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Asylverfahren dauern im Land länger

Schleswig-Holstein Asylverfahren dauern im Land länger

Flüchtlinge warten in Schleswig-Holstein deutlich länger auf die Entscheidung über ihren Asylantrag. Laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge beträgt die Verfahrensdauer 7,9 Monate. In keinem anderen Bundesland ist die Verfahrensdauer so lang.

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Asylverfahren dauern in Schleswig-Holstein länger als im Bundesdurchschnitt.

Quelle: dpa

Nürnberg/Kiel . In Schleswig-Holstein wird im bundesweiten Vergleich am spätesten über Asylanträge entschieden. Während Asylverfahren im Durchschnitt aller Länder 5,3 Monate dauern, waren es im ersten Halbjahr 2015 im Norden 7,9 Monate. Ein wesentlicher Grund für die überdurchschnittlich langen Asylverfahren im Norden ist nach Ansicht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge die Herkunft der Flüchtlinge. Zuvor hatte das NDR Fernsehen über die Dauer der Asylverfahren berichtet.

Im Norden wurden in diesem Jahr vergleichsweise viele Verfahren von Menschen aus Afghanistan und dem Irak entschieden, wie Behördensprecher Christopher Sander am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur sagte. Bei diesen Ländern sei die Sachlage oftmals unklar, teilweise müssten zudem Recherchen durchgeführt oder Gutachter hinzugezogen werden. „Das führt dazu, dass in diesen Fällen die Verfahren länger dauern.“

Zum Vergleich: In Mecklenburg-Vorpommern wurden Asylanträge in den ersten sechs Monaten bundesweit am schnellsten entschieden — im Schnitt nach 3,3 Monaten. Aber auch in Schleswig-Holstein ist die Dauer der Asylverfahren bereits deutlich beschleunigt worden. Im vergangenen Jahr dauerten sie im Norden noch 8,7 Monate. Bundesweit lag der Wert 2014 bei 7,1 Monaten.

Nach Ansicht von Schleswig-Holsteins Flüchtlingsbeauftragtem Stefan Schmidt liegt die lange Dauer der Verfahren aber nur zum Teil an der Herkunft der Flüchtlinge. Es gebe zu wenig Personal in der Außenstelle des Bundesamtes in Neumünster. „Ich habe vor zwei, drei Monaten gehört, dass Akten aus den Jahren 2012 und 2013 noch bearbeitet werden“, sagte Schmidt.

Diese Einschätzung bestätigte das Innenministerium in Kiel. „Aufgrund längerfristiger Personalengpässe bei der Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in Neumünster ist diese aktuell noch mit einer erheblichen Anzahl von Altfällen belastet, die zum Teil bereits im Jahr 2012 entstanden sind“, sagte ein Sprecher. Zwar würden die derzeit mit Vorrang abgearbeitet. Sie sorgten jedoch für eine spürbare Verlängerung der durchschnittlichen Bearbeitungsdauer. Die Bearbeitungszeiten der Asylanträge von Flüchtlingen aus den Staaten des westlichen Balkan, aus Syrien und aus dem Irak „bewegen sich im gleichen Rahmen wie in anderen Bundesländern“.

Im ersten Halbjahr sind 7300 neue Flüchtlinge nach Schleswig-Holstein gekommen und damit fast so viele wie im gesamten Vorjahr (7620). Einen neuen Schub gab es Anfang Juli, als täglich rund 140 neue Asylbewerber eintrafen. Verkürzte Verfahren gibt es in Deutschland derzeit für Menschen aus Syrien und dem Nordirak. In der Regel abgelehnt werden nach dem Inkrafttreten des Gesetzes über sichere Herkunftsländer Anträge von Menschen aus Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina.

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Pulverfass Balkan – seit mehr als hundert Jahren lastet diese unrühmliche Zuschreibung auf dem Südosten Europas. Beinah schon wie ein Fluch, der die Menschen dort immer wieder heimsucht. Ein Pulverfass, das immer wieder in die Luft geht. Auch jetzt wieder. Nur ist es diesmal keine Explosion der Gewalt, die die Region erschüttert, kein Kriegsausbruch.

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