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„Der echte Norden“ macht Karriere

Landes-Slogan „Der echte Norden“ macht Karriere

Eine Masterarbeit zeigt: Der umstrittene Marketing-Slogan des Landes Schleswig-Holstein, „der echte Norden“, funktioniert gerade wegen seiner Strittigkeit.

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Yannik Tönnemann (26) untersuchte in seiner Masterarbeit auch die Kampagne „Der echte Norden“. Sein Ergebnis: Das passt schon ziemlich gut.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Neulich besuchte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer ein Fest zum 70-jährigen Bestehen des Landes Niedersachsen, und sein Kollege Olaf Lies aus Hannover begrüßte ihn dort mit den Worten: „Willkommen im schönsten Norden!“ Meyer freute sich über die Anspielung. „Da ist die Kommunikation doch schon zuvor im Kopf gelaufen.“

 Seit 2013 wirbt Schleswig-Holstein mit dem Slogan „Der echte Norden“, und was anfangs auch zwischen Wedel und Flensburg höchst umstritten war („viel zu arrogant“, „viel zu zu polarisierend“), scheint inzwischen zum Erfolg zu werden. Das belegt jedenfalls die Abschlussarbeit des Master-Studenten Yannik Tönnemann von der Christian-Albrechts-Universität Kiel.

500 Entscheider wurden angefragt

 Der 26-jährige Betriebswirt hatte bundesweit mehr als 500 Entscheider aus Wirtschaft und Politik um ihre Bewertung von acht Länder-Slogans gebeten, und 227 hatten geantwortet. „Der Slogan ’Der echte Norden’ wird von Schleswig-Holsteinern und Personen aus anderen Bundesländern als authentisch wahrgenommen“, stellte Tönnemann fest. In diesem Punkt landete Schleswig-Holstein auf Platz zwei hinter Baden-Württemberg und noch vor dem Saarland.

In Sachen Originalität kam der echte Norden hinter den beiden genannten Ländern auf Platz drei. Gesamtsieger Baden-Württemberg brüstet sich mit „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“, das Saarland punktet mit dem Slogan „Großes entsteht immer im Kleinen“. Im Mittelfeld landeten „An Hessen führt kein Weg vorbei“, „Sachsen-Anhalt. Wir stehen früher auf“ und Rheinland-Pfalz mit dem doppeldeutigen „Wir machen’s einfach“. Am unteren Ende rangieren Mecklenburg-Vorpommern mit „MV tut gut“ und „Bremen erleben“. Viel zu beliebig, urteilten die Befragten.

Menschen identifizieren sich mit Slogan

 Nicht untersucht wurde „Niedersachsen. Immer eine gute Idee“. Hamburg reicht es, „Tor zur Welt“ zu sein. Einen Spruch hat der Hanseat wohl nicht nötig. „Das schönste Plakat in Hannover oder München nützt nichts, wenn die eigene Bevölkerung nicht dahinter steht“, betonte Minister Meyer. Umso erfreuter sei er, dass sich offenbar ein Großteil der Menschen hierzulande mit dem „echten Norden“ identifizieren kann. „Das ging schneller als gedacht.“

 BWL-Professor Stefan Hoffmann sagte, dass weitere Maßnahmen erforderlich seien, um den Slogan mit Leben zu füllen. Die „Glückspunkte“ der Landestourismusagentur gehörten dazu – und sogenannte Guerilla-Aktionen, die auf den Überrumpelungseffekt setzen. Wer auf Mallorca aus dem Flieger steigt, könnte dieses Plakat entdecken: „Schön hier! Aber waren Sie schon mal im echten Norden?“

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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