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Viele Turbo-Schüler sind gescheitert

Doppelter Abi-Jahrgang Viele Turbo-Schüler sind gescheitert

Schleswig-Holstein ist auf den doppelten Abitur-Jahrgang gut vorbereitet - doch die Zahl der Absolventen im Sommer 2016 ist deutlich geringer als erwartet. Politik, Hochschulen und Wirtschaft rechnen deshalb damit, dass sie alle Abiturienten ohne größeres Chaos unterbringen können.

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Das Land Schleswig-Holstein ist gerüstet für den doppelten Abitur-Jahrgang.

Quelle: Armin Weigl/dpa

Kiel. Schleswig-Holstein rüstet sich für den doppelten Abi-Jahrgang. Politik, Hochschulen und Wirtschaft zeigten sich in einer Umfrage der Kieler Nachrichten optimistisch, dass sie die Rekordzahl von Abiturienten durch mehr Studien- und Ausbildungsplätze ohne größeres Chaos unterbringen können. Die Zuversicht erklärt sich auch daraus, dass der „doppelte“ Jahrgang deutlich kleiner ausfällt als erwartet. Er liegt nach den jüngsten Zahlen des Schulministeriums nur 50 Prozent über dem Jahrgang 2015.

 Hauptgrund ist die geringe Erfolgsquote beim Turbo-Abi. Von den mehr als 11200 Schülern, die im Sommer 2008 an die neuen G8-Gymnasien wechselten, dürften nur 6400 in diesem Sommer ihr Abi machen – das sind lediglich 57 Prozent. Das Ministerium erklärt den hohen Aderlass mit Startproblemen beim Abi in nur acht Jahren. Inzwischen, so der Trend, nähere sich die Ausfallquote dem alten G9-Durchschnitt an. Beim neunjährigen Besuch eines Gymnasium mussten rund 30 Prozent der Schüler eine Klasse wiederholen oder ihren Weg zum Abi ganz abbrechen. Der krasse Unterschied zwischen dem letzten G9- und dem ersten G8-Jahrgang, die im Sommer gemeinsam Abi machen, spiegelt sich in der Ministeriumsprognose wider. Demnach sind unter den insgesamt 19300 Abiturienten rund 8200 G9- und nur 6400 G8-Schüler. Die Beruflichen Gymnasien steuern weitere 3000 Abiturienten bei, die Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe nochmals 1700.

 „Schleswig-Holstein ist auf den doppelten Jahrgang gut vorbereitet“, betont Wissenschafts-Staatssekretär Rolf Fischer (SPD). Das gelte auch für die Hochschulen. Sie hatten nach Protesten mehr Landesmittel für zusätzliche Dozenten und Studienplätze erhalten, weil die Zahl der Studienanfänger nach einer Prognose der Kultusministerkonferenz um knapp 2000 steigen soll. „Jede Hochschule hat sich individuell auf mögliche Herausforderungen eingestellt“, berichtet der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz, Flensburgs Uni-Präsident Prof. Werner Reinhart. Er rechnet an der Europa-Uni mit 360 zusätzlichen Erstsemestern und will zwei neue Studiengänge einrichten.

 Die Kieler Christian-Albrechts-Universität, die mit Abstand größte Hochschule des Landes, erwartet 750 zusätzliche Erstsemester und will ihre 185 Studiengänge aufstocken. Je Fach sind zehn bis 20 Prozent mehr Studienplätze geplant. Die CAU hat zudem für vier Fächer Zulassungsbeschränkungen beantragt, darunter Sport- und Geowissenschaften. Uni-Präsident Lutz Kipp empfiehlt gleichwohl „allen Studieninteressierten, sich zunächst für ihr Wunschfach“ zu bewerben. „Die Chancen sind oft besser, als man denkt.“

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