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Schon 2500 junge Asylbewerber im Land

Flucht ohne Eltern Schon 2500 junge Asylbewerber im Land

Rund 68000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge leben derzeit in Deutschland. Während die Koalition in Berlin darüber streitet, ob und wann sie ihre Familien nachholen dürfen, nimmt die Zahl junger Asylbewerber auch in Schleswig-Holstein stark zu.

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 Im Land sind immer häufiger jugendliche Flüchtlinge.

Quelle: Angelika Warmuth/dpa

Kiel. Laut Sozialministerium sind im Land derzeit 2567 Flüchtlinge untergebracht, die noch nicht volljährig sind und ohne ihre Eltern einreisten. Das sind dreimal so viele, wie die Jugendämter im gesamten Jahr 2014 in Obhut genommen haben (830).

Nach dem bundesweiten Verteilungsschlüssel jedoch müsste Schleswig-Holstein nur 2316 aufnehmen und könnte folglich 251 Jugendlichen an ein anderes Bundesland abgeben – zum Beispiel nach Niedersachsen, das die Quote nur zu 80 Prozent erfüllt.

Die unbegleiteten Flüchtlinge kommen nicht in die Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes, sondern werden sofort auf Jugendhilfeeinrichtungen, betreute Wohngruppen oder Pflegefamilien verteilt. Die meisten von ihnen leben aktuell in Neumünster, 478 sind dort gemeldet. In Kiel sind 373 untergebracht. Das Jugendamt Segeberg kümmert sich um 451 Fälle, um weit mehr als die Behörden in Rendsburg-Eckernförde (167), Ostholstein (111) und Plön (44).

Die Jugendlichen kommen überwiegend aus Syrien, Afghanistan und Eritrea. Die Mehrzahl ist zwischen 14 und 18 Jahre alt und männlich. Weil aber viele von ihnen ohne Papiere nach Deutschland kommen, kann ihr Alter häufig nur geschätzt werden.

Obwohl der Streit um das Asylpaket II nur einen Bruchteil der unbegleiteten Flüchtlinge betrifft, spitzt sich die Auseinandersetzung zu. Es geht dabei um Asylsuchende mit sogenanntem subsidiärem Schutz. Darunter stehen Jugendliche, die im Heimatland zwar nicht verfolgt werden, doch bei einer Abschiebung Gefängnis, Folter oder den Tod fürchten müssten. Sie sollen nach dem Gesetzentwurf zwei Jahre keine Angehörigen nachholen dürfen. Das SPD-geführte Familienministerium räumte ein, man habe die Frage des Familiennachzugs falsch eingeschätzt. Strittig ist zudem, ob Algerien, Marokko und Tunesien als sichere Herkunftsländer eingestuft werden.

Hierzu haben Schleswig-Holsteins Grüne ihre ablehnende Haltung verschärft, sodass sich das Land im Bundesrat voraussichtlich enthalten wird. Noch Ende Januar hatte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) den Eindruck erweckt, dass es aus Kiel ein Ja geben werde. Sein Sprecher Carsten Maltzan wies am Montag darauf hin, dass das Abstimmungsverhalten im Koalitionsvertrag klar geregelt sei: Wenn einer der Partner in einem Punkt nicht zustimmen könne, werde sich enthalten. Die CDU kommentierte, Albig werde von den Regierungsfraktionen demontiert.

Unterdessen ringen Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und Justizminister Heiko Maas (SPD) weiter um einen Asylkompromiss.

Von Anne Holbach und Christian Hiersemenzel

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Immer mehr Minderjährige, die ohne Eltern auf der Flucht sind, erreichen unser Land. 2567 haben inzwischen hier Unterschlupf gefunden. Angesichts so großer Zuwachsraten bei den unbegleiteten Flüchtlingen hat mancher besorgte Bürger Angst davor, dass nach den Jugendlichen auch massenhaft ihre Angehörige herkommen. Sie glauben, die Familien schickten ihre Kinder vor, um einfacher Asyl zu bekommen.

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