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Die Landespolizei spricht von Erfolgen

Einbruchszahlen-Wirrwarr Die Landespolizei spricht von Erfolgen

Das Statistik-Wirrwarr um die Einbruchszahlen der Landespolizei hat ein parlamentarisches Nachspiel: Die CDU will Innenminister Stefan Studt (SPD) im Innen- und Rechtsausschuss des Landtages am Mittwoch befragen. Die Führung der Landespolizei wehrt sich gegen Vorwürfe.

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Sie gingen in die Offensive: Ralf Höhs, Leiter der Landespolizei (rechts) und Thorsten Kramer, Leiter des Landeskriminalamtes, erklärten am Montag auf einer Pressekonferenz die unterschiedlichen Statistiken.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. „Wir täuschen nicht, wir manipulieren nicht – und der Minister hat mit all dem nichts zu tun, das sind allein unsere Zahlen“, sagte Landespolizeidirektor Ralf Höhs. Auslöser der Diskussion ist ein Bericht der Kieler Nachrichten. Vor zwei Wochen hatte die Landespolizei erklärt, in den ersten fünf Monaten dieses Jahres sei die Zahl der Einbrüche gegenüber 2015 um rund zehn Prozent gesunken. Diese Entwicklung hatte das Landespolizeiamt am Freitag vergangener Woche noch einmal bestätigt, und auch am Montag betonte die Führung der Landespolizei, die Entwicklung sei positiv.

Fragen wirft aber weiterhin ein Erlass auf, der unserer Zeitung vorliegt und in dem von einem entgegengesetzten Trend die Rede ist. In dem auf den 10. Juni 2016 datierten „Präventionsrahmenkonzept zur Bekämpfung des Wohnungseinbruchsdiebstahls als Bestandteil des Landeskonzeptes Wohnungseinbruchsdiebstahl“ heißt es wörtlich: „Der erneute Anstieg der Wohnungseinbruchsdiebstähle und die weiterhin sinkende Aufklärungsquote erfordern seitens der Landespolizei Schleswig-Holstein neben den täterorientierten Einsatzkonzepten auch verstärkte Präventionsmaßnahmen.“ Unter der Überschrift „Ausgangslage“ werden Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2014 und 2015 genannt. „Dieser Trend setzt sich auch im Jahr 2016 fort“, heißt es in dem Konzept (siehe Ausriss). Die Zahl der versuchten Einbrüche sei von 3335 auf 3485 gestiegen, was eine Steigerung von 4,5 Prozent bedeute.

Konzept mit offenbar alten Zahlen dennoch verteilt

Landespolizeidirektor Ralf Höhs und LKA-Chef Thorsten Kramer betonten am Montag, die genannten Zahlen der versuchten Wohnungseinbrüche stammten aus den Jahren 2015 und 2014. Höhs und Kramer beharrten darauf, dass sich „keine Trends für 2016“ ablesen lassen würden. Auf die Frage, weshalb in dem Erlass sehr deutlich ein Trend formuliert ist, erklärte die Landespolizei, dass das Papier „wohl bereits im Februar oder März verfasst worden ist, als die Entwicklung noch schlechter war“, so LKA-Direktor Kramer. Warum das Konzept trotzdem in dieser Form noch im Juni landesweit an die Polizeidirektionen verteilt worden war, blieb offen.

Nach Einschätzung von Höhs ist das Konzept der Polizei zur Vorbeugung von Einbrüchen „ziemlich erfolgreich“. Die Polizei habe in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 2868 Fälle von Wohnungseinbrüchen aufgenommen und damit rund 300 weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum. Im Mai habe es mit 333 Taten die niedrigste Zahl der letzten fünf Jahre in diesem Monat gegeben, sagte Kramer. Es handele sich allerdings um vorläufige Zahlen. Tatsächlich gibt es eine zweite interne Statistik, die auf dem Erstellungsdatum von Strafanzeigen basiert. Nach dieser wurden im Mai 423 Einbrüche registriert – zum Vergleich: In den Jahren 2013 (380 Fälle) und 2014 (365) waren deutlich weniger Verfahren aktenkundig geworden, 2015 wurden 532 Fälle gezählt.

Auch versuchte Wohnungseinbrüche tauchen nach Aussage von Torge Stelck vom Landespolizeiamt in polizeilichen Statistiken auf, da auch ein versuchter Einbruch eine Straftat sei. „Aus Sicht der Präventionsabteilung wird ganz intensiv auf die Anzahl der Versuche geschaut, da daraus unter Umständen Rückschlüsse zum Beispiel auf den Grad der technischen Sicherung von Wohneigentum gezogen werden können“, so Stelck. Die sogenannten Versuchsfälle werden laut Polizei aber separat erfasst und fließen nicht in die Zahl der Wohnungseinbrüche ein.

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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