18 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Jedem zehnten Milchbauern droht das Aus

Habeck warnt Jedem zehnten Milchbauern droht das Aus

Viele Bauern sind nach Angaben von Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) in Existenznot. Im Milchsektor sei angesichts des katastrophal niedrigen Milchpreises im laufenden Wirtschaftsjahr 2015/16 noch einmal mit einem Höfesterben von bis zu zehn Prozent zu rechnen, sagte Habeck.

Voriger Artikel
CDU-Kandidat Liebing kündigt mehr Bildungsinvestitionen an
Nächster Artikel
NDR: Polizei-Ausbilder trotz sexuellen Übergriffs befördert

Robert Habeck (Grüne), Landwirtschaftsminister von Schleswig Holstein: Landwirten müsse als Alternative zum internationalen Wettbewerb ein Markt für Umweltdienstleistungen mit entsprechenden Förderungen geschaffen werden.

Quelle: Markus Scholz/dpa (Archiv)

Kiel. Die Krise in der Landwirtschaft nimmt immer dramatischere Ausmaße an: Wegen des „katastrophal niedrigen Milchpreises“ sei im laufenden Wirtschaftsjahr mit einem Höfesterben von bis zu zehn Prozent zu rechnen, sagte Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am Dienstag – zwei Tage vor der Eröffnung der Landwirtschafts- und Verbrauchermesse Norla in Rendsburg.

Habeck machte dabei erneut die Agrarpolitik der EU und der Bundesregierung als Schuldigen aus: „Wir brauchen viele Bauern, nicht wenige Großbetriebe.“ Die Strategie des immer mehr und immer billiger Produzierens sei angesichts der geänderten globalen Rahmenbedingungen ein Irrweg. Widerspruch kommt vom schleswig-holsteinischen Bauernverband: „Zwar drückt die Überproduktion derzeit noch auf die Preise, aber das wird sich abbremsen“, sagte Generalsekretär Stephan Gersteuer. Spätestens 2017 würden die in Aussicht gestellten Liquiditätshilfen von Bund und EU bei den Landwirten ankommen: „Das Licht am Ende des Tunnels wird wieder kräftiger.“

Keinesfalls wollten die Landwirte zurück in staatlich gestützte Systeme, sondern in freier Marktwirtschaft produzieren. „Wir müssen deshalb auch mit den Nachteilen der Märkte leben“, betonte Gersteuer. Landwirte seien zudem Unternehmer, die nach jedem Wirtschaftsjahr, nach jeder eingefahrenen Ernte wieder nach vorne schauen würden. Dies zeige auch der starke Zuspruch der Aussteller bei der viertägigen Norla, zu deren 67. Auflage ab Donnerstag erneut 70000 Besucher erwartet werden.

Zwischen „Wut und Resignation“ schwanke derzeit die Stimmung der Milchbauern, sagte Kirsten Wosnitza. Die Landessprecherin des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) glaubt, dass sich die Krise auch auf das Kaufinteresse auf der Norla auswirken werde. „Wir wollen uns als Verband mit der Situation nicht abfinden. Unter dem Motto Zukunft statt Ausstieg wollen wir auf der Norla über Lösungsstrategien diskutieren“, sagte Wosnitza. Statt immer neuer Finanzhilfen müssten tragfähige Konzepte auf europäischer Ebene her, damit marktwirtschaftliche Prinzipien auch auf dem Milchmarkt wirken könnten.

Einen anderen Ansatz verfolgt Minister Habeck: Landwirten müsse als Alternative zum internationalen Wettbewerb ein Markt für Umweltdienstleistungen mit entsprechenden Förderungen geschaffen werden. Die Bauern seien wichtig für die Pflege der Kulturlandschaft und für die Identität des ländlichen Raums. „Die Landwirtschaft hat mehr zu tun als Kalorien zu produzieren.“ Dazu seien bereits viele kleine positive Schritte gelungen – etwa beim Knickschutz, beim Vertragsnaturschutz, der Förderung von artgerechten Ställen, der Förderung des Ökolandbaus oder mit der Allianz für Gewässerschutz.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie Frau
Marion N.-Neurode

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Aktuelle Nachrichten: Politik 2/3