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FDP: Krankenhäuser brauchen dringend Dolmetscher

Flüchtlinge FDP: Krankenhäuser brauchen dringend Dolmetscher

Flüchtlinge sollen in Schleswig-Holsteins Krankenhäusern nicht verantwortungsvoll genug behandelt werden, weil es an Dolmetschern fehlt. Die FDP und die Krankenhausgesellschaft fordern umgehend Abhilfe durch die Landesregierung.

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Besonders prekär ist die Situation nach Einschätzung der FDP in Neumünster am Friedrich-Ebert-Krankenhaus, das nahe der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes liegt.

Quelle: Karsten Leng

Kiel. Zur Behandlung von kranken Asylbewerbern brauchen Schleswig-Holsteins Krankenhäuser dringend Übersetzer. „Es fehlt überall an Dolmetschern, besonders nachts und an den Wochenenden“, kritisierte der frühere Gesundheitsminister, FDP-Landeschef Heiner Garg am Dienstag in Kiel. Die Landesregierung müsse genügend Dolmetscherkapazitäten sicherstellen.

Die Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein unterstützte Gargs Forderung. Sie rechnet damit, dass sich das Problem angesichts gestiegener und weiter wachsender Flüchtlingszahlen verschärfen wird. Insbesondere für die Notaufnahmen müssten Übersetzer schnell bereitgehalten werden, sagte Patrick Reimund, Referent der Krankenhausgesellschaft der Deutschen Presse-Agentur.

Besonders prekär ist laut Garg die Situation in Neumünster am Friedrich-Ebert-Krankenhaus, das nahe der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes für Asylbewerber liegt. Der Geschäftsführer des Krankenhauses, Alfred von Dollen, bestätigte am Dienstag die Problematik: „Wie soll ein Arzt eine Anamnese machen und eine verantwortungsvolle Therapie einleiten, wenn er den Flüchtling nicht versteht?“ Oft kämen auch kranke Flüchtlinge, deren Infektionsstatus nicht bekannt sei. Die Zahl der Flüchtlinge, die nachts oder an Wochenenden — teils sogar in Gruppen — kämen, sei deutlich gestiegen.

Eine Möglichkeit sei, Dolmetscher direkt in Notaufnahmen mitlaufen zu lassen. Es könnte aber auch ein rund um die Uhr erreichbarer Video-Übersetzerdienst in Österreich übers Internet genutzt werden. Dieser Dienst werde pro Minute bezahlt. In einem Halbjahr würden allein für das Friedrich-Ebert-Krankenhaus hochgerechnet etwa 32 000 Euro Kosten anfallen, sagte Dollen. Auf einen vor etwa zwei Wochen gestellten entsprechenden Antrag zur Kostenübernahme habe das Landesamt für Ausländerangelegenheiten in Neumünster noch nicht reagiert.

Die Behandlungskosten von Flüchtlingen werden zwar laut Reimund den Krankenhäusern nach den üblichen Tarifen erstattet, nicht aber der zusätzliche Zeitaufwand oder die Inanspruchnahme von Dolmetschern. Eine solch prekäre Situation wie in Neumünster ist nach Einschätzung Reimunds zwar noch nicht in vielen schleswig-holsteinischen Krankenhäusern gegeben, aber die Lage werde sich mit der Verteilung der Flüchtlinge im Norden auch anderorts zuspitzen.

„Flüchtlingsgipfel zu zelebrieren ist das eine, den großen Ankündigungen endlich Taten folgen zu lassen ist das, was Flüchtlinge, Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegerinnen und Pfleger endlich brauchen“, sagte Garg. Wenn die Landesregierung von Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hier nicht sofort handle, setze sie fahrlässig zumindest die Gesundheit der hilfesuchenden Menschen aufs Spiel.

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