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Volksparteien laufen die Mitglieder weg

Demografischer Wandel Volksparteien laufen die Mitglieder weg

Bei den Volksparteien in Schleswig-Holstein nimmt der Mitgliederschwund dramatische Züge an. Die Landes-CDU verlor allein in den vergangenen zwei Jahren über 1700 Mitglieder (noch 20512), die SPD rund 1100 Genossen (noch 17394). Binnen 35 Jahren haben sich damit die Mitgliederzahlen der beiden größten Parteien halbiert.

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Das Durchschnittsalter der CDU-Mitglieder in Schleswig-Holstein liegt bei 59,9 Jahren. Ein ähnlich hohes Alter haben auch die SPD-Anhänger mit 61,5 Jahren.

Quelle: dpa

Kiel. Ein Ende des Negativtrends ist nicht in Sicht. Ein Grund dafür dürfte der demografische Wandel sein, der auch vor der Politik keinen Halt macht. Das Durchschnittsalter der CDU-Mitglieder in Schleswig-Holstein liegt bei 59,9 Jahren. Ein ähnlich hohes Alter haben auch die SPD-Anhänger mit 61,5 Jahren. Die Parteigänger sterben den Parteien im wahrsten Sinne des Wortes langsam weg. Gleichzeitig bleiben die großen Eintrittswellen, wie etwa unter Willy Brandt in den siebziger Jahren, aus.

 Doch das ist nicht die einzige Ursache für den Schwund. „Es ist eine allgemeine gesellschaftliche Entwicklung, dass sich viele Menschen nicht mehr längerfristig an Mitgliedschaften binden wollen“, erklärte der ehemalige CDU-Landesgeschäftsführer Sven Müller bereits Anfang des Jahres. Auch bei Feuerwehren oder Vereinen seien diese Tendenzen zu erkennen.

 Die SPD vermutet zudem einen Zusammenhang zwischen politischen Entscheidungen und der Bereitschaft zur Beteiligung. Die umstrittene Agenda 2010 oder die Große Koalition im Bund könnten zum Verdruss beigetragen haben, glaubt SPD-Sprecherin Mareike Overbeck.

Kommt die Trendwende?

 Beide Volksparteien bemühen sich um eine Trendwende. „Die SPD unternimmt in Schleswig-Holstein eine Reihe von Anstrengungen, die insbesondere unsere neuen Mitglieder, die Ortsvereine und unsere Profilierung betreffen“, berichtet Overbeck. Große Erfolge konnten dadurch noch nicht erzielt werden. Das hat auch Auswirkungen auf die Finanzen: Die SPD kassiert von ihren Mitgliedern schließlich zwischen 2,50 und 257 Euro pro Monat. Bei der CDU reichen die Beiträge von fünf bis 50 Euro und mehr.

 Vor einer noch größeren Herausforderung stehen die Parteien allerdings bei der Gestaltung der aktiven Politik. „Gerade in Schleswig-Holstein, wo es viele Gemeinden gibt, ist es heute nicht immer einfach, Menschen für die politische Arbeit im Ort zu finden“, sagt Overbeck.Vergleichsweise stabil zeigen sich da die Grünen in Schleswig-Holstein. Die Partei konnte ihre Mitgliederzahlen von 1990 bis 2014 von 1810 Mitgliedern auf 2224 erhöhen. Aktuell sind die Zahlen aber wieder etwas gesunken. Trotzdem ist die Landesvorsitzende der Grünen, Ruth Kastner, optimistisch: „Wir Grüne festigen unsere Mitgliederzahlen auf hohem Niveau.“

 Auch der SSW scheint vom Aderlass kaum betroffen zu sein. Im vergangenen Jahr gewann die Partei der dänischen Minderheit sogar neue Mitglieder dazu. Bei der FDP bietet sich ein ähnlich konstantes Bild mit rund 2000 Mitgliedern.

 Auf der Überholspur sind wie einst die Piraten die Rechtspopulisten. Bei der AfD sei die Mitgliederzahl in den vergangenen Monaten von 750 auf über 1000 gestiegen – ohne besondere Anstrengung, wie AfD-Landeschef Thomas Thomsen versichert: „Die meisten kommen von sich aus auf uns zu. Momentan sind es täglich sechs bis acht neue Mitgliederanfragen, die uns erreichen.“ Der anhaltende Mitgliedermangel betrifft die großen Parteien bundesweit.

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