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Daniel Günther zu Gast in Dänemark

Auslandsreise Daniel Günther zu Gast in Dänemark

Worüber unterhält man sich mit einer Königin? Bitte nicht über Politik! Zehn Minuten wurde Schleswig-Holsteins Ministerpräsident am Mittwochmorgen vom strengen dänischen Hofprotokoll in den Umgang mit Margrethe II. unterwiesen.

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Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther (CDU,l) kommt in Kopenhagen mit Dänemarks Regierungschef Lars Løkke Rasmussen in dessen Büro.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Kopenhagen. Dann öffneten sich im Schloss Amalienborg die Türen zur Privataudienz, Daniel Günther durfte neben seiner Gastgeberin am Kaffeetisch Platz nehmen und mit ihr unter vier Augen über Gott und die Welt plaudern. In diesem Fall über die deutsch-dänischen Beziehungen, über das Lutherjahr, die Reformation und darüber, dass die Monarchin oft ihre Verwandtschaft in Schleswig-Holstein besucht.

Nach 20 Minuten war alles schon wieder vorbei. "Ich hätte dort gern noch länger gesessen", sagte Günther. Die anfängliche Nervosität habe sich schnell gelegt, und dann habe er mit der Königin "geklönt wie mit allen anderen Menschen auch". Bloß, dass das Mobiliar im Schloss eben "etwas älter" sei und "nicht von Ikea".

Noch bis Donnerstag weilt Schleswig-Holsteins Regierungschef zum dreitägigen Antrittsbesuch in der dänischen Hauptstadt. Dass diese Reise von einer Privataudienz gekrönt wurde, hatte Schleswig-Holsteins neuer MP einem Zufall verdanken. Eigentlich wollte sich an diesem Morgen Deutschlands neuer Botschafter in Dänemark bei ihr vorstellen, der erst vor einer Woche aus Moskau nach Kopenhagen gewechselt war. Der Diplomat trat ihm zuliebe vorerst zurück, und stattdessen durfte Günther den Termin wahrnehmen.

"Absolut freundschaftlicher Atmosphäre"

Vor der royalen Audienz war Günther mit Regierungschef Lars Løkke Rasmussen in Christiansborg zusammengetroffen. Gütnher sprach im Anschluss von einem sehr angenehmen Gespräch in "absolut freundschaftlicher Atmosphäre". Ein wichtiges Thema sei "natürlich" die Fehmarnbeltquerung gewesen. Die dänische Seite mache sich Hoffnungen, dass das Projekt nun zügig voranschreitet. Günther kündigte seine Entschlossenheit an, den Planfeststellungsbeschluss bis 2018 vorliegen zu haben, um nach dem erwarteten Gerichtsverfahren 2020 mit dem Bau zu beginnen und den Tunnel 2028 zu eröffnen. Hinter vorgehaltener Hand munkelt man in Regierungskreisen aber auch, dass die Jamaika-Koalitionsverhandlungen in Berlin neue Hürden bringen könnten. Die Grünen könnten auf Bundesebene den ungeliebten Tunnel erneut torpedieren.

Rasmussen habe auch danach gefragt, wie sicher die Grenzen seien. Dänemark will dort zum Ende der Woche Soldaten einsetzen. "Wir können das nicht kritisieren", sagte Günther. Man respektiere, dass das Nachbarland in der Zusammenarbeit zwischen Polizei und Militär eine andere Tradition habe - "auch wenn uns das irritiert". Man sei sich jedoch einig gewesen, dass Grenzkontrollen innerhalb des Schengen-Raums kein Dauerzustand sein könnten. "Ich wünsche mir offene Grenzen."

Günther hatte am Dienstagabend auf einem Empfang in der deutschen Botschaft betont, dass es neben der Beziehung zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark auch um Wirtschaftsfragen gehe. 2016 habe Schleswig-Holstein nach Dänemark Waren im Wert von 1,76 Milliarden Euro ausgeführt, ein Plus von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dänemark habe inzwischen eine Deutschlandstrategie aufgelegt. "Dabei wollen wir das Land unterstützen und laden es umgekehrt zu einer Allianz des Nordens gemeinsam mit Hamburg ein."

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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