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Gereiztheit in Unterkünften steigt

DRK Vorstand: Gereiztheit in Unterkünften steigt

In Schleswig-Holsteins Flüchtlingsunterkünften spürt das Deutsche Rote Kreuz zunehmend Spannungen. DRK-Vorstand Geerdts sieht als entscheidenden Grund die extreme räumliche Enge. Die Zahl der Flüchtlinge im Land steigt indes stetig.

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DRK-Landesvorstand Torsten Geerdts.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer/ Archiv

Kiel. Angesichts wachsender Spannungen auch in schleswig-holsteinischen Flüchtlingsunterkünften fordert das Deutsche Rote Kreuz deutliche Verbesserungen bei der Unterbringung. „Die Gereiztheit unter Flüchtlingen steigt, das merken unsere Mitarbeiter und sie versuchen in Streitfällen wie auch die Polizei zu schlichten“, sagte DRK-Landesvorstand Torsten Geerdts der Deutschen Presse-Agentur. Hauptgrund für Spannungen seien nicht religiöse oder ethnische Feindseligkeiten, sondern die räumliche Enge in den teilweise überbelegten Erstaufnahmeeinrichtungen.

„Wir brauchen mehr und größere Erstaufnahmeeinrichtungen, die auch Räume für Freizeitangebote bieten“, sagte Geerdts. Dies sei wegen des nahenden Winters besonders dringlich, wenn die Flüchtlinge fast nur noch in ihren Wohncontainern sitzen. „Da können Probleme wachsen“, warnte der frühere Kieler Landtagspräsident und CDU-Politiker.

Die Zahl der Flüchtlinge steigt indes immer weiter. Allein im September sind mehr als 10 000 Flüchtlinge nach Schleswig-Holstein gekommen. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr waren es 7600. Die Landesregierung rechnet damit, dass es bis zum Jahresende mehr als 50 000 werden können.

Dabei muss das Land nach dem Absprung der privaten Investoren auf eine geplante Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Campus der Uni Flensburg wohl vorerst verzichten. Die CDU hatte Innenminister Stefan Studt (SPD) aufgefordert, über die Hintergründe des Scheiterns im Innen- und Rechtsausschuss Aufklärung zu geben. Wie die Realisierung der Erstaufnahmeeinrichtung in Flensburg jetzt erfolgen soll, wird nach Angaben des Ministeriums zunächst intern geprüft.

Dem Bundespräsidenten dankte DRK-Vorstand Geerdts für den „Denkanstoß“ über Grenzen der Aufnahmefähigkeit. „Es geht nicht nur um die Aufnahme von Flüchtlingen, sondern um den wirklichen Auftrag: Sie müssen integriert werden in die gesamte Gesellschaft von der Kita, Schule, dem Arbeitsmarkt bis hinein in den Bereich Pflege. Und da muss man auch immer vor Augen haben: Was kann die Gesellschaft tragen?“

Auch SPD-Landeschef und Bundesvize Ralf Stegner verwies auf eine Belastungsgrenze. „Nicht alle Menschen werden bei uns bleiben können“, sagte er dem „Handelsblatt“ (Online). Ministerpräsident Torsten Albig hatte vergangenen Mittwoch auf die Frage, ob die Grenze der Belastung in Schleswig-Holstein erreicht sei, mit einem klaren Nein geantwortet. Dennoch seien die Teilnehmer eines Flüchtlingsgipfels mit Kommunen darin einig, dass die hohe Flüchtlingszahl von vielen Menschen als zunehmende Belastung wahrgenommen werde.

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