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Dauerstreik in den Kitas droht

Schleswig-Holstein Dauerstreik in den Kitas droht

Die Zeichen stehen auf Streik. Nachdem am Donnerstag die vierte Verhandlungsrunde zur Gehaltserhöhung von Erziehern und Sozialarbeitern ohne Ergebnis geblieben ist, wollen die Gewerkschaften nun offenbar mit härteren Bandagen kämpfen: „Wir sind bereit, notfalls bis zur unbefristeten Arbeitsniederlegung zu gehen“, drohte Jens Mahler, Landesfachbereichsleiter im Verdi-Bezirk Nord.

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Streikbereit: Erzieherinnen aus dem ganzen Land kamen am Donnerstag in Kiel zusammen, um lautstark für ihre Sache zu demonstrieren.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Die gute Nachricht: Am Montag und Dienstag, wenn die fünfte Verhandlungsrunde in Offenbach läuft, sind keine weiteren Streiks in den kommunalen Einrichtungen in Schleswig-Holstein geplant. Sollte es keine Lösung geben, müssen sich die Eltern aber auf einen unschönen Mai-Beginn mit dauerhaft geschlossenen kommunalen Kitas einstellen. Dass beim fünften Anlauf keine Einigung erzielt wird, davon gehen nicht nur die Gewerkschaften Verdi und GEW, sondern auch der kommunale Arbeitgeberverband in Schleswig-Holstein aus. Einen unbefristeten Streik wollen beide Seiten nicht, aber die Fronten sind verhärtet: Der Verband der kommunalen Arbeitgeber (KAV) habe bisher kein akzeptables Angebot vorgelegt, sagte Frank Schischefsky, Verdi-Pressesprecher Bezirk Nord.

 „Wir sind bereit, neue Gehälter zu verhandeln, aber nicht in der Höhe, die die Gewerkschaften fordern“, erklärte KAV-Geschäftsführer Wilfried Kley auf Nachfrage. Nach seinen Worten hatte die Arbeitgeberseite vorgeschlagen, die Eingruppierung von Erzieherinnen differenziert nach Tätigkeit zu prüfen. Die Gewerkschaften hätten aber in den Verhandlungen kein Entgegenkommen gezeigt, kritisierte Kley. Verdi und GEW beharrten stattdessen auf ihrer Ausgangsforderung. Die Forderungen der Gewerkschaften würden eine durchschnittliche Gehaltserhöhung von zehn Prozent bedeuten. „Bei den meisten Berufsgruppen sind das aber Erhöhungen von bis zu 20 Prozent. Das steht in keiner Relation zu anderen Berufsgruppen des Öffentlichen Dienstes“, so Kley.

 Die Arbeitnehmer sehen das anders: „Der Frust ist groß, dass noch keine Bewegung in die Verhandlungen gekommen ist“, erklärten die beiden Erzieherinnen Hilke Babbe und Sonja Bieber. Nach den Worten der beiden Verdi-Mitglieder ist in ihrem Umfeld eine große Streik-Bereitschaft zu spüren. Dies betreffe sowohl Erzieher und Sozialarbeiter als auch Beschäftigte in Behindertenwerkstätten.

 Die Arbeit der Erzieher beschränke sich nicht mehr auf Kinderbetreuung allein, argumentieren die Frauen. Auch Familien, Behinderte oder Flüchtlinge müssten individuell gefördert werden. „Wir wollen endlich Anerkennung für unsere Tätigkeit. Und zwar nicht nur durch Worte, sondern auch durch mehr Geld.“ Ein großes Problem sei die Teilzeitbeschäftigung. Nur 40 Prozent aller Erzieher deutschlandweit arbeiteten in Vollzeit. „Viele meiner Berufskolleginnen müssen einen Nebenjob annehmen, um über die Runden zu kommen“, sagte Bieber.

 Offen ist derzeit noch, wie ein unbefristeter Streik geführt werden könnte. Denkbar ist, dass die Arbeit durchgängig niedergelegt wird. Beim 13-wöchigen Arbeitskampf im Jahr 2009 wurde dagegen immer nur an einigen Tagen in der Woche gestreikt. „Erst einmal muss es zur Urabstimmung kommen“, erklärte Schieschefsky. Das entscheidet die Bundestarifkommission, die sich im Falle eines ergebnislosen Ausgangs der nächsten Verhandlungsrunde am 27. April zusammensetzen würde. Danach könnte es sehr schnell zu einer unbefristeten Arbeitsniederlegung kommen. „Das könnte Ende April, Anfang Mai passieren“, so Mahler.

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Warnstreiks
Foto: Kita-Mitarbeiter demonstrieren in Kiel hinter einem Transparent mit der Aufschrift "ErzieherInnen verdienen mehr. Für ein besseres Ego" für eine höhere Eingruppierung in der für ihre Löhne maßgeblichen Entgeldordnung.

Entschlossen und kämpferisch war die Stimmung unter den über 400 Demonstranten, die am Donnerstag in Kiel für eine bessere Bezahlung der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst auf die Straße gingen.

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