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Chefarzt-Gehälter: Wie viel ist genug?

Bund der Steuerzahler Chefarzt-Gehälter: Wie viel ist genug?

Der Bund der Steuerzahler hat eine grundlegende Korrektur des teuren Chefarzt-Systems am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) gefordert. „Das System muss wirtschaftlicher und transparenter werden“, sagt Verbandspräsident Aloys Altmann.

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Chefärzte erhalten neben ihrem Professorengehalt von rund 75.000 Euro brutto jährlich auch Geld für das Behandeln von Privatpatienten. Dafür können in Einzelfällen Zusatzeinkommen von mehr als eine Million Euro zusammenkommen.

Quelle: Francesco Ridolfi

Kiel. Es könne nicht sein, dass Chefärzte mehr dazu verdienten, als ihre Klinik hergebe, und das UKSH unter dem Strich Millionenverluste mache, die von den Steuerzahlern zu tragen seien.

Mit seiner Forderung reagiert der frühere Präsident des Landesrechnungshofs auf die hinter den Kulissen geführte Debatte um die Neuordnung der Hochschulmedizin (wir berichteten). Die Gesetzesvorlage, die am Dienstag im Kabinett behandelt werden soll, regelt auch die Zukunft der etwa 80 Chefärzte an den Uni-Kliniken in Kiel und Lübeck. Sie können neben ihrem Professorengehalt (rund 75000 Euro brutto im Jahr) etwa als Leiter einer UKSH-Abteilung Privatpatienten verarzten und abrechnen. Solche Nebenjobs können einige hunderttausend Euro im Jahr einbringen, in Einzelfällen auch mehr als eine Million Euro.

Alt-Verträge können grenzenlos dazuverdienen

Das Wissenschaftsministerium hatte mit Blick auf die hohen Defizite des UKSH bereits vor drei Jahren auf die Bremse getreten. In neuen Chefarzt-Verträgen wurde der Zuverdienst auf 300000 Euro begrenzt. Solche Verträge haben inzwischen mehr als 60 Chefärzte in der Tasche. Ein Haken: Das UKSH darf mit Segen des Aufsichtsrats das Limit überschreiten. Dies soll bereits geschehen sein, um begehrte Spezialisten nach Kiel oder Lübeck zu holen. Außen vor sind gut ein Dutzend erfahrene Spitzenmediziner. Sie haben Alt-Verträge und können grenzenlos dazuverdienen.

Nach Informationen unserer Zeitung will das Wissenschaftsministerium das Chefarzt-System bislang nur in einigen kleineren Punkten ändern. So soll künftig nicht mehr jede neue Koryphäe („strukturbildende Professur“) automatisch eine UKSH-Abteilung samt Chefarztgehalt übernehmen. Zudem sollen neue Verträge „zunächst“ auf zehn Jahre befristet werden, das allerdings in Abhängigkeit von der Professur. Demnach wären bei Dauer-Professuren weiterhin Dauer-Verträge möglich. Darüber hinaus möchte das Ministerium Chefärzte verpflichten, „betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse nachzuweisen oder zeitnah nach Vertragsabschluss zu erwerben“.

UKSH-Chef warnt vor Neiddebatte

UKSH-Vorstandschef Prof. Jens Scholz warnt vor einer Neiddebatte und verteidigt das Chefarztsystem. „Wir haben ein angemessenes Gehaltsniveau.“ Anders als früher würden Verträge mit Chefärzten heute ausgehandelt. „Dabei gibt es Leitplanken.“ Gemeint ist damit das Dazuverdienst-Limit. Mit den Reformvorschlägen des Ministeriums hat Scholz keine Probleme, auch mit Pflicht-Kurs in Betriebswirtschaft nicht. Einige Kliniken hätten ein Umsatzvolumen von 30 bis 50 Millionen Euro im Jahr. Daher würde das UKSH schon heute Finanz-Seminare anbieten. Der Schulterschluss mit dem Ministerium überrascht Insider nicht. Das UKSH und die Unis in Kiel und Lübeck haben den Vorschlag zur Reform der Hochschulmedizin mitformuliert.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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