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Unterkünfte für Flüchtlinge wachsen rasant

Containerdörfer Unterkünfte für Flüchtlinge wachsen rasant

Im Eiltempo geht die Erweiterung der Unterkunftsmöglichkeiten für Flüchtlinge voran. Die anhaltend hohen Zahlen zwingen zu schnellem Handeln. Eine große Rolle spielen Container. Die nächste große Charge ist bestellt.

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Endlose Blechdörfer wie hier in Neumünster: Die Container-Hersteller kommen mit der Lieferung für die zahlreichen Erstaufnahmeeinrichtungen im Land nicht mehr nach.

Quelle: dpa/Carsten Rehder

Kiel. Schleswig-Holstein baut seine Kapazitäten für die Erstaufnahme von Asylbewerbern immer weiter aus. Rund 11000 reguläre Plätze gibt es derzeit im Land in zwölf Einrichtungen, in denen aber mehr als 13000 Menschen untergebracht sind. Eine Übersicht des Innenministeriums für die Deutsche Presse-Agentur ergab, dass die Unterkünfte mit einer großen Ausnahme etwas über- oder unterbelegt sind. Die zentrale Erstaufnahme in Neumünster ist weiterhin völlig überlastet. Fast 5000 Menschen drängeln sich auf 2000 Plätzen. In der zweitgrößten Einrichtung, in Boostedt bei Neumünster, sind momentan etwa 1900 Menschen.

Um Versorgung, Betreuung und Sicherheit möglichst effizient gewährleisten zu können, hält die Landesregierung eine Mindestgröße von 500 Plätzen für erforderlich. Von den derzeit zwölf Erstaufnahmen sind nur Salzau, Wentorf und Albersdorf kleiner. Ebenso wie in Neumünster und Boostedt haben auch die Einrichtungen in Kiel, Rendsburg, Lübeck, Putlos, Kellinghusen, Itzehoe und Seeth meist deutlich mehr als 500 Plätze.

Aufstockungen sind die Regel geworden

Seeth hat derzeit 720 Plätze, 1500 sollen es im November werden. Itzehoe wird noch in diesem Jahr von 950 auf 2000 aufgestockt. Eine neue Einrichtung in Eggebek sieht mittlerweile 1000 statt zunächst vorgesehener 500 Plätze vor. Für eine geplante Unterkunft in Rondeshagen sind bis Ende Januar etwa 1500 Plätze angesetzt. Der Kapazitätsausbau hat sich rasant vollzogen: Bis Ende März hatte es nur eine Erstaufnahme-Einrichtung im Land gegeben – die in Neumünster.

Für die Unterbringung werden außer Kasernen und anderen massiven Gebäuden in hohem Maß auch Container genutzt. Wie viele Flüchtlinge genau in solchen Bauten derzeit untergekommen sind, konnte das Ministerium nicht sagen. Im Oktober habe das Land etwa 3000 weitere Container für die Unterbringung von über 10000 Flüchtlingen bestellt, hieß es, Sanitärcontainer eingeschlossen. Die Container sollen zu marktüblichen Preisen bis Januar geliefert und an mehreren Standorten aufgebaut werden.

Container-Hersteller kommen nicht nach

Bestens kennt den Containermarkt Peter Niemann, Geschäftsführer der Firma Friedrich Niemann in Kronshagen bei Kiel. Das Unternehmen vermietet Container, die es zuvor für die verschiedensten Zwecke umgerüstet hat. Etwa 3000 sind im Mietbestand der Firma, derzeit kann Niemann höchstens noch ein paar liefern. „Seit August ist es ganz eng“, sagt der Geschäftsführer. „In größerem Umfang können wir erst im nächsten Frühjahr wieder neu bestellte Container ausliefern.“ Der Grund: Die Hersteller sind völlig ausgelastet und kommen nicht nach. Gegenüber Importen aus Kroatien oder der Türkei gibt es noch Qualitätsvorbehalte.

In Flüchtlingsunterkünften in Kiel oder in Neumünster stehen zuhauf Container, die das Unternehmen geliefert hat. Niemann widerspricht Berichten, wonach sich die Preise seit Ausbruch der Flüchtlingskrise dramatisch erhöht hätten: „Wir verlangen keine Mondpreise, denn wir wollen auch nach Abebben des Flüchtlingsstroms ordentliche Geschäfte mit unseren Firmen-Stammkunden oder auch mit den Kommunen machen und nicht als schwarze Schafe dastehen“, sagt Niemann.

Auf Zeltlager für Asylbewerber will das Land verzichten, solange es geht. Das Land strebe keine Unterbringung von Flüchtlingen in Zelten an, heißt es aus dem Innenministerium. Dies komme höchstens als „Ultima Ratio“ infrage, wenn die Plätze in festen Gebäuden nicht mehr ausreichen sollten.

Das sind die Erstaufnahmeeinrichtungen im Land:

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