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Sie will Kindern in Not eine Stimme geben

Beschwerdestelle Sie will Kindern in Not eine Stimme geben

Handyverbot, Taschengeldkürzung oder Konflikte mit den Erziehern: Viele Kinder und Jugendliche, die in Wohngruppen oder Kinderheimen leben, wissen oft nicht, welche Rechte ihnen zustehen und an wen sie sich bei Konflikten mit Betreuern oder dem Jugendamt wenden können. Ein neues Hilfsangebot soll sie jetzt unterstützen.

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Samiah El Samadoni ist Bürgerbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein und ab dem 1. Januar die Ansprechpartnerin für Beschwerden von Kindern und Jugendlichen aus Wohngruppen oder Heimen.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Das Land richtet ab dem 1. Januar 2016 eine unabhängige Beschwerdestelle für Kinder und Jugendliche aus stationären Unterbringungen ein. Die Beratung, Begleitung und Unterstützung übernimmt die Bürgerbeauftragte für soziale Angelegenheiten, Samiah El Samadoni mit ihrem Team. „Es geht vor allem darum, Kindern und Jugendlichen, die nicht mit Ämtern und Einrichtungen auf Augenhöhe verhandeln können, eine Stimme zu geben“, sagt sie.

 Der Bedarf ist groß. In der Vergangenheit hatte die Bürgerbeauftragte immer wieder mit ähnlichen Fällen zu tun. „Wenn ein Kind in einer Wohngruppe oder einem Heim untergebracht ist, können immer wieder Konflikte mit den Erziehern oder dem Jugendamt entstehen. Wir wollen dann als unabhängige Instanz vermitteln“, erklärt El Samadoni. Die Kinder sollen das Gefühl bekommen, nicht machtlos zu sein und für ihre Rechte sensibilisiert werden. Dabei stehen nicht nur die großen Streitfälle im Fokus. Auch die kleinen Sorgen im Alltag wie die Kürzung des Taschengeldes können ein Gefühl der Ungerechtigkeit bei Jugendlichen hinterlassen.

 Die einzelnen Beschwerden sollen künftig von einer sozialpädagogischen Kraft bewertet und eingeordnet werden. „Wenn die Kinder zu uns kommen, sind das manchmal Extremsituationen. Man muss da sehr sensibel sein. Dafür brauchen wir eine Fachkraft“, sagt El Samadoni. Wenn es gewünscht ist, können die Beschwerden der Kinder auch vertraulich behandelt werden.

Kooperation im Fokus

 Bei allem steht aber auch die Kooperation mit den Einrichtungen im Fokus. „Die Kinder und Jugendlichen sollen an den sie betreffenden Maßnahmen beteiligt werden. Dazu würde ich gerne mit den Trägern der einzelnen Einrichtungen und den Jugendämtern zusammenarbeiten“, erklärt die Bürgerbeauftragte. Sämtliche Akteure in der Kinder- und Jugendhilfe kämen dafür in Frage.

 Ziel ist es, die Sorgen der Kinder an Einrichtungsleiter oder Mitarbeiter des Jugendamtes weiterzuleiten. Dadurch sollen die Erzieher für die Anliegen der betreuten Kinder sensibilisiert und ein fachlicher Austausch gefördert werden. „Träger und Jugendämter sollen davon profitieren“, betont El Samadoni.

 Manche Erzieher dürften zunächst skeptisch sein. El Samadoni versucht zu entschärfen. „Ich finde es menschlich verständlich, dass die Betreuer ein zwiespältiges Gefühl bei dieser Beschwerdestelle haben, aber das ist nicht nötig. Wir wollen helfen, die normalen Konflikte einvernehmlich aufzulösen.“

 Die erste Herausforderung sei jetzt, das Hilfsangebot bekannt zu machen. Auch Eltern können sich bei der Beschwerdestelle mit Fragen zum Kinder- und Jugendhilferecht wenden. Zentraler Anlaufpunkt wird das Büro der Bürgerbeauftragten. Über ihre Telefonnummer (0431-988 1240) können erste persönliche Gespräche geführt oder Termine vereinbart werden. Auch im Netz sollen die Kinder aus den Einrichtungen das Hilfsangebot finden. „Wir richten eine Homepage ein und werden auch per E-Mail und über die sozialen Netzwerken erreichbar sein“, sagt El Samadoni. Das Angebot im Internet werde in den kommenden Wochen Stück für Stück ausgebaut.

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Kathrin Mansfeld
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