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Deutsch lernen mit Memory-Karten

DaZ in Schleswig-Holstein Deutsch lernen mit Memory-Karten

Die Flüchtlingswelle hat die Schulen in Schleswig-Holstein erreicht. Im Dezember besuchten bereits mehr als 8000 Kinder und Jugendliche mit Fluchthintergrund eine DaZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) oder eine Berufsschule. Als Starthilfe spendiert das Land den DaZ-Lehrern jetzt Spezialmaterial zur Sprachförderung. Kosten: 158 000 Euro.

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Eine Zeichnung – ein Wort: Kirsten Fischenbeck-Ohlesen, Referentin im Bildungsministerium, präsentiert Unterrichtsmaterial für Flüchtlinge, die Deutsch als Zweitsprache büffeln.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. „Die Schulen bewältigen die Herausforderung exzellent“, sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). „Sie leisten damit einen entscheidenden Beitrag zur Integration.“ Nach Angaben des Ministeriums büffelten Ende 2015 gut 5000 Flüchtlinge in landesweit bereits 312 DaZ-Klassen. Hinzu kommen mehr als 3100 Jugendliche an berufsbildenden Schulen und Berufsbildungszentren. Sie haben eine besondere Verantwortung für ihre Flüchtlingsschüler. Mehr als jeder dritte Jugendliche ist „unbegleitet“ in den Norden gekommen, lebt also ohne Eltern in Schleswig-Holstein.

 Nach der Ministeriums-Statistik werden Flüchtlingskinder zwar in allen Landesteilen beschult. Schwerpunkte sind aber die Kiel-Region und die Kreise Segeberg und Pinneberg. Das zeigt sich auch bei einem direkten Vergleich der beiden größten Städte im Land: In Kiel gingen im Dezember 474 Flüchtlingskinder zur Schule, in Lübeck nur 287. Noch größer ist das Gefälle bei den Berufsschulen. Hier liegt Kiel mit 437 Schülern an der Landesspitze, Lübeck mit 188 Jugendlichen im Mittelfeld. Schlusslicht ist der Kreis Plön (58 Schüler).

 Mit Blick auf die Flüchtlinge aber auch auf die allgemeine Unterrichtslage hat das Land 2015 insgesamt 365 zusätzliche Lehrer angeheuert, einen Großteil für die DaZ-Klassen. Anfang Februar sollen weitere 50 Lehrer hinzukommen. Damit wird der DaZ-Bereich auf insgesamt 408 Stellen ausgebaut. Die Berufsschulen erhalten zeitgleich ein Extra-Budget, um Lehrkräfte für Flüchtlinge anzuheuern. Im Haushalt sind dafür vier Millionen Euro eingestellt.

 Der neueste Clou sind spezielle Unterrichtsmaterialien, mit deren Hilfe Lehrer leichter Sprachunterricht erteilen können und Flüchtlinge schneller Deutsch lernen sollen. Der Trick: Auf einer Lernkarte steht etwa das Wort Bleistift, auf einer zweiten ist der Stift zu sehen. Zu diesen Memory-Karten können Lehrer einen echten Bleistift zeigen. Das Material wird einerseits an die rund 120 DaZ-Zentren versandt, kann andererseits aber auch von Schulen im Ministerium angefordert werden. Dort liegen insgesamt 550 Kartons mit dem Spezialmaterial (Motto „Erste Schritte“) bereit.

 Die Flüchtlingsschüler sollen aus den DaZ-Klassen schrittweise in den Standard-Unterricht der allgemeinbildenden Schulen (Grundschule, Gemeinschaftsschule, Gymnasium) integriert werden. Trotz des Rekordandrangs von Flüchtlingskindern prägen sie bislang kaum den Schulalltag. Zum Vergleich: In Schleswig-Holstein gehen derzeit mehr als 378000 Kinder und Jugendliche zur Schule, davon knapp 92300 in eine Berufsschule. Unterrichtet werden sie von 28000 Lehrkräften auf 22500 Planstellen.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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