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Atomschrott, ja bitte

Akw Brunsbüttel und Krümmel Atomschrott, ja bitte

Umweltminister Robert Habeck möchte mit Blick auf den geplanten Abriss der Kernkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel einen bundesweit einzigartigen „Entsorgungspakt“ schließen. Beim Auftakt der Gespräche mit Deponiebetreibern, Städten und Öko-Verbänden warb der Grünen-Politiker dafür, das Problem gemeinsam anzugehen.

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Eines von drei Sorgenkindern: Das Kernkraftwerk Krümmel könnte ab 2019 abgerissen werden, falls Deponien und Recycling-Unternehmen den Löwenanteil des Gebäudeschrotts (mehr als 500 000 Tonnen) aufnehmen.

Quelle: Daniel Reinhardt/dpa

Kiel. Beim Rückbau fallen allein in Brunsbüttel, Krümmel und der ebenfalls stillgelegten Atomanlage im GKSS Forschungszentrum in Geesthacht mehr als 800000 Tonnen Beton, Stahl und Schrott an.

 „Wir gehen in eine politische Moderationsrolle hinein“, sagte Habeck. Ziel sei, möglichst früh alle Beteiligten einzubinden. Vattenfall, der Betreiber von Brunsbüttel und Krümmel, schätzt die Lage ähnlich ein. „Wir wollen die Anlagen zur grünen Wiese zurückbauen“, versicherte Sprecher Christian Seyfert. „Das klappt aber nur, wenn wir Entsorgungswege haben.“ Insgesamt benötigt Vattenfall abhängig von der radioaktiven Belastung des Materials vier solcher Entsorgungswege. Sie enden bisher allesamt im Nebel, obwohl in Brunsbüttel die Zeit drängt.

 In spätestens zwei Jahren dürfte die Kieler Atomaufsicht die Abrissgenehmigung für den kleinen Siedewasserreaktor erteilen. Im ersten Schritt müsste Vattenfall die restlichen Brennstäbe aus dem Reaktor bergen und ins (noch nicht genehmigte) Zwischenlager schaffen. Ein Endlager für das hochradioaktive Material gibt es noch nicht. Auch der zweite Entsorgungsweg, der für schwach- und mittelradioaktive Abfälle (mehr als 10 Mikrosievert im Jahr), steht noch nicht. Dieser Strahlenmüll soll eines Tages im Schacht Konrad endgelagert werden.

 Heiß diskutiert wurde im Landeshaus der dritte Entsorgungsweg, nämlich der für sehr schwach belastetes Material (bis zu zehn Mikrosievert). In Brunsbüttel (insgesamt 300000 Tonnen Abfall) und Krümmel (mehr als 500000 Tonnen) dürften von diesen Stoffen jeweils 15000 Tonnen anfallen. Sie sollen auf normalen Deponien verklappt werden. Dafür kommen in Schleswig-Holstein etwa zehn Lagerstätten in Frage. Bewerber stehen aber nicht Schlange: Die Menge des Materials ist zu gering für ein lukratives Geschäft, dafür das Risiko umso höher, dass Anwohner der Deponie protestieren.

 Habeck setzt auf Aufklärung. Demnach belastet das Material die Anwohner weniger als die natürliche Strahlung. Sie beträgt in Deutschland etwa 2400 Mikrosievert im Jahr. BUND-Sprecher Rainer Guschel forderte gleichwohl, den Großteil der schwach belasteten Stoffe in den Atomanlagen zu belassen. „Diese Orte sind sowieso verbrannt.“ Habeck konterte: Eine Deponierung im Kraftwerk würde dessen Rückbau unmöglich machen. „Wir können keine Zwischenlager für nicht radioaktive Stoffe einrichten.“

 Reichlich Zündstoff birgt auch der vierte Entsorgungsweg, das Recycling von nicht-radioaktiven Abfällen von Betonwänden bis zu Cafeteria-Teppichen. Davon dürften in Brunsbüttel gut 280000 Tonnen, im deutlich größeren Krümmel knapp 500000 Tonnen anfallen. Das Problem: Der Restmüll ist zwar ungefährlich, findet aber nur schwer Abnehmer, weil Hinterlassenschaften aus Atomkraftwerken vielerorts auf Skepsis stoßen. Bitterer Beleg ist das AKW Stade: Dessen Rückbau läuft schleppend, weil niemand den konventionellen Müll haben will.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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