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Selbstmordanschlag bei Musikfestival

Attentat in Ansbach Selbstmordanschlag bei Musikfestival

Die Polizei stieß bei der Auswertung eines Mobiltelefons des bei der Explosion getöteten 27-jährigen syrischen Flüchtlings Mohammad D. am Montag auf ein Video, in dem dieser einen Anschlag „im Namen Allahs“ androhte und sich zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) bekannte.

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Der erste islamistische Selbstmordanschlag in Deutschland offenbar bittere Realität.

Quelle: DANIEL ROLAND/ AFP

Ansbach/Berlin/Kiel. Damit ist der erste islamistische Selbstmordanschlag in Deutschland offenbar bittere Realität. Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen und sucht nun nach mögliche Komplizen.

Nach Angaben der Behörde zündete Mohammad D. am Sonntag gegen 22.10 Uhr in der Nähe eines Open-Air-Musikfestivals einen Sprengsatz, den er in seinem Rucksack mitführte. Dabei wurden 15 Menschen verletzt, davon einige schwer. Der Mann hatte zuvor versucht, auf das Festivalgelände zu gelangen, auf dem sich in der mittelfränkischen Stadt etwa 2000 Besucher versammelt hatten. Er wurde aber abgewiesen, weil er keine Eintrittskarte hatte. Kurz darauf ereignete sich die Explosion. Zu diesem Zeitpunkt trat der Sänger Gregor Meyle auf, der sein Konzert abbrach, eine Panik unter den Zuschauern aber verhindern konnte. Bei den „Ansbach Open“ standen auch Auftritte von Joris und Philipp Dittberner auf dem Programm.

Bereits zwei Selbstmordversuche

Das IS-Sprachrohr Amak bezeichnete den Ansbacher Täter in einer auch auf Deutsch veröffentlichten Meldung im Internet als „Soldaten“ der Miliz und sprach von einer „Märtyreroperation“. Diesen Angaben zufolge folgte der 27-Jährige „Aufrufen, die Staaten der Koalition, die den IS bekämpfen, ins Visier zu nehmen“. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte in Nürnberg, für ihn sei „unzweifelhaft“ erwiesen, dass es sich um einen Terroranschlag mit islamistischem Hintergrund handele. In dem Handyvideo kündigte der abgelehnte Asylbewerber demnach „ausdrücklich einen Racheakt gegen die Deutschen“ an.

Mohammad D. war vor zwei Jahren als Flüchtling aus Syrien nach Deutschland eingereist. Sein Asylantrag war vor einem Jahr abgelehnt worden, seither lebte er als geduldeter Flüchtling in Ansbach. Der aus Aleppo stammende Mann sollte aber jetzt nach Bulgarien abgeschoben werden. Der Polizei war Mohammad D. wegen Drogen- und Nötigungsdelikten bekannt. Außerdem galt er als psychisch instabil, aktenkundig sind nach Behördenangaben zwei Selbstmordversuche.

Saubere Trennung

Es war die dritte Bluttat in Bayern innerhalb einer Woche. Er verstehe die Sorgen der Bevölkerung, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), warnte aber zugleich vor einem Generalverdacht gegen Flüchtlinge. Die ganz große Mehrheit komme nach Deutschland, um hier in Frieden zu leben: „Das muss sauber getrennt werden.“

In Deutschland steigt laut Bundeskriminalamt die Zahl der Flüchtlinge, die unter Terrorverdacht stehen: Derzeit liegen den Sicherheitsbehörden des Bundes und der Länder demnach 410 Hinweise auf mögliche Terroristen vor. In 60 Fällen leiteten die Behörden Ermittlungsverfahren ein. Auch der Verfassungsschutz in Schleswig-Holstein hat laut offiziellem Bericht Hinweise auf Gefährder, auf Nachfrage nannte das Innenministerium am Montag aber keine Zahlen. „Mir machen vor allem diejenigen Sorgen, die immer noch unerkannt im Land unterwegs sind“, sagte Axel Bernstein, Innenexperte der CDU-Landtagsfraktion. Es müsse sichergestellt werden, „dass alle Flüchtlinge tatsächlich registriert und identifiziert werden“.

 Von Klaus Tscharnke und Bastian Modrow

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