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Kubicki führt die Liberalen in die Landtagswahl

FDP Kubicki führt die Liberalen in die Landtagswahl

Der Star der Nord-FDP, Wolfgang Kubicki, hat sich selbst übertroffen. Der Fraktionschef erhält bei der Wahl zum Spitzenkandidaten auf einem Listen-Parteitag am Wochenende in Neumünster 99 Prozent und damit sein bislang bestes Ergebnis seit 1992.

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Von 200 Delegierten stimmten 198 für Kubicki (Mitte).

Quelle: Frank Molter

Neumünster. In einem Interview mit den Kieler Nachrichten gibt Kubicki bekannt, dass die FDP nach der Wahl im Mai gegebenenfalls eine Regierungskoalition mit CDU und Grünen anstrebt. Der Anwalt aus Strande relativiert zudem seine Ankündigung, im Herbst 2017 in die Bundespolitik zu wechseln.

In der Stadthalle schaut alles auf Kubicki. Als Parteichef Heiner Garg den Fraktionschef für den Listenplatz eins vorschlägt, brandet Beifall auf. Kubicki (64) stellt sich kurz vor („Ich bin altersbereinigt richtig gut drauf“) und borgt sich schmunzelnd den Slogan Donald Trumps: „I will make Schleswig-Holstein great again.“ Die 200 Delegierten jubeln. 198 wählen ihn. Kubicki ist sichtlich gerührt, aber schnell der Alte. Das Ergebnis habe ihn überrascht, sagt er den Delegierten. Kleine Pause. „Ich hatte mit 110 Prozent gerechnet.“

Danach rechnet Kubicki mit der rot-grün-blauen Regierung ab, nennt Ministerpräsident Torsten Albig einen „begnadeten Grabredner“, SPD-Chef Ralf Stegner einen „Nobelsozialisten“ und den grünen Verkehrspolitiker Andreas Tietze, der öffentlich von seinem alten Anti-A20-Kurs abgerückt ist, einen „Heuchler und Pharisäer“. Zwischendurch wirft er Albig & Co vor, in der Verkehrs-, Wirtschaft- und Bildungspolitik versagt zu haben. Das rot-grün-blaue Krippengeld (ab Januar 100 Euro für Eltern) lehnt der Liberale als „Neo-Kapitalismus“ ab: „Der Chefarzt bekommt den gleichen Betrag wie die Krankenschwester.“ Kubicki stellt dann einige Kernpunkte des FDP-Programms vor, das im Februar beschlossen werden soll. Die Liberalen wollen die Kita-Beiträge deckeln, im ersten Schritt auf 200 Euro für Krippen und 150 Euro für Kindergärten. Ziel ist letztlich eine Kostenlos-Kita. Die FDP möchte zudem ein Investitionsgebot (ab 2020 zehn Prozent der Nettoausgaben) in die Landesverfassung aufnehmen, die Grunderwerbssteuer für Häuser bis 500.000 Euro abschaffen, die Unterrichtsversorgung sicherstellen und eine zweite Einsatz-Hundertschaft der Polizei aufstellen. Darüber, wie die FDP das alles bezahlen will, sagt Kubicki kein Wort. Am Ende erhält er einen ordentlichen Ein-Minuten-Beifall.

Bei der Landesliste, die bei Umfragewerten von zuletzt zwölf Prozent bis Platz neun einen Sitz im Landtag verspricht, geht es zunächst schnell voran. Platz zwei sichert sich Landeschef Garg. Es folgen die Abgeordneten Anita Klahn, Christopher Vogt und Oliver Kumbartzy. Die erste Kampfabstimmung (Platz sechs) wird zum Debakel für den früheren Schulminister Ekkehard Klug. Der 60-jährige Historiker aus Kiel, 1996 sogar FDP-Spitzenkandidat, verliert nach einer blassen Rede haushoch (40 zu 153 Stimmen) gegen die feurige Kommunalpolitikerin Annabell Krämer aus Quickborn. Klug ist sichtlich getroffen, tritt für keinen weiteren Listenplatz an und beendet so absehbar seine landespolitische Karriere. „Es gibt auch außerhalb der Politik sinnvolle Möglichkeiten, sich zu betätigen“, bilanziert Klug bitter.

Die Voten bis Listenplatz 10

Listenplatz 1: Wolfgang Kubicki, MdL

Listenplatz 2: Dr. Heiner Garg, MdL

Listenplatz 3: Anita Klahn, MdL

Listenplatz 4: Christopher Vogt, MdL

Listenplatz 5: Oliver Kumbartzky, MdL

Listenplatz 6: Annabell Krämer

Listenplatz 7: Dennys Bornhöft

Listenplatz 8: Kay Richert

Listenplatz 9: Stephan Holowaty

Listenplatz 10: Jörg Hansen

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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Kommentar

Das Ostblock-Ergebnis von Wolfgang Kubicki bei der Wahl zum FDP-Spitzenkandidaten kommt nicht von ungefähr. Der Anwalt aus Strande ist laut Umfrage der bekannteste und populärste Politiker in Schleswig-Holstein.

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