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Stegner bleibt im Norden

Landespolitik Stegner bleibt im Norden

Er bleibt der Landespolitik in Schleswig-Holstein erhalten: Am Mittwochmorgen gab SPD-Landeschef Ralf Stegner seine politische Entscheidung bekannt. Er will wieder für den Landtag kandidieren. Bereits am Dienstagabend erläuterte der Landtags-Fraktionschef seinem Landtags-Wahlkreis seine politische Zukunft.

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Will der Presse heute seine politischen Pläne verraten: SPD-Landeschef Ralf Stegner.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Kiel. Der kleine Konferenzraum im Kieler Hotel Conti Hansa platzt vor Journalisten aus allen Nähten, und Ralf Stegner wirkt fast ein wenig kokett: Er habe die Diskussion über seine berufliche Perspektive nie selbst befeuert, betont der SPD-Fraktionschef, Landesparteivorsitzende, Bundes-Vize und Talkshow-Dauergast. Stattdessen habe er immer wieder festgestellt, dass er mit dem Wechsel nach Berlin auf der einen Seite und dem Verbleib im Landtag auf der anderen zwei Optionen sorgfältig zu prüfen habe und das Ergebnis nach Ostern verkünden wolle. Für die wilden Spekulationen, mit denen der Politzirkus monatelang jonglierte, sei er nicht verantwortlich.

Seit Mittwoch herrscht nun Klarheit: Der Abgeordnete Dr. Ralf Stegner aus Bordesholm bewirbt sich 2017 im Wahlkreis Rendsburg-Ost erneut um ein Mandat im Landtag. Nicht im Bundestag. „In meinem Alter stellt man sich natürlich die Frage: Wo kann man am meisten bewirken, und was ist für mich selbst richtig?“, sagt der 56-Jährige. Vorruhestandsgefühle trieben ihn jedenfalls nicht um. Er habe sich mit Familie und Kollegen in Kiel und Berlin beraten, und möglicherweise sei es richtig, dass die Entscheidung an höherer Stelle entschieden wurde: „Bei meiner Frau.“ Ganz sicher aber nicht beim SPD-Bundesvorsitzenden Sigmar Gabriel. Die Zusammenarbeit mit dem gerade mal zwei Wochen älteren Boss bezeichnet Stegner als „robust“, keinesfalls aber von einem militärischen Führungsstil geprägt. „Das wäre auch ziemlich vergeblich“, sagt er.

Im Landtag habe er die Aufgabe, Fraktion und Küstenkoalition mit Grünen und SSW zusammenzuhalten. Das wolle er über die Legislaturperiode hinaus gern fortsetzen. Seine Entscheidung habe er hinter verschlossenen Türen auch mit Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) abgestimmt: „Wir ergänzen uns mit unseren Stärken, und ich habe nicht den Eindruck, dass diese Aufgabe beendet ist.“ Er betrachte es als sein persönliches Ziel, dass Albig Regierungschef bleibt, und halte dessen Spitzenkandidatur als fest gesetzt. Stegner hatte einst selbst Ambitionen auf den Topjob im Regierungsviertel erhoben, war seinem Konkurrenten aber bei einer Urwahl der Genossen unterlegen. Diesmal sichert er ihm uneingeschränkte Unterstützung zu.

Schleswig-Holsteins künftige Mehrheitsverhältnisse schätzt Stegner allerdings wacklig ein. „Kommt die AfD zweistellig in den Landtag, ist unsere Mehrheit perdu.“ Dann müsse die SPD auch eine große Koalition mit der CDU erwägen, auch wenn er von solchen Grokos kein Freund sei. „Das Leben ist kein Ponyhof“, und der Respekt gegenüber Demokratie gebiete, dass eine Zusammenarbeit mit allen demokratischen Parteien möglich sein müsse. „Aber so attraktiv ist die schwarze Braut in Schleswig-Holstein wirklich nicht.“ Er werde der Union bei nächster Gelegenheit eine Urwahl nahelegen, bei der die CDU-Mitglieder über einen Spitzenkandidaten Liebing kontra Fraktionschef Günther abstimmen sollten.

Bei der Union spricht man angesichts der Stegner-Personalie von einer Seifenblase: „Viel Lärm um nichts“, stellt Parteichef Ingbert Liebing knapp fest. „Die SPD Schleswig-Holstein bleibt damit weiter auf strammem Linkskurs.“ Gratulationen kommen von Grünen und SSW. Beide loben den SPD-Mann für Offenheit und Verlässlichkeit. Schnell meldet sich Ministerpräsident Albig zu Wort: Er freue sich sehr über Stegners Entscheidung, weiterhin Politik aus Schleswig-Holstein „für unser Land und für Deutschland“ zu machen. „Mit seiner enormen Führungsstärke, seiner besonderen politischen Erfahrung und seiner hohen analytischen Kompetenz ist er für meine Landesregierung ein zentraler Erfolgsfaktor für die Arbeit für unser Land.“

Die Nord-SPD will im November ihren Spitzenkandidaten nominieren. Die Neuwahl des Landesvorstands sowie der Kandidatenlisten zur Landtags- und Bundestagswahl stehen im Januar auf einem Parteitag in Lübeck an.

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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Zwei Gründe hätten für einen Wechsel des SPD-Landeschefs Ralf Stegner nach Berlin gesprochen.

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