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Habeck will langsameren Windkraft-Ausbau

Energie Habeck will langsameren Windkraft-Ausbau

Ein Grüner gegen Windkraft? Nein, versichert Umweltminister Robert Habeck. Doch der Ausbau des neuen Energieträgers müsse langsamer und verträglicher erfolgen, fordert er. Gelobt wird er für diese Pläne von der CDU.

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Mit seiner Windkraft-Bremse wurde er sogar von der Opposition gelobt: Energiewendeminister Robert Habeck (Bündnis90/Die Grünen).

Quelle: Carsten Rehder/dpa (Archivbild)

Kiel. Energieminister Robert Habeck (Grüne) will den geplanten Ausbau der Windkraft in Schleswig-Holstein um zehn Jahre strecken. „Ich bin dafür, Tempo rauszunehmen“, sagte der Grünen-Politiker im Interview mit dem schleswig-holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z/Freitag). Im Netzwerk Instagram schrieb Habeck zudem am Freitag mit Blick auf den Ausbau der erneuerbaren Energien: Deutschland investiere in Solar, „wenn es teuer ist, danach lassen wir es. Das soll jetzt auch mit Wind passieren? Aus Rücksicht auf Kohle?“


Bisher war das Ziel, dass Schleswig-Holstein bis zum Jahr 2020 drei Mal mehr Strom aus alternativen Energien produziert, als es selbst verbraucht (300-Prozent-Ziel). Habeck möchte die Erreichung dieses Ziels jetzt bis 2030 schieben. „Das gibt uns die Chance, die Energiewende kontinuierlich und als gesamtgesellschaftliches Projekt voranzubringen“, sagte er den Blättern der sh:z-Gruppe.

Trotz der nun geplanten Drosselung des Windkraft-Ausbaus hält Habeck demnach am Ziel fest, „bis spätestens Mitte des Jahrhunderts CO2-frei zu sein“. So könnten die Interessen vom Klima- und Artenschutz bis hin zum Schutz des Wohnumfeldes besser austariert werden. Denn, so räumt der Minister in dem Interview ein: „Die Energiewende ist ein enormer Veränderungsprozess, und ich habe als Energiewendeminister von Anfang gesagt, dass sich die Heimat verändern wird.“

Gleichzeitig wirbt der Minister in dem Gespräch für Akzeptanz bei der Umstellung auf erneuerbare Energien: „Ein Atomkraftwerk konnte man noch mit Polizeischutz durchsetzen. Wenn wir jedes Windrad mit einer Polizeihundertschaft schützen müssen, dann geht es nicht mehr“, sagte er. „Wir sind darauf angewiesen, dass die Leute es mittragen.“ Doch er nehme eine große Unruhe bei Naturschützern und Bürgern zum Thema wahr, hieß es. Seit einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Schleswig, welches die bisherigen Windkraftflächen gekippt habe, gebe es „eine große Unklarheit, was in welchem Tempo wann wo passiert oder passieren könnte“, sagte er dem sh:z.

Ziel sei nicht mehr erreichbar

Doch selbst wenn die Planung funktioniert, sei das 300-Prozent-Ziel bis 2020 gar nicht zu erreichen, heißt es in dem Interview. Dafür müssten deutlich mehr Anlagen als in den vergangenen Jahren hinzukommen, argumentierte Robert Habeck: „Ich sage ganz offen: Das schaffen wir nicht, und ich halte das auch nicht für klug. Wir wollen nicht Energiewende mit der Planierraupe betreiben.“

Die Opposition lobte Habecks Energiewende-Bremse. Der Bundestagsabgeordnete und Landeschef der CDU, Ingbert Liebing, teilte mit: „Mehr Realismus tut der Energiewende gut.“ Es sei falsch, so schnell wie möglich so viel wie möglich Strom aus erneuerbaren Energien zu erzwingen. „Bei der Energiewende geht es um nicht weniger als den Umbau des gesamten deutschen Energieversorgungssystems.“

Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kieler Landtag, Daniel Günther, forderte Ministerpräsident Torsten Albig auf, die „Zielkorrektur unverzüglich umzusetzen“. Mit Blick auf die Ablehnung von Windkraft teilte er mit: „Endlich scheint zumindest ein Teil der Landesregierung die gekippte Stimmung in der Bevölkerung zur Kenntnis zu nehmen.“ Der energiepolitische Sprecher der FDP, Oliver Kumbartzky, teilte mit: „Nicht die Geschwindigkeit, sondern die Art der Umsetzung ist das Hauptproblem.“ Seine Partei fordere Abstandsregeln, die Größe und Höhe der Anlagen berücksichtigten.

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Runderlass
Foto:  CDU-Fraktionschef Daniel Günther warf Grünen, SPD und SSW vor, den Menschen Schauergeschichten vom drohenden Ende der Energiewende zu erzählen.

Die Staatskanzlei hat auf ihrer Homepage im Internet einen neuen Runderlass zum Thema Windenergie mit harten und weichen Tabukriterien veröffentlicht und damit die Opposition auf den Plan gerufen.

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