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Ex-Bewohnerin bestätigt Vorwürfe gegen Camp „Nanna“

Friesenhof-Ausschuss Ex-Bewohnerin bestätigt Vorwürfe gegen Camp „Nanna“

Eine ehemalige Bewohnerin des vor einem Jahr von der Heimaufsicht geschlossenen Friesenhof-Mädchencamps „Nanna“ hat von anderen Ex-Bewohnerinnen und früheren Mitarbeitern erhobene Vorwürfe wie etwa Strafsport und „Filzen“ bestätigt.

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Eine ehemalige Bewohnerin des vor einem Jahr von der Heimaufsicht geschlossenen Friesenhof-Mädchencamps „Nanna“ hat von anderen Ex-Bewohnerinnen und früheren Mitarbeitern erhobene Vorwürfe wie etwa Strafsport und „Filzen“ bestätigt.

Quelle: Carsten Rehder (Archiv)

Kiel. „Jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin des Sozialministeriums hätte schon bei der Einreichung der Konzepte 2008 oder 2009 oder 2012 vermuten können, dass sich hinter den Begriffen wie ’besondere Maßnahmen’ Praktiken mit Zwangs- oder Strafcharakter verbergen können.“ Zu diesem Schluss kommt ein Expertengutachten, das der Parlamentarische Untersuchungsausschuss (PUA) zur Dithmarscher Kinder- und Jugendheimeinrichtung Friesenhof in Auftrag gegeben hat. Am Montag wurden daraus erste Ergebnisse veröffentlicht. „Man hätte nachfragen müssen, was genau mit ’besonderen Maßnahmen’ gemeint ist“, konstatiert Mathias Schwabe, Professor an der Evangelischen Fachhochschule für Sozialarbeit und -pädagogik in Berlin.

Eine ehemalige Bewohnerin des Mädchencamps „Nanna“ im Friesenhof bestätigte am Montag, dass bei Regelverstößen Strafsport und stundenlanges Aussitzen angeordnet wurden. Auch habe sie bei der Aufnahme ihre Kleidung ablegen müssen, sagte die 18-Jährige. Alle persönlichen Dinge wie Handy, Tagebuch und Kuscheltiere seien ihr abgenommen worden. Die Regeln seien ihr nicht erklärt worden. „Man konnte eigentlich nichts anderes als Fehler machen.“

Ein heute 31-Jähriger hatte 2002 bis 2008 in Häusern des Friesenhofs gelebt, wo bis dahin auch Jungen untergebracht waren. Aufgrund des häufigen Personalwechsels habe er es irgendwann aufgegeben, zu den Erwachsenen eine Beziehung aufzubauen. Sein schwerster Vorwurf: In jeder Einrichtung sei er bei den Hilfeplan-Gesprächen bewusst schlechter beurteilt worden, als es der Realität entsprach – „damit ich dort bleiben durfte“. PUA-Obmann Wolfgang Dudda (Piraten) sprach von Menschenhandel. „Jugendliche wurden in hilfloser Lage ausgenutzt. Man gaukelte ihnen vor, die Quasi-Familie zu sein, obwohl man nichts für sie tat und mit ihnen nur Geld verdienen wollte. Gibt es Schäbigeres?“

Beim Gutachter Schwabe stellte sich beim Lesen der Konzepte „mehr und mehr“ der Eindruck ein, dass es „bezogen auf die hoch riskant agierende Zielgruppe zu einer unheilvollen Allianz zwischen dem Friesenhof und belegenden Jugendämtern“ kam. CDU-Obfrau Katja Rathje-Hoffmann: „Wäre die Heimaufsicht den leeren Versprechungen des Friesenhofs doch nur nachgegangen. Dann wäre den Mädchen viel Leid erspart worden.“

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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