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Alles andere als ein Selbstgänger

Albig oder Stück? Alles andere als ein Selbstgänger

Torsten Albig will für die Landtagswahl Kieler SPD-Direktkandidat werden, Gesine Stück fordert ihn aber heraus. Der Ausgang der Wahl ist offen.

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Gesine Stück will im SPD-Wahlkreis Nord für den Landtag kandidieren. Sie tritt ausgerechnet gegen Ministerpräsident Torsten Albig an. liden ...

Quelle: Frank Peter

Kiel. Die Nord-SPD ist immer für böse Überraschungen gut. Das weiß auch Torsten Albig (53). Am Sonnabend nominieren die sieben Ortsvereine aus dem Wahlkreis Kiel-Nord im Wissenschaftszentrum einen Direktkandidaten für die Landtagswahl 2017. Neben dem Ministerpräsidenten hat auch Gesine Stück (49), ehemalige Ratsfrau aus dem Stadtteil Schilksee, ihren Hut in den Ring geworfen. Der Wahlausgang? Unberechenbar. Albigs Bewerbung um einen Wahlkreis ist alles andere als ein Selbstgänger.

„Ich finde, eine qualifizierte Kandidatin, die einen breiten Erfahrungshorizont hat und mit Familie und Beruf mitten im Leben steht, gehört ins Kieler Team für den Landtag“, schrieb Stück vollmundig an die Genossen. Sie sehe ihre Bewerbung „als Zeichen für die innerparteiliche Demokratie und gegen Politikverdrossenheit“. Ihre Partei solle deutlich machen, worum es in der parlamentarischen Demokratie gehe: „Nämlich jemanden zu wählen, der die Interessen des Wahlkreises im Parlament vertritt.“

SPD kommt nur auf 28 Prozent

Auch Albig wohnt seit 2002 im Kieler Norden und bezeichnet ihn als persönlichen Lebensmittelpunkt. Er wolle seine Funktionen als Regierungschef und Abgeordneter zusammenführen. „Wer Sorge hat, ich könnte die beiden Aufgaben zeitlich nicht vereinbaren, der kann beruhigt sein“, schrieb er den „lieben Genossinnen und Genossen“. Er werde regelmäßig Bürgersprechstunden abhalten und in den Ortsvereinen präsent sein. Bei einer Forsa-Umfrage der Kieler Nachrichten und der Lübecker Nachrichten hatten sich im April 52 Prozent der Schleswig-Holsteiner mit seiner Arbeit zufrieden gezeigt. Die SPD kam bei der Sonntagsfrage nur auf 28 Prozent.

Unterschwellig rumort es mal wieder an der Basis. Albig habe seine Bewerbung zu spät mit den Vorsitzenden abgestimmt, heißt es. Übel stieß der Parteiseele jüngst auch ein Interview auf, das Albig der „Bunten“ gegeben hatte. Egal, ob Barack Obama oder Sigmar Gabriel bei ihm anrufen würden – seine Kinder gingen vor, ließ er sich zitieren. Das war halb Scherz, halb dicke Hose – löste in der SPD aber Kopfschütteln aus. Als hätte der Kieler Ministerpräsident zum Weißen Haus einen heißen Draht. „Dreht der jetzt völlig ab?“, fragte ein Parteifreund. „Die SPD funktioniert von unten nach oben“, konstatierte ein Ortsvorsitzender. „Und das ist gut so.“ Zugleich äußerte eine Genossin ihre Sorge: „Zerfleischen wir uns am Ende mal wieder alleine?“ Sollte die Kieler SPD ihren wichtigsten Mann im Land durchfallen lassen, bräuchte sie sich auf Landesparteitagen erst mal nicht mehr blicken zu lassen.

Was sagt Ralf Stegner?

So ganz kann der Kieler Kreisvorsitzende Jürgen Weber die Sorgen nicht vor der Hand weisen. Auf der einen Seite gehe es um die politischen Persönlichkeiten, auf der anderen um die politischen Konsequenzen, sagte er. „Ich bin mir sicher, dass die Kieler Mitglieder beides berücksichtigen.“ Der Scherbenhaufen wäre bei Albigs Niederlage gewaltig. Zwar hat der Regierungschef angekündigt, auch im Fall einer Schlappe Platz 1 der Landesliste für sich zu beanspruchen – was ihm den Einzug ins Landeshaus sichern würde: „Aber für den Wahlkampf wäre das ein ziemlich dämlicher Auftakt.“ Eine Empfehlung des Kieler Kreisvorstands gibt es ausdrücklich nicht.

Und was sagt Landeschef Ralf Stegner? „Es ist richtig, dass sich der Ministerpräsident um einen eigenen Wahlkreis bemüht. Jede Stimme, die wir in Kiel gewinnen, ist eine Stimme im ganzen Land.“ Albig sei ein Zugpferd und befinde sich in guter Tradition mit seiner Vorgängerin Heide Simonis, die auf dem Kieler Ostufer kandidiert hatte. Insider erwarten für Sonnabend 150 bis 200 Mitglieder. Je mehr kommen, desto günstiger stünden die Chancen für den Regierungschef. Dass sich Albig im Zweifel durchsetzen kann, hat er bei einer Urwahl 2011 im Zweikampf gegen Stegner schon bewiesen.

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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