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CDU-Spitzenkandidat stumm im Wahlvideo

Hat er nichts zu sagen? CDU-Spitzenkandidat stumm im Wahlvideo

Das verblüfft den Betrachter schon: In seinem Image-Video zur Landtagswahl sagt der CDU-Spitzenkandidat kein Wort. Günther lässt andere über ihn reden. Kommunikationsexperte Radtke hält den Albig-Streifen für viel besser.

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Die Bildkombo zeigt den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Torsten Albig (li., SPD) in Lübeck und den Landesvorsitzenden der CDU, Daniel Günther, in Neumünster.

Quelle: Carsten Rehder (dpa, Archiv)

Kiel. Ziemlich pathetisch kommen beide rüber in ihren Image-Videos zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein. Professionell sind die Bilder gemacht, die den Ministerpräsidenten Torsten Albig (SPD) und den CDU-Spitzenkandidaten Daniel Günther ins rechte Licht rücken sollen. Aber es gibt einen Riesenunterschied: Albig sagt ziemlich viel - und Günther überhaupt nichts. Dafür sprechen andere über ihn um so mehr: Sein bester Freund, die Kieler Ex-OB Angelika Volquartz, Günthers Vater, ein Lehrer und Ex-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen.

Der Journalismus-Professor Jörn Radtke von der Fachhochschule Kiel sieht darin ein großes Manko. „Er sagt kein Wort und damit hat man das Gefühl, er hat nichts zu sagen“, analysiert der Multimedia-Experte. Die Video-Macher folgten dem in der Werbung gängigen Testimonial-Prinzip: „Man lässt Zeugen sagen, was für ein toller Typ er ist.“

Hier sehen Sie den Imagefilm von Daniel Günther (CDU):

Positives Image, hier von Carstensen und Volquartz, soll auf Günther übertragen werden. Radtke formuliert es noch härter: „Man kann zu dem Eindruck kommen, hier soll einem Nobody ein Testat ausgestellt werden.“ Das Video solle möglicherweise überzeugte CDU-Anhänger nun auch vom Kandidaten überzeugen. „Davon wird kein Jungwähler und kein Wechselwähler angesprochen.“ Es gehe auch zu wenig um Inhalte.

CDU-Landeschef Günther steht zu seinem Video ohne eigene Worte: „Unser Video wurde gedreht, um mich vor der Wahl zum Spitzenkandidaten vorzustellen“, sagt er. „Da ist es wichtig, andere sprechen zu lassen. Ein Video zur Ansprache der Wählerinnen und Wähler plane ich zu einem späteren Zeitpunkt.“

Das Albig-Video zeigt anfangs einen Netze flickenden Fischer und am Ende an den Strand plätschernde Wellen, Albig spricht dazu den SPD-Wahlslogan „Wir machen das“. Mit Anfangs- und Endbild kann Kommunikationsexperte Radtke nicht so viel anfangen, aber was dazwischen liegt, gefällt ihm viel besser. Man sehe den Kandidaten fast immer im Gespräch oder in Beziehung zu Menschen, oder er treffe eine inhaltliche Aussage. „Und wenn er etwas sagt, wird das ergänzt mit Bildern vom Menschen Albig.“ Der spricht über Ganztagsschulen, Inrastruktur, beitragsfreie Kitas und mehr Gerechtigkeit. „Ich will ein Land, in dem die Menschen groß sind“, sagt er auch.

Hier sehen Sie den Imagefilm von Torsten Albig (SPD):

Bei Günther verkünden andere Gutes über den CDU-Kandidaten. „Der Mann hat Herz und ist keine Maschine, die irgendetwas abarbeitet“, sagt sein bester Freund. Der Katholik Günther sei fest verankert im Glauben, sagt Volquartz. Und: „Wenn Daniel Günther durch die Tür reinkommt, dann weiß man, er kann es. Das ist unser zukünftiger Ministerpräsident.“ Dass im Günther-Video - wenn auch sehr schöne - Kiel-Bilder dominieren, hat aus Sicht Radtkes einen Negativeffekt. „Das verengt den Blick, als ginge es nur um Kiel.“ Im Albig-Streifen seien auch die Adressaten breiter gestreut. „Das kann auch noch unentschiedene Wähler ansprechen.“

Für soziale Netzwerke sei das Günther-Video mit 3:08 Minuten auch viel zu lang, sagt Radtke. Das Albig-Stück sei mit 1:38 Minuten noch okay, das funktioniere über Facebook. Alles in allem vergibt Radtke einen klaren Punktsieg für das Albig-Video. Kritisch sieht er generell die permanente Personalisierung und das immer geringere Gewicht von Inhalten im Erscheinungsbild von Politik - Amerika lässt grüßen

Von Wolfgang Schmidt

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