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Besuch verlief ohne große Zwischenfälle

Reuven Rivlin in Kiel Besuch verlief ohne große Zwischenfälle

Bei seinem Blitzbesuch in Kiel hat Israels Staatspräsident Reuven Rivlin heute einige Pföcke eingeschlagen. Der Präsident vereinbarte mit dem Kabinett im abgesperrten Regierungsviertel eine Zusammenarbeit bei der Windenergie, warb in der Uni für eine friedliche Lösung des Nahost-Konflikts und begutachtete auf der  Werft TKMS das neue israelische U-Boot „Rahav“.

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Albig zeigte sich erfreut über den Besuch des israelischen Staatsoberhaupts.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Alle Besuchsstationen waren abgesperrt. Weit mehr als 1000 Polizisten sorgten dafür, dass der „Eins-Plus“- Politiker (höchste Gefährdungsstufe) zwischen Ankunft und Abflug in Holtenau sechs Stunden sicher in der Landeshauptstadt unterwegs war.

Im fast menschenleeren Regierungsviertel, mehrere Ministerien und der Landtag hatten ihre Mitarbeiter in den Zwangsurlaub geschickt, wurde Rivlin von Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) bei bedecktem Himmel und einer kühlen Brise begrüßt. „Not the best weather, but the best place in Germany“, scherzte Albig. Der Präsident schmunzelte. Am Kabinettstisch sprach Rivlin die vielen Windräder an, die er aus dem Hubschrauber gesehen hatte. Albig verwies darauf, dass Schleswig-Holstein das Windland Nummer eins zu und bot Hilfe an. Rivlin schlug ein. Er will die israelische Regierung informieren. Ein Minister soll sich in Kiel melden.

An der Uni ging der Präsident auf den Nahost-Konflikt ein. Er betonte vor 120 Studenten und 40 Wissenschaftlern, dass es auf der ganze Erde für Juden nur ein „homeland“ gehe, nämlich Israel. Dort sollten nach seinen Vorstellungen Juden, Christen und Muslime friedlich zusammenleben. „Das ist eine Vision“, sagte der Staatspräsident. Eine Zwei-Staaten-Lösung lehnte er ab. Folge wäre ein starker israelischer und ein schwacher palästinensischer Staat. Rivlin bekam zum Auftakt und beim Abschluss der Diskussionsrunde großen Beifall.

Der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin ist am Mittwochmorgen auf dem Flughafen in Kiel Holtenau gelandet. Hauptgrund seiner Visite ist der Besuch bei der Werft TKMS (ThyssenKrupp Marine Systems), um sich dort das 600 Millionen teure U-Boot „Rahav“ anzuschauen. Der Staatsgast hat mit „Eins plus“ die höchste aller Sicherheitsstufen.

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Der Besuch ist insgesamt ohne größere Zwischenfälle verlaufen. Der 75-jährige Staatschef hat die Landeshauptstadt kurz nach 16 Uhr in einem Hubschrauber verlassen. Das Bundeskriminalamt und die Landespolizei Schleswig-Holstein haben die Sicherheit des Staatspräsidenten gewährleistet. Insgesamt waren etwa 2000 Polizeibeamte im Einsatz. Aus diesem Grunde wurden mehrere Sicherheitsbereiche im Kieler Stadtgebiet eingerichtet, unter anderem am Landeshaus, bei angrenzenden Ministerien, an der Universität, am Kieler Yachtclub und bei der Werft Thyssen-Krupp-Marine-Systems. Es kam zu zeitweisen Vollsperrungen im Straßenverkehr, unter anderem auch auf der Holtenauer Hochbrücke. Seit 11 Uhr war auch die Kieler Innenförde für den Individualverkehr gesperrt. Außerhalb des gesperrten Bereiches am Landeshaus sowie nahe der Uni und auf der Werftstraße kam es jeweils zu einzelnen Protestaktionen.

Reuven Rivlin zeigte sich freundlich und begrüßte am Kieler Yachtclub unter anderem Polizeibeamte der Motorradstaffel außerhalb des Protokolls. Kiels Polizeichef Thomas Bauchrowitz, der den Einsatz leitete war zufrieden: „Die polizeilichen Ziele haben wir erreicht. Wir blicken auf einen aufwändigen und facettenreichen Einsatz zurück. Der Schutz des israelischen Staatspräsidenten hatte oberste Priorität, was mit einigen Einschränkungen in Kiel, insbesondere im Straßenverkehr und in der Nähe einiger Sicherheitsbereiche einherging."

