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Albig: Zwischen Politik und Privatem

Aufregung um Ausschreibung Albig: Zwischen Politik und Privatem

Torsten Albig (SPD) macht bundesweit Schlagzeilen, allerdings weniger als Politiker sondern als Partner der Agenturchefin Bärbel Boy. Jetzt fragt der „Spiegel“ in einer angeblichen Enthüllungsgeschichte, ob der Ministerpräsident der Kieler PR-Agentur Boy „zu Diensten“ gewesen sei.

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Schleswig-Holsteins Promi-Paar: Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und die Kieler Werbeagenturchefin Bärbel Boy „träumen von einer fröhlichen Hochzeitsfeier“.

Quelle: Lukas Schulze/dpa

Kiel. Außerdem verrät er dem Magazin „Bunte“, dass er und Boy „von einer fröhlichen Hochzeitsfeier mit allen Kindern“ träumen.

Im Landeshaus schütteln nicht nur einige Sozialdemokraten den Kopf darüber, dass der Regierungschef neuerdings die „Haustür ein Stück weit öffnet“ und tiefere Einblicke in sein Privatleben zulässt. So berichtet Albig im Bunte-Blatt, wie seine zwei Kinder einerseits mit seiner Frau und andererseits mit seiner Lebensgefährtin zurechtkommen und dass ihm Termine mit Sohn und Tochter heilig sind. „Ob Barack Obama oder Sigmar Gabriel anruft – meine Kinder gehen vor.“ Ebenso freiheraus erzählt er von Trennungsjahr, Scheidung und Hochzeitsplänen. Für Albigs private PR-Offensive gibt es in seinem Umfeld eine entschuldigende Erklärung: „Er ist halt schwer verliebt.“

 Gefährlicher als derartige Gefühle sind die Probleme des Ministerpräsidenten, Politisches und Privates zu trennen. So adelte Albig vor einem Monat (wie berichtet) als „gewählter Krisenmanager“ eine Jubiläumsveranstaltung der Agentur Boy. Pikant ist dieser Auftritt aus Sicht des Spiegels, weil Albigs Staatskanzlei seit Anfang März Ausschau nach einer PR-Agentur halten lässt, die erstens die Regierung für Krisenfälle (wie etwa eine erneute Flüchtlingswelle) fit machen und sie zweitens in so einer „besonderen Situation“ beraten soll. Damit nicht genug: Ausgerechnet am Tag nach Albigs Teilnahme an der Boy-Veranstaltung reduziert die Staatskanzlei den Umfang der Ausschreibung erheblich.

 Einen Anruf aus der Albig-Behörde erhält damals auch der Geschäftsführer der Kieler Unternehmensberatung Krisennavigator, Frank Roselieb. Er hatte sich mit einem ausführlichen Konzept (51 Seiten) um den Regierungsauftrag beworben, berichtet von immer neuen Verzögerungen und Ungereimtheiten im Verfahren. „Ein solches Chaos bei einer Ausschreibung habe ich in 20 Jahren noch nicht erlebt.“ Bis heute habe er keine Informationen darüber, wie es mit der Ausschreibung weitergehe. Ein Dorn im Auge ist Roselieb auch Albigs Schützenhilfe für Boy. „Die Veranstaltung könnte eine Art Kick-Off für den neuen Geschäftszweig der Firma Boy gewesen sein.“ Beweise dafür, dass rund um den Regierungsauftrag in irgendeiner Form gemauschelt wurde, gibt es bislang nicht.

 Das Promi-Paar kann die Aufregung ohnehin nicht verstehen. Boy versichert, dass Krisen-PR kein neuer Geschäftszweig sei, sondern von ihrer Agentur bereits seit Jahren als Bestandteil der „strategischen Kommunikation“ angeboten werde. Und: „Wir arbeiten nicht mehr für die Landesregierung“, sagt die Agenturchefin, die einst den Slogan vom „echten Norden“ entwickelte.

 Ein Albig-Sprecher stellt derweil klar, dass die Agentur Boy im Zuge der Ausschreibung des Regierungsauftrags weder angesprochen worden sei noch sich selbst ins Spiel gebracht habe. Auch für die Begrenzung des Auftrags liefert der Sprecher eine Begründung. Erstens: Einige Ministerien hätten für ihre Presseabteilungen Krisenschulungen inzwischen selbst gebucht. Zweitens: Eine neue Flüchtlingswelle ist zwar weiterhin nicht ausgeschlossen, aber nicht mehr so wahrscheinlich wie beim Ausschreibungsstart im März.

 Das Fazit des Regierungssprechers: Die Staatskanzlei benötige folgerichtig nur noch eine Agentur, die im Ernstfall die Regierung bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstütze. Diese Agentur soll einen Rahmenvertrag erhalten und gegebenenfalls in spätestens einer Stunde vor Ort sein. Und aus Sicht des Steuerzahlers noch besser: Die Regierung will die Krisenhelfer nur bezahlen, wenn sie wirklich zum Einsatz kommen. Damit könnten die im Haushalt 2016 eingestellten Krisenmittel (bis zu 200000 Euro) eingespart werden – vorausgesetzt, Schleswig-Holstein rutscht bis Jahresende in keine Krise.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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