23 ° / 11 ° Gewitter

Navigation:
Jetzt aber schnell!

CDU-Landesvorsitzender Ingbert Liebing Jetzt aber schnell!

Der CDU-Landesvorsitzende Ingbert Liebing hat es eilig. Der Bundestagsabgeordnete will sich nach Information unserer Zeitung bereits auf einer Klausurtagung der Nord-Union im September zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2017 küren lassen.

Voriger Artikel
Fall "Friesenhof" und Haushalt dominieren Landtagssitzung in Kiel
Nächster Artikel
Aufstand gegen Studt

Ingbert Liebing, Landesvorsitzender der Nord-CDU, arbeitet früh an der Weichenstellung für die nächste Landtagswahl.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Mit der frühen Nominierung 20 Monate vor der Wahl nimmt Liebing dem CDU-Fraktionschef Daniel Günther den Wind aus den Segeln. Günther, der im Landtag immer besser Tritt fasst, gilt als Alternative zum landesweit bisher kaum bekannten CDU-Chef.

„Wir wollen nach der Sommerpause auf einer Klausurtagung den Fahrplan zum Regierungswechsel aufstellen“, berichtet Liebing. Ein Punkt sei dabei auch die Frage der Spitzenkandidatur. Als Parteichef hat Liebing nicht nur den ersten Zugriff auf den Front-Job, er ist bislang auch der einzige Kandidat. „Ich traue mir die Spitzenkandidatur zu“, sagt er. Das letzte Wort hätten aber die Parteifreunde in Neumünster im Hotel Altes Stahlwerk. Dort trifft sich am 12. September der erweiterte Landesvorstand, in dem auch die CDU-Kreischefs und die Vorsitzenden der Landesvereinigungen sitzen.

Mit dabei ist auch Günther. Der frühere Landesgeschäftsführer, der erst im Herbst die Landtagsfraktion übernahm, leitet die CDU-Programmkommission und will in Neumünster erste Grundzüge des Wahlprogramms vorstellen. Erklärtes Ziel ist, die ländlich geprägte Union städtischer aufzustellen. Dafür steht insbesondere Günther. Der Politikwissenschaftler aus Eckernförde setzt unter anderem auf Themen wie den Verbraucherschutz und hat sich als erster in der Nord-Union für die Homo-Ehe ausgesprochen. Liebing tut sich dagegen mit der Homo-Ehe schwer, pflegt konservative Werte und hält somit den bodenständigen Flügel der Nord-CDU bei der Parteifahne.

Bisher funktioniert das Tandem. „Wir arbeiten gut zusammen und sind persönlich befreundet“, erzählt Liebing. Der Fraktionschef mache einen guten Job, setze die Regierung immer wieder unter Druck. Günther hört das gern und gibt das Lob postwendend zurück. „Liebing hat sich sehr schnell in die Landespolitik eingearbeitet und besitzt anders als Ministerpräsident Albig jetzt schon eine große Detailtiefe.“ Günther lässt zugleich keinen Zweifel daran, dass er die Karrierepläne des Parteichefs nicht durchkreuzen will. „Ingbert Liebing hat meine volle Unterstützung, auch als Spitzenkandidat.“

Hinter den CDU-Kulissen rumort es allerdings. Kritik gibt es vor allem an Liebing. Der Parteichef, der in Berlin zur zweiten Garde gehört, ist in Schleswig-Holstein bisher politisch kaum in Erscheinung getreten, hat wie in der CDU geklagt wird „noch nichts gerissen“. Liebing sieht das naturgemäß anders. „Ich bin viel im Land unterwegs.“ Die Journalisten würden sich aber auf das Landeshaus konzentrieren. „Deshalb ist es keine Überraschung, dass der Fraktionsvorsitzende eine höhere mediale Präsenz hat als der Landesvorsitzende.“

In der CDU hoffen viele, dass Liebing nach seiner Nominierung zum Spitzenkandidaten und dem Listenparteitag im Juni 2016 mutiger wird, eigene Akzente setzt und so Profil gewinnt. Sicher ist das aber nicht. Vor einigen Wochen ließ Liebing intern keine Zweifel daran, dass er weitere Hilfspakete für Griechenland ablehnt. Den Mut, das öffentlich an die große Glocke zu hängen und sich so frühzeitig von der Haltung der Großen Koalition in Berlin abzusetzen, hatte Liebing nicht. Heute ist seine kritische Haltung zu Griechenland salonfähig.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr zum Artikel
Kommentar

Die Nord-CDU ist theoretisch bestens aufgestellt. Sie hat mit Parteichef Ingbert Liebing einen konservativen Vormann, der als Spitzenkandidat bei der Wahl 2017 auf dem flachen Land kräftig Stimmen sammeln soll. Und sie hat mit Landtags-Fraktionschef Daniel Günther einen klugen Programmatiker, der mit einem modernen Wahlprogramm in den Städten punkten könnte.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Politik 2/3