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Bergung von Rostfässern gestartet

Akw Brunsbüttel Bergung von Rostfässern gestartet

Rostfässer im Atomkraftwerk — ihre Entdeckung in Brunsbüttel war ein Schock. Nach und nach werden die Behälter mit Atommüll jetzt aus unterirdischen Lagerräumen herausgeholt. Die nun gestartete Bergungsaktion soll drei Jahre dauern.

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Von 632 Fässern, die zum Teil seit vielen Jahren in sechs mit Betondeckeln abgeschirmten Kavernen lagerten, sind mindestens 150 zum Teil schwer beschädigt.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Brunsbüttel. Im abgeschalteten Atomkraftwerk Brunsbüttel hat am Montag die Bergung von teils stark verrosteten Fässern mit schwach- bis mittelradioaktivem Abfall begonnen. Der erste Behälter sei am späten Vormittag mit einem dafür entwickelten Spezialgreifer per Fernbedienung aus einem unterirdischen Lagerraum herausgeholt worden, sagte eine Sprecherin des Betreibers Vattenfall. Weitere sollten im Laufe des Tages folgen. Letztlich blieb es am Montag einer Sprecherin zufolge bei zwei Fässern.

Von 632 Fässern, die zum Teil seit vielen Jahren in sechs mit Betondeckeln abgeschirmten Kavernen lagerten, sind mindestens 150 zum Teil schwer beschädigt. Vor vier Jahren wurde das erste Rostfass entdeckt. Die Bergungsaktion im Kontrollbereich des Kraftwerks soll etwa drei Jahre dauern. Bis zu einem späteren Abtransport in ein Endlager sollen die Behälter in Brunsbüttel oberirdisch sicher und endlagerfähig verwahrt werden.

Bei der Öffnung der Kavernen 2 und 4 wurden laut Vattenfall keine erhöhten Feuchtigkeitswerte festgestellt. Auch die radiologische Messung habe keinen erhöhten Wert gezeigt. Die Leerung beider Kavernen mit zusammen 188 Fässern soll Ende Oktober abgeschlossen werden.

"Fehler der Vergangenheit"

„Mit der heute begonnen Bergung der Fässer wird das letzte Kapitel einer unrühmlichen Geschichte geschrieben“, kommentierte Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck (Grüne) die Aktion. „Die Fehler der Vergangenheit sind jetzt korrigiert. Wir haben für den Umgang mit schwach- bis mittelradioaktiven Abfällen stärkere Sicherungsmechanismen eingezogen.“ Es sei gut, wenn die Kavernen schließlich geleert und die Fassinhalte sicher verpackt sein werden. „Das muss so schnell wie möglich gehen, der Strahlenschutz für die Mitarbeiter geht aber immer vor“, sagte Habeck.

Die 632 Fässer enthalten im Wesentlichen Abfälle aus der Abwasseraufbereitung und aus den Prozesskreisläufen des Kraftwerks, das seit 2007 nach diversen technischen Pannen keinen Strom mehr liefert. Es handelt sich um Filterharze, mit denen das Wasser in den Kreisläufen so rein wie möglich gehalten wird, und um Verdampferkonzentrate, getrocknete Rückstände aus der Abwasseraufbereitung.

Bergung kostet zwei Millionen

Die Fässer mit Filterkonzentrat werden über einen in einem speziellen Schutzraum stehenden Portalkran zu einer Pulverharz-Umsauganlage gebracht, wo der Inhalt aus den Fässern in endlagerfähige Container gesaugt wird. Die Fässer mit Verdampferkonzentrat werden in einer Trocknungsanlage nachgetrocknet und samt Fass in endlagerfähige Container gestellt. In der vorigen Woche hatte sich Energieminister Habeck im Kraftwerk ein Bild von der zur Bergung eingesetzten Technik gemacht und grünes Licht für die Aktion gegeben. Gut zwei Millionen Euro kostet die Fässerbergung laut Geschäftsführer Pieter Wasmuth den Betreiber Vattenfall zusätzlich.

Die Kavernen und Fässer waren ursprünglich nicht für eine längerfristige Aufbewahrung vorgesehen. Die Behälter sollten eigentlich längst nach Schacht Konrad (Niedersachsen) in ein Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle gebracht werden, dessen Inbetriebnahme bis Ende der 90er Jahre vorgesehen war. Dieses Lager steht immer noch nicht zur Verfügung: Derzeit rechnet das Bundesumweltministerium mit einem Start zwischen 2021 und 2025.

Die Atomaufsicht in Kiel geht davon aus, dass in den vergangenen Jahrzehnten besonders die Verdampferkonzentrate nicht ausreichend getrocknet worden waren und deshalb die starken Rostschäden entstanden. Das damalige Kraftwerkspersonal habe mit einem zügigen Abtransport der Fässer in ein Endlager gerechnet. Vermutlich aus diesem Grund sei die hohe Restfeuchte nicht als Problem gesehen worden.

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