11 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Schleswig-Holstein: Lehrer gesucht

...auch wenn sie längst in Rente sind Schleswig-Holstein: Lehrer gesucht

Mit einer „ungewöhnlichen Bitte“ wandte sich Bildungsministerin Waltraud Wende per Brief an rund 2200 Lehrer im Land. Sie „würde sich freuen, wenn die eine oder der andere trotz des wohlverdienten Ruhestands“ für zeitlich befristete Unterrichtsvertretungen zur Verfügung stehen könnte.

Voriger Artikel
Minister beraten über Vorratsdatenspeicherung
Nächster Artikel
FDP und CDU sorgen sich um Wissenschaftsstandort Hamburg

Ziel des Bildungsministeriums ist es, den Schulen bei plötzlich eintretenden Unterrichtsausfällen zeitlich befristet „berufserfahrene und kompetente“ Vertretungslehrkräfte zur Seite zu stellen.

Quelle: ago (Symbolfoto)

Kiel. Ziel sei es dabei, den Schulen bei plötzlich eintretenden Unterrichtsausfällen zeitlich befristet „berufserfahrene und kompetente“ Vertretungslehrkräfte zur Seite zu stellen.

 Hintergrund der Aktion ist nach Darstellung des Bildungsministeriums der Aufbau eines Pools von „Seniorexperten“ für alle Schularten und Fächer. Das dabei anvisierte Fernziel sei die Erstellung einer Datenbank, auf die bei unvorhergesehenen Stundenausfällen zurückgegriffen werden könne. Um möglichst viele Pädagogen im Ruhestand dafür zu gewinnen, soll ab Juli dieses Jahres ein standardisiertes Verfahren eingeführt werden.

 Dann erhalten Pädagogen bei ihrer Verabschiedung automatisch einen Fragebogen zum „Einsatz von Lehrkräften im Ruhestand für Vertretungsunterricht“. Darin können sie unter anderem die maximale Stundenzahl pro Woche, die Schulform, den Einsatzort oder die gewünschten Vertretungsfächer angeben. Die Vergütung erfolge nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder.

 Bislang meldeten sich etwa 140 Lehrer, die sich eine Aufgabe als „Seniorexperte“ durchaus vorstellen können. Ministeriumssprecherin Patricia Zimnik hielt dies auf Nachfrage für eine „angemessene Zahl“ angesichts des relativ kurzen Zeitraums von vier Wochen seit Verschickung des Hauptanteils der Briefe. „Wir rechnen aber in der nächsten Zeit noch mit einer deutlich größeren Zahl interessierter Pädagogen.“

 Wert legte die Sprecherin auf die Feststellung, dass die „Seniorexperten“ nur bei kurzfristigen Unterrichtsausfällen einspringen sollen – also nicht bei langwierigen Erkrankungen oder Ausfällen von Kollegen über Monate hinweg. „Es geht auch nicht darum, den Nachwuchs zu verdrängen und junge Lehrer nicht anzustellen.“ Entscheidend sei die Absicht, durch den Pool von „Seniorexperten“ über einen weiteren Baustein verfügen zu können, um den Unterrichtsausfall einzudämmen. Nach Einschätzung eines erst kürzlich pensionierten Gymnasiallehrers geht es bei der Reaktivierung seiner Kollegen aber noch um mehr: „Denn gerade für naturwissenschaftliche Fächer ist der Markt an Lehrern total leergefegt“, berichtet der 64-Jährige, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Seniorexperte“ möchte der Ex-Chemie- und Biologielehrer trotz Anfrage der Ministerin auf keinen Fall werden. Zu stark hätten sich die Arbeitsbedingungen verändert – vor allem seit Einführung von G8 an den Gymnasien.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr zum Artikel
Kommentar

So umschmeichelt wie jetzt in einem Brief von Bildungsministerin Waltraud Wende werden Lehrer selten. „Freuen“ würde sie sich, wenn die „zweifellos erfahrenen und kompetenten“ Pädagogen auch im Ruhestand noch bereit wären, als „Seniorexperten“ bei kurzfristigen Unterrichtsausfällen einzuspringen. Wer Ruheständler so inständig um Hilfe bittet, offenbart selber eine gewisse Hilflosigkeit.

  • Kommentare
mehr