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Albig zwischen allen Stühlen

Demo gegen Windkraft Albig zwischen allen Stühlen

Der Kampf um den Ausbau der Windenergie wird ruppiger. Auf der ersten öffentlichen Planungsveranstaltung am Dienstagabend in Kiel verlangten Windkraftgegner von Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) einen generellen Baustopp.

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Gegenwind: Mehr als 200 Windkraftgegner protestieren vor dem RBZ Wirtschaft in Kiel gegen eine weitere „Verspargelung“ der Landschaft.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Windmüller forderten Albig dagegen eindringlich auf, „in die Puschen zu kommen“ und beantragte, Anlagen schnell zu genehmigen.

 Albig, der von Rotorengegnern mit Buhrufen im Regionalen Berufszentrum Wirtschaft empfangen wird, zeigt Flagge. Vor mehr als 500 Bürgern wirbt er beherzt für den Klimaschutz und für einen „rechtssicheren“ Ausbau der Windenergie. „Dabei hat der Schutz der Menschen größte Bedeutung.“ Einige der etwa 100 Windkraftkritiker pfeifen, andere lachen höhnisch. Die Mehrheit im Saal applaudiert. Albig leitet zum Thema des Abends über, erinnert daran, dass seine Landesplanung die neuen Regionalpläne zum Windausbau transparent aufstellen, die Bürger beteiligen wolle.

 Planungsfachmann Norbert Schlick wird konkret. In einem ersten Schritt haben die Landesplaner den Bau neuer Anlagen auf knapp 93 Prozent der Landesfläche aus Rücksicht auf Mensch und Natur bereits ausgeschlossen (wir berichteten). Die restlichen Flächen sollen nun bis Sommer anhand von 30 Abwägungskriterien wie etwa dem Denkmalschutz näher geprüft werden. Ziel ist, Windkraftlagen letztlich auf gut zwei Prozent der Landesfläche zuzulassen. Derzeit drehen sich auf bis zu 1,7 Prozent der Landesfläche mehr als 3200 Rotoren.

 Noch vor der Sommerpause sollen die drei neuen Regionalpläne mit dann genau abgegrenzten Wind-Vorranggebieten durchs Kabinett. Dann sind die Bürger am Zug. Sie können in einem umfangreichen Anhörungsverfahren, das im Frühherbst beginnen soll, ihre Einwendungen gegen die Regionalpläne geltend machen. Im Fall von Änderungen ist mindestens eine weitere Anhörungsrunde geplant. Folge: Die Regionalpläne dürften Bürgern und Windmüllern frühestens 2017 die Rechtssicherheit bringen, die es bis zum Inkasso der alten Pläne durch das OVG Schleswig Anfang 2015 gab.

 Die Landesgeschäftsführerin des Bundesverbandes Windenergie, Nicole Knudsen, macht aus ihrer Enttäuschung keinen Hehl. „Das ist alles viel zu zögerlich.“ Und: „Der Ministerpräsident muss auch mal Hintern in der Hose haben“ und müsse beantragte Windkraftanlagen fix genehmigen. Ansonsten lägen Investitionen brach. Die Bürgerinitiative Gegenwind, die bereits vor dem Berufszentrum mit 200 Anhängern gegen „den Wind-Wahn“ protestiert hatte, fordert von Albig das genaue Gegenteil. „Es darf solange keine neuen Anlagen geben, bis ein vernünftiges Energiewendekonzept vorliegt“, sagt Initiativen-Sprecherin Susanne Kirchhof. In der Bevölkerung wachse der Widerstand gegen die gesundheitsschädlichen Industrieanlagen. „Eine Akzeptanz ist nicht vorhanden.“

 Am Rande der Veranstaltung wird auch darüber gestritten, was aus dem geplanten Windpark in Kiel-Meimersdorf wird. Die Fläche steht wie 1700 andere Gebiete auf der Prüfliste der Landesplaner, könnte aber herausfallen, weil die fünf Rotoren teils in einem Landschaftsschutzgebiet ständen. Ob das ein K.O.-Kriterium ist, entscheidet die Landesplanung. Kiels Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) hält sich bedeckt. „Die neue Ausrichtung der Windenergieplanung auf Landesebene wird unsere Richtschnur für die weiteren Planungen sein.“ Der Sprecher der Windparkgegner, Mathias Werner, hofft auf einen Sinneswandel im Rathaus. „Ich bin zuversichtlich, dass die Politik in Kiel zur Vernunft kommt.“

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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