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Acht Tage Zeit für Einwände in Kiel

Fehmarnbeltquerung Acht Tage Zeit für Einwände in Kiel

Das umfangreiche Genehmigungsverfahren für den Fehmarnbelt-Tunnel zwischen Rødby und Puttgarden geht in die entscheidende Runde. Ab Montag können Privatleute und Interessenorganisationen in der Kieler Halle 400 dem Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr (LBV) ihre Einwände vortragen – in den vergangenen Monaten gab es etwa 3100.

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Noch längst nicht freie Fahrt für die Fehmarnbeltquerung: Diese Computergrafik zeigt das Tunnelportal auf deutscher Seite für den geplanten Tunnel von Dänemark nach Deutschland.

Quelle: Femern A

Kiel. Eingeplant sind zunächst acht Tage, bis zu vier weitere könnte man bei Bedarf zusätzlich anbieten. Nach Angaben von Claus Dynesen (60), Leiter der Genehmigungsabteilung beim Bauherrn Femern A/S, aktiviert sein Unternehmen bis zu 40 Experten, um die erwartete Fülle an Fragen zu beantworten. Hinzu kommen zehn Festangestellte. Die Femern A/S ist auf deutschem Territorium für den Eisenbahnbau des Tunnels zuständig, der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) Lübeck für den Straßenteil.

 „Wir erwarten an den ersten Tagen richtig viele Leute“, sagt der Kopenhagener Dynesen. Warum die Veranstaltung nicht in Ostholstein oder auf Fehmarn stattfindet? Die Anhörungsbehörde sei nicht in der Lage gewesen, einen geeigneten Ort anzubieten, heißt es. Turnhallen wochenlang zu besetzen, sei den Schulen nicht zuzumuten. Die Halle 400 in Kiel verfügt über 450 Plätze. Das Angebot der Femern A/S indes, einen Bustransport zu nutzen, werden nur 20 Menschen in Anspruch nehmen.

 30 Einwände in Dänemark, mehr als dreimal so viele in Deutschland: Nach Auffassung von Dynesen stoßen zwei Kulturen und Traditionen aufeinander. „Deutschland mit seinem nicht gerade allerneusten Verwaltungsrecht hat die Tradition, Dinge lang und gründlich zu diskutieren – selbst dann noch, wenn es nur um Details geht. Das erscheint mir nicht verhältnismäßig. In Dänemark ist das Glas oft halbvoll, in Deutschland halbleer.“ Zugleich räumte Dynesen ein, dass das kleine Dänemark von seinen Handelspartnern vollständig abhängig sei. „Deutschland ist mit Abstand der wichtigste.“

 Im Frühjahr 2016 will die Femern A/S die Unterlagen beim LBV Schleswig-Holstein zur abschließenden Bewertung einreichen. Sollten dann keine Einwände mehr bestehen, könnte man Anfang 2018 mit dem Bau beginnen. Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) rechnet jedoch mit Klagen. Ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig sei nicht vor 2019 zu erwarten. „Es liegt im Interesse Dänemarks, noch während des anhängigen Verfahrens mit dem Bau zu beginnen“, sagte Dynesen. Allerdings könnte eine einstweilige Verfügung das verhindern. Schon jetzt hat das Milliarden-Projekt 150 Millionen Euro für die Voruntersuchungen gekostet. Bei einer Bauzeit bis zu acht Jahren wäre der Tunnel zwischen 2025 und 2027 fertig.

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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