Hafen und Luftraum über Kiel wieder frei

Nur zwei Störungen mussten die Einsatzkräfte der Polizei während des Besuchs in der Luft und im Hafen abwehren. Kurz nach 11 Uhr war ein Sportboot  entgegen aller Warnungen vor dem Marinearsenal in den Sperrbereich eingedrungen. Die Wasserschutzpolizei fing den Segler mit seinem zehn Meter langen Boot ab und geleitete ihn nach Norden mit dem Einsatzboot „Schwansen“ und zwei Schlauchbooten aus dem Sperrbereich heraus.

Die Fahrt mit dem Fördeschiff „Falckenstein“ zur Werft TKMS wurde durch acht Boote der Wasserschutzpolizei und zwei Einsatzboote mit Spezialkräften gesichert. Der Schlepper „Kiel“ musste während des Werftbesuchs von Rivlin   fast zwei Stunden mit seinen Feuerlöschkanonen einen Wasserschleier über den Hafen legen, um somit einen Sichtschutz zu erzeugen. Niemand sollte das U-Boot und den hochrangigen Staatsgast mit dem Schlepper „Falckenstein“ im Werfthafen sehen. 

Da sich der Besuch bei der Werft TKMS verzögerte, musste die „Color Magic“ länger als üblich am Liegeplatz bleiben. Die Wasserschutzpolizei konnte dem Kapitän erst um 14.20 Uhr freie Fahrt geben, nachdem der israelische Staatspräsident auf der Werft TKMS aus dem Sichtfeld verschwunden war. Auch die Ausfahrt der Fähre wurde durch Boote der Polizei eskortiert.

Gesichert durch Spezialkräfte der Landes- und Bundespolizei sowie israelische Sicherheitseinheiten besuchte Reuven Rivlin das U-Boot „Rahav“ und auch die Fertigung in der Werft. Zur Feier des Tages wehte auf der „Rahav“ schon einmal die israelische Flagge. Die offizielle Übergabe steht in Kürze bevor. Scharfschützen hatten zuvor auf den Dächern der Werft ihre Positionen bezogen.

Während des Besuchs sicherten zwei Hubschrauber der Bundespolizei den Luftraum über Kiel. Die Besatzungen musste dabei gegen Mittag ein Sportflugzeug abfangen und zum Flughafen Holtenau geleiten, wo der Pilot nach der Landung vernommen wurde.  Die Rundflüge der historischen Flugzeugs „Ju 52“ der Lufthansa konnten wie geplant stattfinden. Die Maschine wurde in Holtenau unter Auflagen von der Poliozei abgefertigt. Die Route  für den knapp einstündigen Rundflug wurde etwas ins Umland verlagert, da der Luftraum über der Stadt Kiel nur den Hubschraubern der Bundespolizei vorbehalten war.

Die Bundespolizei hatte insgesamt acht Hubschrauber in Kiel. Sechs Maschinen des Typs Super Puma waren für den Transport der Delegation um den Staatspräsidenten eingesetzt. Zwei leichte Beobachtungs- und Transporthubschrauber sorgten für die Nahsicherung und Luftraumüberwachung über der Stadt.    

Für den Flughafen Holtenau war es der erste Besuch von acht Hubschraubern seit dem Abzug der Marineflieger 2012. Die Hubschrauberflotte der Bundespolizei nutzte den Flugplatz als Basis und Versorgungspunkt. Wie der Seehafen Kiel mitteilt, haben die Maschinen während des Tages rund 10000 Liter Kerosin getankt.

Von Ulf B.Christen, Günther Schellhase und Frank Behling

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Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)

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Foto: Der israelische Präsident Reuven Rivlin (l) wird in Kiel von Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Torsten Albig (SPD) begrüßt.

Extreme Sicherheitsvorkehrungen, Sperrzonen an Land und auf dem Wasser: Israels Staatspräsident Rivlin hat Schleswig-Holstein besucht. Auf dem Programm standen unter anderem Gespräche mit dem Kabinett, ein Besuch an der Uni und bei TKMS. Wir lassen den Tag im Ticker Revue passieren.

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