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Alheit will mehr Arbeitsschutz

Dauer-Rufbereitschaft Alheit will mehr Arbeitsschutz

Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) will Arbeitnehmer im Digitalzeitalter besser schützen. „Immer mehr Beschäftigte leiden darunter, dass sie dienstlich ständig über Handy oder Laptop erreichbar sind.“ Zum selben Ergebnis kommt eine Studie der Techniker Krankenkasse.

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Gesundheits-, Sozial- und Hochschulministerin Kristin Alheit (SPD)

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Demnach fühlt sich bereits jeder dritte Berufstätige gestresst, weil der Chef sich außerhalb der Dienstzeit meldet oder auch nur melden könnte. „Jeder Beschäftigte hat ein Recht auf Feierabend“, betont Alheit. Daher werde sie auf der Konferenz der Sozialminister Anfang Dezember in Lübeck dafür streiten, den Arbeitsschutz auszuweiten. „Dabei geht es auch um Menschen in atypischen Beschäftigungsverhältnissen, also etwa um Menschen mit einem mobilen Arbeitsplatz“, so Alheit. Diese Gruppe von Berufstätigen sei im Gesetz bisher nicht ausreichend berücksichtigt.

Ziel sei es, das Arbeitsschutzgesetz an diese Bedürfnisse anzupassen. Ideen wie Arbeitszeitkonten oder klare Betriebsvereinbarungen könnten außerdem helfen, das Problem zu entschärfen. Die Ministerin setzt zudem auf eine engere Zusammenarbeit mit den Krankenkassen, um etwa mehr Anti-Stress-Kurse anzubieten.

Selbstverpflichtungen reichen nicht aus

„Ich bin zuversichtlich, dass wir auf der Konferenz Fortschritte erzielen werden“, sagt die Ministerin. Kollegen aus mehreren Bundesländern seien bei dem Vorstoß für ein modernes Arbeitsschutzgesetz mit an Bord. Freiwillige Lösungen, etwa Selbstverpflichtungen von Unternehmen, würden nicht genügen, ergänzt Alheit. Die Praxis zeige leider, wie schwer sich Beruf und Privates trenne ließen. „Durch Smartphone und Laptop kann leicht die Erwartungshaltung entstehen, die Anfrage des Chefs auch noch um Mitternacht zu beantworten.“

Negativer Stress durch ständige Erreichbarkeit

Eine solche Dauer-Rufbereitschaft ist für immer mehr Schleswig-Holsteiner Alltag. Mehr als die Hälfte der Nordlichter gibt in einer Studie der Techniker Krankenkasse (TK) an, manchmal oder häufig gestresst zu sein. „Der Job ist dabei Stressfaktor Nummer eins“, erläutert der Leiter der TK Schleswig-Holstein, Johann Brunkhorst. So leide ein Drittel der Beschäftigten darunter, nach Feierabend oder sogar im Urlaub dienstlich stets erreichbar zu sein. Und: Fast jedem dritten Befragten gelingt es nicht, nach Dienstschluss oder am Wochenende von der Arbeit abzuschalten. Jeder fünfte schafft das selbst im Urlaub nicht. Folge sei ein „negativer Stress“, warnt Brunkhorst. Diese Belastung könne zu psychischen Erkrankungen führen.

Alarmierend sind auch andere Studien, darunter eine vom Bundesarbeitsministerium in Auftrag gegebene Untersuchung zur Entwicklung der Arbeitswelt seit 1990. „In diesem Zeitraum haben alle Befragten einen massiven Entwicklungsschub in Digitalisierung und Automatisierung konstatiert“, heißt es darin. Die Arbeitswelt habe in der Folge für alle Befragten einen größeren Stellenwert eingenommen. „Das ging auf Kosten von Hobbys und Privatleben.“

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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