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Damp-Streit: Albig platzt der Kragen

Ministerpräsident greift Helios an Damp-Streit: Albig platzt der Kragen

Knapp eine Woche nach der Kündigung von mehr als 1000 Servicemitarbeitern der Damp-Gruppe weht dem Klinikkonzern Helios der Sturm des öffentlichen Protestes immer schärfer ins Gesicht. Auf der für Sonnabend geplanten Schlusskundgebung am Kieler Reventlou-Anleger will Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) seinen Unmut Luft machen.

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Ministerpräsident Torsten Albig platzt im Damp-Streit der Kragen.

Quelle: Pregla

Kiel/Damp. Am Dienstag hatte sich Torsten Albig (SPD) mit offener Kritik an Helios noch zurückgehalten, einen Tag später platzte dem Regierungschef dann doch der Kragen: „Das was hier passiert, ist für mich nur schwer zu ertragen“, sagte Albig KN-online. Die Auseinandersetzung um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Zentralen Service Gesellschaft Damp werde in einer „ungewöhnlichen Härte“ geführt. Und: „Hier wird mit den Existenzängsten von Menschen gespielt.“ Die Landesregierung will nun den Dialog mit den Beteiligten suchen, um den Konflikt nicht weiter eskalieren zu lassen. Albig: „Eine sachliche Lösung muss her.“

Doch Helios zeigt sich unbeeindruckt: In einem Brief an die Mitarbeiter, der KN-online vorliegt, stellt der Konzern klar: „Der aktuelle Konflikt wird nicht dazu führen, dass wir diese Entscheidung rückgängig machen.“ Fest steht inzwischen: Für jeden fünften der 1300 Mitarbeiter der Zentralen Service-Gesellschaft Damp wird es auch bei den neuen Helios-Dienstleistern keinen Arbeitsplatz geben. Die Bereiche, in denen sie tätig waren, würden „neu organisiert“. Betroffen sind etwa die Wäscherei oder das Archiv, das digitalisiert werde. Auch würden befristete oder auslaufende Verträge nicht verlängert.

Unterdessen wachsen die Zweifel an der Wirksamkeit der Kündigungen. Laut Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, ist eine vorherige Anzeige bei der Agentur für Arbeit Bedingung für eine rechtmäßige Massenentlassung. Dazu gehöre, eine Stellungnahme des Betriebsrats und einen Nachweis über dessen rechtzeitige Einbindung im Kündigungsverfahren vorzulegen. Doch Helios hatte den Betriebsrat nicht eingeschaltet. Begründung: Die Kündigungen seien allein durch den Arbeitskampf bedingt. Ver.di jedoch will die Helios-Geschäftsleitung auf Unterlassung verklagen: Es sei ein „einmaliger Vorgang in der Geschichte der Bundesrepublik, dass ein Unternehmen Entlassungen als Mittel des Arbeitskampfes einsetze“, sagte ver.di-Chef Frank Bsirske.

Auf der für Sonnabend geplanten Schlusskundgebung am Kieler Reventlou-Anleger (Demo-Auftakt um 12 Uhr am Gewerkschaftshaus) werden nicht nur die Gewerkschaftschefs Bsirske (ver.di) und Möllenberg ihrem Unmut Luft machen, sondern auch der neue Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein.

Helios hatte die Damp-Gruppe im März übernommen. Dazu gehören elf Krankenhäuser und Reha-Kliniken in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg. Insgesamt beschäftigt die Gruppe rund 5600 Mitarbeiter. Ver.di und Arbeitgeberseite verhandeln bereits seit Monaten erfolglos über einen Tarifvertrag. Bei einer Urabstimmung sprachen sich 86 Prozent der ver.di-Mitglieder für einen unbefristeten Streik aus. Die Gewerkschaft fordert für alle Beschäftigten unter anderem 7,5 Prozent mehr Gehalt.

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Ein Artikel von
Bodo Stade
Stellvertretender Chefredakteur

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