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Stegner und Kubicki: Hart, aber herzlich

Dreikönigstreffen Stegner und Kubicki: Hart, aber herzlich

Die sozialliberalen Zeiten seien nicht die schlechtesten gewesen, warb SPD-Landeschef Ralf Stegner zu Jahresbeginn in ungewohntem Ton um die Gunst der FDP. Für die Landtagswahl 2017 gebe es deshalb „überhaupt keine Ausschließeritis“. Die Antwort von FDP-Vormann Wolfgang Kubicki, Stegner selbst sei hinderlich für eine sozialliberale Landesregierung, fiel da weniger schmeichelhaft aus.

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Werden diese beiden doch noch Partner? SPD-Fraktions- und Landeschef Ralf Stegner kann sich eine Koaltion mit den Liberalen durchaus vorstellen. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Kubicki sieht da aber ein Problem. Und das heißt Stegner.

Quelle: Lutz Roeßler

Ratzeburg. Beim traditionellen Dreikönigstreffen der FDP im Kreis Herzogtum Lauenburg trafen die beiden Stichel-Könige ihrer Parteien aufeinander. Alle Gelegenheit also, persönliche Animositäten zu vertiefen oder sich gegenseitig Nettigkeiten zu sagen. Und ja, „sie haben geliefert“, bilanzierte Gastgeber Christopher Vogt, lauenburgischer FDP-Kreischef, nach gut einstündigem Schlagabtausch.

 Kubicki will eine sozialliberale Koalition, ob in Berlin oder Kiel, grundsätzlich nicht ausschließen. „Ich kenne aber Sozialdemokraten, die mir näher sind als Ralf Stegner.“ Ob es für eine Partnerschaft numerisch reiche, sei mehr als ungewiss, kontert Stegner. „25 plus 7 ergibt keine Regierungsmehrheit.“ Worauf Kubicki anzweifelt, dass die SPD je 25 Prozent erreicht.

 „Wenn ich mir den Landtag angucke, stehen wir uns in gesellschaftspolitischen Fragen näher als der CDU“, sagt Stegner. Auch wenn der Herr Kubicki „relativ wenig Regierungserfahrung“ habe. „Aber jeder hat eine zweite Chance verdient, Herr Kollege.“ Er wünsche sich lieber mehr FDP im Parlament „als irgendwelche Idioten“, sagt der SPD-Landeschef. Liberale, „die auch Sinn fürs Soziale haben, werden in Deutschland sehr wohl gebraucht“. Das klingt nach Schmusekurs. Stegner hatte jüngst erklärt, die FDP komme als Partner eher in Frage als eine Linkspartei, die die Sozialdemokratie zur Hauptgegnerin ausgerufen hat.

 Was ist mit gegenseitigen Ressentiments? Er schätze an Stegner dessen professionelle Art, mit Dingen umzugehen, sagt Kubicki. „Damit hat sich’s aber schon.“ Dass Stegner ihm bisweilen in der Zahl seiner Talkshow-Auftritte den Rang ablaufe, dass der Sozi seine Sache verdammt gut mache, sehe man doch an den 22,5 Prozent, auf die die SPD laut Meinungsumfragen komme, stichelt der FDP-Fraktionschef. „Wettkampfsport, das kann er“, lobt wiederum Stegner sein Pendant. „Kubicki wettet gern, verliert fast immer, zahlt aber pünktlich.“ Wie sich herausstellt, ist Stegner bislang 4:1-Sieger bei den Wetten der beiden Vizes ihrer Bundesparteien. Was Kubicki zum Nachschlag veranlasst: „Ich habe viermal eine Flasche Wein verloren und einmal ein Essen gewonnen. Materiell bin ich auf der Gewinnerseite.“ Die Scharmützel machen nicht einmal vorm Wasser auf den Stehpulten der beiden halt. Kubicki gibt zu Protokoll: „Ich konnte Stegner das Wasser reichen und habe ihm einen eingeschenkt.“ Sein eigenes leeres Wasserglas von Stegner auffüllen zu lassen, schlägt er dankend aus. „Ich geh doch nicht bei Ihnen betteln“, sagt Kubicki.

 Ernst wird der Ton, als die Übergriffe von Köln und Hamburg zur Sprache kommen. Kubicki und Stegner liegen nur Nuancen auseinander. Beide sind sich einig, dass der Rechtsstaat keine Schwäche zeigen darf. „Unabhängig von Herkunft, Hautfarbe und Religion der Täter.“

Von Curd Tönnemann

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Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)

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