gerade erst als Beisitzer im Landesvorstand bestätigt worden.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Nein, er und seine Parteifreunde seien keine Nazis, versichert der Mann im blauen Anzug. „Ich würde nie in einer fremdenfeindlichen Partei Mitglied werden. Aber jetzt mal umgekehrt: Welche rassistische Partei würde einen Schwarzafrikaner in den Vorstand wählen?“, fragt Achille Demagbo und lacht. Achille Demagbo ist in Benin geboren, lebt in Kiel und ist gerade erst im neuen Landesvorstand der Alternative für Deutschland in seinem Amt als Beisitzer bestätigt worden. Der 35-Jährige ist damit ein besonderer Fall. In Schleswig-Holstein ist er das einzige AfD-Mitglied mit afrikanischen Wurzeln.

Demagbo erinnert sich genau, wie vor zwei Jahren alles begann. „Als Bernd Lucke, Gründungsvater der AfD, damals seine erste Presseerklärung im Fernsehen abgab, war klar: Das ist meine Partei“, erzählt der Kieler. Keine fünf Minuten später habe er sich online als Mitglied registriert. Demagbo ist eines der Gründungsmitglieder der Kieler AfD und kümmert sich im Landesvorstand um sein Spezialgebiet: die Zuwanderungs- und Integrationspolitik. Aufgrund seiner Biografie weiß Demagbo, wie schwer es ist, in Deutschland Fuß zu fassen. Er kam als Sohn eines Lehrer-Ehepaars vor elf Jahren aus dem westafrikanischen Benin zum Studieren nach Schleswig-Holstein. Die deutsche Sprache lernte der Sprachwissenschaftler erst während seiner Zeit an der Kieler Universität. Das Studium finanzierte er sich mit Tellerwaschen, erzählt er. Seine Begeisterung für das Land habe allerdings schon deutlich früher begonnen: Bereits zu Schulzeiten haben ihn deutsche Philosophen wie Kant und Nietzsche fasziniert. Heute arbeitet er als Konferenzdolmetscher, lebt mit seiner Frau und seinen vier Kindern in Kiel. Seit acht Monaten besitzt Achille Demagbo die deutsche Staatsbürgerschaft.

 Der Polit-Neuling ist „stolz auf sein Land“, auf seine zweite Heimat Deutschland. Nach seiner Einschätzung ist er damit nicht allein. Viele Migranten seien genauso wertkonservativ wie er, achteten die Familie und Tugenden wie Fleiß und Ordnung. „Ich habe früh festgestellt, dass diese deutschen Werte leider zunehmend verloren gehen.“ Das sei einer der Gründe gewesen, bei der AfD mitzumachen.

 Der Familienvater spricht leise und beklagt eine „zunehmende Entfernung zwischen Politik und Bürgern“. Der Besuch einer Pegida-Demo wäre für ihn daher kein Problem, meint er. Von der Politik wünscht er sich ein klares Bekenntnis dazu, dass Flüchtlinge Deutsch lernen müssen. Er spreche zwar selbst mit einem „fürchterlichen Akzent“. Er könne sich aber gut verständigen und das sei wichtig, etwa für einen Job. „Wenn man arbeitet, gibt man dem Land das zurück, was man bekommen hat.“

 In der Flüchtlingspolitik vertritt Demagbo einen restriktiven Kurs. Die Zuwanderung von Arbeitskräften sollte sich ausschließlich nach dem hiesigen Bedarf richten, fordert er. Denkbar wäre ein Einwanderungsrecht mit einem Punktesystem nach kanadischem Vorbild. Aber: Kriegsflüchtlingen sei jederzeit humanitäre Hilfe zu gewähren.

 Demagbo weiß um den Ruf der AfD, beteuert aber, dass Freunde und Bekannten hinter seinem politischen Engagement ständen. „Die finden das alle toll und unterstützen mich.“ Doch ganz so einfach scheint der Alltag eines AfD-Mitglieds doch nicht zu sein. Vor kurzem wurde Demagbo von einer Podiumsdiskussion zur „Zukunft der Flüchtlingspolitik“ am Kopernikus-Gymnasium in Bargteheide kurzerhand wieder ausgeladen. Zwei Schüler hätten das verlangt und mit Protestaktionen gedroht, erinnert sich der AfD-Politiker. Die Schule habe die Veranstaltung schließlich abgesagt.

 Von seinem einstigen Vorbild Lucke, der mit dem wirtschaftsliberalen Flügel die AfD verlassen hat, ist Demagbo enttäuscht. Umso mehr verspricht er sich von der neuen und teils nationalkonservativen AfD-Spitze: „Ich kenne Frauke Petry zwar noch nicht persönlich, aber sie wird die Partei auf jeden Fall voranbringen.“ Von einem Rechtsruck will er nichts wissen. Auch ausländerfeindliche Sprüche aus den Reihen seiner Partei sind für Demagbo kein Thema. Im September will er seine Parteifreunde in Sachsen-Anhalt besuchen. Demagbo freut sich darauf. „Angst, dort ans Rednerpult zu treten, habe ich nicht.“

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Ein Artikel von
Jana Ohlhoff
Lokaldesk

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