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Antragsflut für Waffenscheine: Polizei in Sorge

Rüstung Antragsflut für Waffenscheine: Polizei in Sorge

Die Schleswig-Holsteiner rüsten auf: Landesweit sind die Anträge für den sogenannten Kleinen Waffenschein massiv angestiegen. Allein in Kiel hat das Ordnungsamt in den ersten sechs Monaten viermal so viele Genehmigungen erteilt wie im gesamten Jahr 2015.

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Quelle: ap

Kiel. Polizei und Sicherheitsbehörden sehen diese Entwicklung mit großer Sorge. Die Genehmigung ist notwendig, um Schreckschuss-, Reizgas- oder Signalpistolen straffrei in der Öffentlichkeit bei sich tragen zu dürfen. 60 Euro kostet der Antrag, der sogar online auf dem Landesportal Schleswig-Holsteins gestellt werden kann.

12214 registrierte Kleine Waffenscheine zählte das Innenministerium landesweit Ende März 2016 – 2286 mehr als noch Ende Dezember vergangenen Jahres. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2015 waren nur 811 Anträge landesweit gestellt worden.  200 Kleine Waffenscheine sind in diesem Jahr bereits in Kiel ausgestellt worden. Auch hier ist die Steigerung überdeutlich: 2015 waren es 52, im Jahr zuvor sogar nur 38 gewesen. Im Kreis Segeberg wurden allein im Januar 2015 mit 58 Anträgen beinahe halb so viele Genehmigungen gestellt wie im Jahr 2015 mit 127 Verfahren.

Bewaffnung zur Selbstverteidigung

Die Landespolizei kritisiert die zunehmende „Bewaffnung der Bürger zwecks Selbstverteidigung“ mit Schreckschuss- und Gasdruckpistolen. „Das Gewaltmonopol liegt beim Staat und nicht beim Bürger“, sagt Jürgen Börner vom Landespolizeiamt. Er warnt vor erheblichen Gefahren: Der Griff zur Schreckschusswaffe könnte einen Angreifer im Ernstfall noch zusätzlich provozieren, schlimmstenfalls könnte dieser die Waffe an sich reißen und selbst nutzen, so Börner.

Auch sogenannte Fake- oder Softair-Waffen, die Schusswaffen täuschend echt nachempfunden seien, könnten aufgrund ihrer hohen Verwechslungsgefahr schnell zum „tödlichen Risiko“ werden, sagt Karl-Hermann Rehr, Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Er fordert, die Genehmigung von Waffenscheinen auf ein „absolutes Minimum“ zu reduzieren. Zudem müssten auch für Besitzer scharfer Schusswaffen strengere Auflagen her: „Eine grundlegende und wiederholte Ausbildung für Waffenscheininhaber ist ebenso unerlässlich wie ständige Überprüfungen der Waffenbesitzer durch die kommunalen Ordnungsbehörden“, verlangt Rehr. Er beklagt landesweit einen mangelnden Kontrolldruck. In Kiel sind laut Ordnungsamt 1204 Besitzer scharfer Schusswaffen gemeldet, 102 sind 2015 von der Stadt kontrolliert worden. „Zu wenig“, kritisiert der GdP-Chef.

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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