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Knallharter Konkurrent: Kollege Computer

Digitalisierung Knallharter Konkurrent: Kollege Computer

Die Digitalisierung der Arbeitswelt gefährdet in Schleswig-Holstein langfristig mehr als 100.000 Jobs. Das geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Nord der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor.

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So visualisierte die Hannover Messe in diesem Jahr den Wandel zur Arbeit 4.0, der bereits in vollem Gange ist. Viele Aufgaben, die heute Menschen übernehmen, können auch durch Computer oder computergestützte Systeme erledigt werden.

Quelle: dpa

Kiel. Demnach könnten zwölf Prozent der gut 900.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze im Norden durch PCs oder computergestützte Systeme wegfallen. Betroffen ist insbesondere das verarbeitende Gewerbe, aber auch der Einzelhandel.

 „Der digitale Strukturwandel ist in vollem Gange“, sagte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD). „Wir wissen, dass vor allem der Bedarf an geringer qualifizierten Tätigkeiten abnehmen wird.“ Der Wandel zur Arbeit 4.0 vernichte aber nicht nur Arbeitsplätze, sondern schaffe auch neue Jobs. „Die Weiterbildung wird zum Mega-Thema der nächsten Jahre“, ergänzte die Leiterin der Nord-BA, Margit Haupt-Koopmann. „Wichtig ist, dass keiner zum Verlierer des Strukturwandels wird.“

 Dieser Wandel trifft Schleswig-Holstein weniger hart als andere Bundesländer – wie etwa das Saarland. Dort ist jeder fünfte Arbeitsplatz (20,4 Prozent) bedroht. Im Bundesschnitt steht hinter 15 Prozent der Jobs ein Fragezeichen, wobei es in Norddeutschland besser aussieht. Haupt-Koopmann erklärte das mit der besonderen Wirtschaftsstruktur. In Schleswig-Holstein etwa gibt es nur wenige größere Produktionsunternehmen, in denen Mitarbeiter sich leichter durch moderne Technik ersetzen lassen.

 Auffällig sind die regionalen Unterschiede im Land: Die größten Jobeinbußen drohen in Flensburg (15 Prozent) mit Werft und Fahrzeugbau sowie im Umland Hamburgs mit seinem verarbeitenden Gewerbe. Deutlich dahinter liegen Kiel (10,1), Rendsburg-Eckernförde (10,7), Plön (10,9) und Neumünster (11,1), am sichersten sind die Arbeitsplätze in Nordfriesland (8.8). Grund: Im Nordwesten haben Tourismus, Gesundheitswesen und Dienstleistungsbranche ein besonderes Gewicht. In diesen Sparten, etwa in Hotels und Gaststätten, sind Menschen für das Kerngeschäft unerlässlich.

Maschinenbau und Betriebstechnik stark betroffen

 Ganz oben auf der Liste der am stärksten betroffenen Berufe stehen die Facharbeiter im Maschinenbau und in der Betriebstechnik. Vergleichsweise einfach durch High-Tech ersetzbar sind laut BA auch einige „Spezialisten“, etwa Steuerberater und Buchhalter. Ihre Kerntätigkeiten könnten nach der Studien-Theorie zu 70 Prozent oder mehr PCs übernehmen. Nur etwas besser schneiden Verkäuferinnen ab. Von ihren sechs Haupttätigkeiten ließen sich vier auch von Maschinen erledigen (Warenauszeichnung, Abrechnung, Kassieren, Verpacken). „Nur die Kundenberatung und der Verkauf sind interaktive, durch Computer nur schlecht ersetzbare Tätigkeiten“, heißt es in der Studie.

 Haupt-Koopmann machte denn auch deutlich, dass die Digitalisierung nicht von heute auf morgen in voller Härte durchschlagen wird und auch sonst kein Selbstgänger ist. So gebe es etwa die ethische Frage, wie weit Maschinen die Pflege kranker Menschen übernehmen sollten. Zudem rechne sich der Einsatz modernster Technik vielfach nicht. Offen lässt die Studie, wie viele neue Arbeitsplätze die Digitalisierung bringt, etwa im Online-Handel.

 Die Unternehmensverbände (UV) Nord reagierten gelassen. „Die Unternehmen und die Arbeitnehmer müssen sich auf Veränderungen einstellen und mit dem Wandel gehen“, sagte UV-Nord-Sprecher Sebastian Schulze. Grund zur „Panik“ gebe es nicht. Die Digitalisierung werde auch neue Jobs bringen.

 Wie die Unternehmensverbände wiesen auch die Gewerkschaften auf die wachsende Bedeutung der Weiterbildung hin. „Die digitalen Herausforderungen und Trends auf dem Arbeitsmarkt können nur gemeistert werden, wenn Beschäftigte umfassend qualifiziert werden“, sagte DGB-Nord-Chef Uwe Polkaehn. Seine Forderung: „Wir erwarten eine Weiterbildungsoffensive der Arbeitgeber im Norden, denn nur so können sie Fachkräfte und Spezialisten hier in der Region halten.“

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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