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Dänen fordern endlich Klarheit

Fehmarnbelt-Querung Dänen fordern endlich Klarheit

Schwerer Rückschlag für den Fehmarnbelt-Tunnel: Dänemark will die endgültige Entscheidung zum Bau des Jahrhundertprojektes so lange auf Eis legen, bis auf deutscher Seite Planungssicherheit besteht.

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Widerstand gegen den geplanten Fehmarnbelt-Tunnel: Mit blauen Andreaskreuzen wollen die „Beltretter“ ihrem Protest sichtbar Ausdruck geben – auch auf dem Grund der Ostsee.

Quelle: obs/Beltretter

Kopenhagen/Fehmarn. Eigentlich wollten die Dänen im September endgültig grünes Licht geben für den Bau des Fehmarnbelt-Tunnels. Doch nun kommen aus Kopenhagen ganz neue Töne: Verkehrsminister Hans Christian Schmidt kündigte in der Netzzeitung „Altinget“ an, die Kabinettsentscheidung erst dann zu treffen, wenn auch auf deutscher Seite Planungssicherheit bestehe. Und das kann dauern. Der von Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer in Aussicht gestellte Abschluss des Planfeststellungsverfahrens verzögert sich weiter.

 Die Gesamtkosten für das Projekt waren zuletzt auf rund zehn Milliarden Euro geklettert. Davon übernehmen die Dänen den Löwenanteil für den knapp 18 Kilometer langen Absenktunnel, auf Deutschland kommen 2,2 Milliarden Euro für die Straßen- und Bahnanbindung in Ostholstein zu.

 „Sollte Dänemark keinen klaren Zeitplan erhalten, wann eine deutsche Bestätigung der Umweltverträglichkeit vorliegt, könnte es notwendig sein, dass bereits Beschlossene noch einmal aufzuschieben“, sagte Schmidt. Zwar hat das dänische Parlament das Baugesetz für die Querung bereits im April verabschiedet. Nach den Verhandlungen mit den Baukonsortien war jedoch zu Beginn des Jahres deutlich geworden, dass das Projekt noch einmal rund 1,2 Milliarden Euro teurer werden würde. Daraufhin einigten sich die befürwortenden Parteien im Folketing darauf, die finale Zustimmung erst im September zu geben – auf Grundlage einer aktualisierten Kosten- und Zeitplanübersicht.

 Woher die „Irritationen“ kommen, kann sich Reinhard Meyer nicht erklären. Bereits kurz nach Amtsantritt seines dänischen Kollegen im Juni habe es ein ausführliches Gespräch gegeben. Beide seien sich einig, dass die Zeitpläne auf dänischer und deutscher Seite durch den Fertigstellungstermin 2024 „gut miteinander synchronisiert werden können“. Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Hans-Jörn Arp, forderte Meyer hingegen auf, „unverzüglich seine Versprechungen gegenüber Dänemark einzulösen“ und verbindliche Termine für die Abschlüsse der Planfeststellungsverfahren für die Querung selbst sowie auch für die B 207 zu nennen.

 Unterdessen weiten die deutschen Gegner der Querung ihren Widerstand aus. Seit Anfang Juni stellen sie in Vorgärten, an Straßen und auf Feldern im Land blaue Holzkreuze auf. Rund 1000 sollen es bereits sein. Der Protest in X-Form erinnert bewusst an das gelbe Symbol der Gegner eines Atommüllendlagers im niedersächsischen Gorleben, sagte Ananda Julia Albert, Sprecherin der „Beltretter“. Gleichzeitig distanziert sich der Zusammenschluss aus fast 20 Initiativen, Parteien und Umweltorganisationen allerdings von den teilweise militanten Formen der Anti-Atom-Proteste im Wendland: „Keiner der Belttunnel-Gegner wird sich an Bahngleise ketten.“ Mit entsprechenden Blockadeaktionen, die unter dem Namen „Schottern“ bekannt wurden, hatten Castor-Aktivisten wie das Netzwerk „X-tausendmal quer“ einst auf sich aufmerksam gemacht.

 Der Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, Wolfgang Ehmke, freut sich dennoch über die norddeutschen Nachahmer: „Das belegt den Wiedererkennungswert des Zeichens als ein Symbol für die außerparlamentarische Opposition von engagierten Bürgerinnen und Bürgern.“

 Ende vergangenen Monats hatten die Tunnel-Gegner ihre blauen Kreuze erstmals in Szene gesetzt: Mit einer Drohne ließen sie das Zeichen über einer Hubinsel bei Puttgarden fliegen, von der aus die dänische Planungsgesellschaft Femern A/S den Meeresgrund untersucht.

 Von Ulrich Metschies und Thomas Paterjey

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Baubeginn 2016, freie Fahrt acht Jahre später. So sieht der Zeitplan für das Jahrhundertprojekt Belt-Tunnel bislang aus. Doch gestern hat der dänische Verkehrsminister Hans Christian Schmidt der deutschen Seite im Allgemeinen und seinem Kieler Amtskollegen Reinhard Meyer im Besonderen so kräftig öffentlich vors Schienbein getreten, dass ganz unmissverständlich wird: Die Dänen haben auf unsere Schnarchnasigkeit bei der Umsetzung bedeutender Infrastrukturprojekte keine Lust mehr.

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